Russen beschießen den Süden, die Ukraine den Osten

Ukraine beschießt Separatistengebiete im Osten mit US-Waffen

Mittwoch, 13. Juli 2022 | 17:24 Uhr

Nach der Lieferung neuer westlicher Waffensysteme meldet die Ukraine im Krieg gegen Russland Erfolge. Die Besatzer bekämen zu spüren, “was moderne Artillerie ist” und fänden nirgends in der Ukraine sicheres Hinterland, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj. Prorussische Separatisten in der Ostukraine bestätigten am Mittwoch massenhaften Beschuss. Zugleich verhandelten Russland und die Ukraine über die Freigabe von Getreidelieferungen. Auch da sieht Kiew Fortschritte.

In Europa bleibt die Hauptsorge, wie viel Gas künftig aus Russland kommt. Hintergrund ist der Stopp der Lieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 wegen einer Wartung. Die deutsche Regierung ist unsicher, ob Moskau den Gashahn nach den Arbeiten kommende Woche planmäßig wieder aufdrehen wird. Vorerst kommt noch über die Ukraine russisches Gas nach Europa. Mit 41,3 Millionen Kubikmeter lag die für Mittwoch vereinbarte Menge aber bei weniger als der Hälfte des möglichen Umfangs. Weil wenig Gas in Deutschland ankommt, kann derzeit auch nur wenig eingespeichert werden.

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beschwor am Mittwoch bei einem Besuch der US-Streitkräfte im bayrischen Grafenwöhr erneut die Geschlossenheit des transatlantischen Bündnisses und betonte auch: “Wir sind geeint in unserer Unterstützung für die Ukraine.” Zuletzt hatten mehrere westliche Staaten der Ukraine moderne Raketensysteme und Artillerie geliefert, die russische Ziele aus größerer Distanz beschießen können. Darunter ist der US-Mehrfachraketenwerfer Himars. In den vergangenen Wochen sollen russische Militärbasen, Munitions- und Waffenlager weit hinter der Front zerstört worden sein.

In der Nacht zum Mittwoch waren in der von prorussischen Separatisten gehaltenen Großstadt Luhansk in der Ostukraine Explosionen zu hören. Es habe massenhaften Beschuss auf Luhansk mit dem Himars-System gegeben, bestätigte Separatistenvertreter Andrej Marotschko auf Telegram. Nach Angaben der prorussischen Separatistenbehörden feuerte die Ukraine auch drei Raketen vom Typ Totschka-U ab. Es gab keine Berichte über Tote. Die prorussischen Separatisten in der Region Donezk meldeten ebenfalls ukrainischen Raketen- und Artillerie-Beschuss.

Auch die ukrainische Seite berichtete vom Einsatz des Raketenwerfers Himars. Militärdepots des Feindes würden vernichtet, erklärte der Chef der ukrainischen Militäradministration für das Gebiet Luhansk, Serhij Hajdaj. Aber auch die russischen Angriffe hielten an – mit Luftwaffe und Artillerie. Besonders bedroht seien die großen Städte des Donezker Gebiets.

Im südukrainischen Gebiet Mykolajiw wurden nach ukrainischen Angaben bei russischem Artilleriebeschuss mindestens fünf Zivilisten getötet. Es seien 28 Einschläge in verschiedenen Siedlungen registriert worden. Die russische Seite bestätigte den Beschuss von Mykolajiw und sprach von Angriffen auf zwei Kommandoposten der ukrainischen Armee. Es seien mehr als 350 ukrainische Soldaten getötet worden, erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau. Die Angaben der Kriegsparteien lassen sich kaum unabhängig überprüfen.

In der international nicht anerkannten “Volksrepublik Donezk” haben prorussische Separatisten drei Ausländer als Söldner zum Tode verurteilt – zwei Briten und einen Marokkaner. Die Männer hätten aber Berufung eingelegt, sagte Separatistenführer Denis Puschilin im russischen Staatsfernsehen. Sollte der Einspruch zurückgewiesen werden, würden die Männer unter Ausschluss der Öffentlichkeit erschossen. Sie waren Mitte April in der Hafenstadt Mariupol von prorussischen Kämpfern gefangen genommen worden. Mehr als hundert ukrainischen Kämpfern soll demnächst der Prozess gemacht werden.

Trotz der erbitterten Kämpfe trafen sich Vertreter der Ukraine und Russlands am Mittwoch in Istanbul zu Verhandlungen, wie eine ukrainische Getreideausfuhr ermöglicht werden könnte. “Wir sind zwei Schritte von einem Abkommen mit Russland entfernt”, sagte der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba der spanischen Zeitung “El País”. “Alles hängt nun von Russland ab”. Bei den Verhandlungen versuchen die Vereinten Nationen und die Türkei zu vermitteln. Russland wird vorgeworfen, den Export von ukrainischem Getreide zu blockieren und damit die Ernährungskrise in der Welt zu verschärfen.

Bemühungen zur Entspannung gibt es auch im Konflikt um den Transitverkehr zwischen Russland und der Ostsee-Exklave Kaliningrad. Die EU-Kommission erstellte neue Leitlinien. Demnach darf Russland auf der Sanktionsliste stehende zivile Güter per Bahn ohne große Einschränkungen durch das EU-Land Litauen bringen. Untersagt bleiben aber Straßentransporte von russischen Speditionen durch EU-Territorium. Zudem dürfen auch per Bahn keine Güter transportiert werden, die auch militärisch genutzt werden können. Die Regierung in Moskau hatte Litauen vorgeworfen, den Warenverkehr zwischen Russland und Kaliningrad unzulässig zu beschränken.

Eine Abtretung von Territorium an Russland als Teil eines Friedensabkommens schließt die Ukraine aber aus. “Das Ziel der Ukraine in diesem Krieg (…) ist die Befreiung unserer Gebiete, die Wiederherstellung unserer territorialen Integrität und die volle Souveränität im Osten und Süden der Ukraine”, sagte Außenminister Dmytro Kuleba am Mittwoch in Istanbul. Ob er damit die Grenzen vom 24. Februar, dem Tag des Kriegsbeginns, meint oder auch die 2014 von Russland annektierte Halbinsel Krim und die von pro-russischen Separatisten kontrollierten Gebiete im Donbass, blieb offen. Derzeit gebe es keine Friedensgespräche mit Russland, fügte er hinzu.

Von: APA/dpa

Kommentare

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21 Kommentare auf "Ukraine beschießt Separatistengebiete im Osten mit US-Waffen"


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N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 1 Tag

Sind russische Separatisten Andere als Deutssprachige in Südtirol oder katalanische in Spanien ? Hierzulande sind sie auch in der Minderheit. Hm….

meinungs.freiheit
meinungs.freiheit
Superredner
1 Monat 1 Tag

selten so ein bescheuertes Komentar gelesen

Dagobert
Dagobert
Kinig
1 Monat 1 Tag

@meinungs.freiheit
Des mocht glabi die Hitze!!

MeinLandl
MeinLandl
Grünschnabel
1 Monat 1 Tag

@meinungs.freiheit find i gor net, les di mol in dr geschichte va ukraine ein nr woasch wos er moant…

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 22 h

@meinungs.freiheit Separatisten sind Separatisten. Was willst du?

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 21 h

@Dagobert Dann lies mal einige Geschichtsbücher!

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
1 Monat 11 h

N. G.
Deine “russischen Separatisten” sind nichts weiter, als eine Bande von Mördern und Verbrechern, die mit Hilfe des russischen Militärs das Land und die Menschen ausplündern!
Meine Frau kommt aus der Region Charkiw, meine beiden Schwager kämpfen seit Februar gegen die russischen Mörderbanden und du vergleichst die Situation allen ernstes mit Südtirol? Ist dir ist wirklich kein Spruch zu blöd?
Ach ja, es fehlt noch ein “grins” in deinem Post!

Walter Kofler
1 Monat 1 Tag

Die Ukraine beschiesst heimatliebende Russen in der Ukraine mit Raketen aus den USA. Ohne Worte!!

nightrider
nightrider
Superredner
1 Monat 1 Tag

Und weil die Russen so heimarliebend sein, zerstören sie das ganze Land?!

Galantis
Galantis
Superredner
1 Monat 1 Tag

..und Russland beschießt seit dem 24. Februar heimatliebende Ukrainer und Russen in der Ukraine!
Ohne Worte!!

Grünschnabel
1 Monat 19 h

@Galantis
Die Ukrainischen Machthaber beschiessen ihre eigene Bevölkerung im Osten seit 2014! Zu unwichtiges Detail für dich?

Zugspitze947
1 Monat 1 Tag

Sehr gut ,denn diese Verräter und Putinknechte haben den Krieg ja begonnen 👌😢

Grünschnabel
1 Monat 19 h

@Zug
Bist du noch so’n Werwolf-Fan wie Jihadi Julian? Passt zu euch Reichsdeutschen!

Philingus
Philingus
Superredner
1 Monat 8 h

@botchan Sie sind doch ein Fan des Massenmörders Putin und seiner Diktatur. Da dürften ihnen doch die „Reichs-Deutschen“ wahre Freunde sein. Denn: menschenverachtend sind sie gleich.

Grünschnabel
1 Monat 3 h

@Philingus

Den Begriff ‘Reichsdeutsche’ verwende ich schon mehr als 20 Jahre, also
lange bevor es die ‘Reichsbürger’ gab, auf die sie wahrscheinlich
anspielen.

Und überhaupt, wo ist ihre Entrüstung wenn sich Zugspitze und Jihadi
Julian über Verbrechen gegen Zivilisten freuen? Sind die Bewohner der
Ost-Ukraine minderwertige Menschen für sie? Welcher Ideologie hängen sie
wirklich an? Humanist sind sie bestimmt keiner!

OH
OH
Superredner
1 Monat 1 Tag

Kommentar, völlig daneben !!!
Wenn die Ukraine Waffen aus USA bekommt, dann ist doch logisch das sie diese auch einsetzen. Nächster Artikel ist dann das IVECO Fahrzeuge benutzt werden. ……….. !!!! Einfach nichts mehr über den Krieg schreiben. Es kommt Verdruss auf. Jeden Tag !!! gibt es Kriege auf der Welt und darüber berichtet auch keiner .

primetime
primetime
Kinig
1 Monat 22 h

Irgendwie muss man informieren und gleichzeitig Klicks generieren damit die Seite finanziert werden kann durch die eingeblendete Werbung

Grünschnabel
1 Monat 19 h

@primetime
Pihole im Heimnetzwerk- keine Werbung mehr! 🙂

primetime
primetime
Kinig
1 Monat 10 h

Das ist nicht mein Problem. Es ging um die Erklärung oben. 90% der Benutzer kennt und hat keinen Adblocker

Walter Kofler
1 Monat 1 Tag

Die Redaktion hat den Text und die Überschrift im Nachhinein geändert!!! Warum?

mk
mk
REDAKTION
1 Monat 1 Tag

Weil der Bericht ein Update erfahren hat, d.h. er wurde ergänzt und umgeschrieben.

Mit freundlichen Grüßen aus der Redaktion.

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