Ein verwundeter ukrainischer Soldat im Asowstal-Werk

Ukraine gibt mit Stahlwerk letzte Bastion in Mariupol auf

Dienstag, 17. Mai 2022 | 14:42 Uhr

Nach Monaten erbitterter Kämpfe um Mariupol gibt die Ukraine dort ihre letzte Bastion auf und überlässt damit russischen Truppen die Kontrolle über die weitgehend zerstörte Hafenstadt. Das ukrainische Militär kündigte am Dienstag an, eine komplette Evakuierung des Asow-Stahlwerks anzustreben. Laut Vize-Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk werden die nächsten Schritte bereits vorbereitet, ohne Details zu nennen. “So Gott will, wird alles gut”, schrieb sie auf Telegram.

Das Stahlwerk war zum Sinnbild für den Widerstand in Mariupol geworden, weil sich dort wochenlang ukrainische Kämpfer verschanzt hatten. Nachdem zuletzt bereits Zivilisten, die dort ebenfalls ausgeharrt hatten, in Sicherheit gebracht worden waren, folgten laut der Ukraine nun mehr als 250 Kämpfer.

In dem Stahlwerksollen rund 600 Kämpfer ausgeharrt haben. Laut der ukrainischen Regierung wurden nun 211 in den Ort Oleniwka gebracht, der in der von pro-russischen Separatisten kontrollierten Region Donezk liegt. Vize-Verteidigungsministerin Anna Maljar erklärte, 53 verwundete Soldaten seien in ein Krankenhaus in der russisch kontrollierten Stadt Nowoasowsk gebracht worden. Für alle Evakuierten sei ein möglicher Gefangenenaustausch mit Russland vorgesehen. Die von Russland unterstützten Separatisten sprachen von 256 Kämpfern aus dem Stahlwerk, die “sich ergeben” hätten. 51 von ihnen seien verletzt.

Das russische Parlament erwägt allerdings, Kämpfer des Asow-Regiments von einem Gefangenenaustausch auszunehmen. “Nazi-Verbrecher unterliegen keinem Austausch. Das sind Kriegsverbrecher, und wir müssen alles dafür tun, sie vor Gericht zu bringen”, sagte Duma-Chef Wjatscheslaw Wolodin am Dienstag bei einer Plenarsitzung.

Einige der zuletzt noch in Mariupol ausharrenden ukrainischen Kämpfer gehören dem nationalistischen Asow-Regiment an. In Moskau wird Asow immer wieder als Rechtfertigung für den Krieg gegen die Ukraine herangezogen, der unter anderem die angebliche “Entnazifizierung” des Nachbarlands zum Ziel hat. Die Behauptung, die gesamte ukrainische Armee sei von “Nazis” dominiert, stufen Experten aber als unhaltbaren Vorwand ein.

Wolodin betonte zugleich, Russland tue alles, um verletzte ukrainische Gefangene medizinisch zu versorgen und sie human zu behandeln. “Aber was die Nazis betrifft, so muss unsere Position fest bleiben, weil dies eins der Ziele der militärischen Spezialoperation ist”, sagte er.

Nach Ansicht eines russischen Unterhändlers haben Kämpfer des Asow-Regiments überhaupt kein Recht auf Leben. Russland sollte für diese nationalistischen Kämpfer die Todesstrafe in Erwägung ziehen, sagt Leonid Slutski, der für Russland mit der Ukraine verhandelt. “Sie verdienen es nicht zu leben angesichts der monströsen Menschenrechtsverbrechen, die sie begangen haben und die sie weiterhin an unseren Gefangenen begehen.”

Kämpfer aus dem Stahlwerk werden nach Aussagen des russischen Präsidialamts jedenfalls nach internationalen Standards behandelt. Russlands Präsident Wladimir Putin habe dies zugesichert, sagt der Sprecher Dmitri Peskow.

Die Evakuierung des Stahlwerks markiert nicht nur das Ende eines der bisher verlustreichsten Kämpfe des Kriegs, sondern auch einen symbolträchtigen Verlust für die Ukraine. Deren Soldaten haben zwar zuletzt Geländegewinne rund um Charkiw verzeichnet. Doch die Kämpfe gingen am Dienstag auf breiter Front weiter.

Von: APA/Reuters

Kommentare

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13 Kommentare auf "Ukraine gibt mit Stahlwerk letzte Bastion in Mariupol auf"


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Skye
Skye
Grünschnabel
1 Monat 8 Tage

Habt ihr das Video von den Phosphorbomben auf das Stahlwerk gesehen?? Die Brände an der Oberfläche sollen den Soldaten in den Bunkern darunter den Sauerstoff nehmen… eine verbotene Art der Kriegsführung. Der Russe führt hier keinen glorreichen Krieg…

Sigo70
Sigo70
Superredner
1 Monat 8 Tage

Laut Russland waren das Brandbomben. Also wer hat Recht? Was kann man glauben?

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 8 Tage

…was willst schon von Kriegsverbrechern erwarten…im Prinzip sind sie militärische Flaschen…

Philingus
Philingus
Tratscher
1 Monat 8 Tage

Die menschenverachtende Kriegsführung Russlands wurde in Syrien mit Fassbomben und wahrscheinlich auch Giftgas-Einsatz bereits der Öffentlichkeit präsentiert. Da wundert es nicht, dass nach den Gräueltaten an der ukrainischen Bevölkerung durch russische Soldaten, die sich anscheinend von den Nazis haben inspirieren lassen, auch im Kampfeinsatz Russlands Armee auf sein Arsenal an verbotenen Waffen weiterhin setzt. Und der Führer Putin wird auch diesen Einsatz für gut und richtig heißen, weil er genauso krank im Kopf ist, wie viele seiner Bewunderer und Unterstützer.

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 8 Tage

@Philingus …es ist in der Tat unfassbar, dass es hier so viele Befürworter und Bewunderer von Kriegsverbrechen der Agressoren gibt…man kann sich nur für solche Individuen schämen…

Suedtirolfan
Suedtirolfan
Grünschnabel
1 Monat 8 Tage

@Philingus
Danke für deinen Kommentar- er hätte auch von mir kommen können. Gott sei dank wird es jetzt wenigstens zum Gefangenentausch kommen.

Philingus
Philingus
Tratscher
1 Monat 8 Tage

@Sigo70 Na, wenn das kein Qualitätsunterschied ist …

Galantis
Galantis
Superredner
1 Monat 8 Tage

@Sigo70
..aha der nächste Putin-Freund entlarvt! Sie glauben der russischen Berichterstattung mehr als der Ukraine und der westlichen Welt!

OrtlerNord
OrtlerNord
Tratscher
1 Monat 8 Tage

@Sigo70
Du bist schon die hellste Kerze auf der Torte!
Phosphorbomben sind Brandbomben.

Ludwig11
Ludwig11
Tratscher
1 Monat 8 Tage

Kein Krieg war und ist glorreich, es wird auch in Zukunft keinen glorreichen Krieg geben!

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 8 Tage

…fragt sich nur, wieso die Russen diesen Krieg angefangen haben…sie hausen in Ukraine schlimmer wie in Tschetschenien, Georgien und Syrien…willst den Ukrainern das Recht absprechen, sich vor diesen Kriegsverbrechern zu verteidigen…

der echte Aaron
der echte Aaron
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

super! Mal eine gute Nachricht….

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 8 Tage

…inzwischen sind sie in russischer Gefangenschaft…ob das gut ist, wird sich herausstellen…

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