Ostukrainisches Sewerodonezk von prorussischen Truppen eingekesselt

Ukraine im Osten unter Druck – Stadt Lyman erobert

Freitag, 27. Mai 2022 | 18:55 Uhr

Ukrainische Truppen geraten im Osten des Landes immer stärker unter Druck. Prorussische Separatisten erklärten am Freitag, die strategisch wichtige Stadt Lyman erobert zu haben. Der Eisenbahnknotenpunkt sei in ihrer Hand, teilten Vertreter der sogenannten Volksrepublik Donezk mit. Nach Angaben des Gouverneurs der Region Luhansk, Serhij Gaidai, ist zudem die Stadt Sewerodonezk zu zwei Dritteln von russischen Streitkräften eingekreist.

Der sehr starke russische Beschuss habe 90 Prozent der Wohnungen in Sewerodonezk beschädigt. Westliche Militärexperten sehen vor allem in der möglichen Eroberung von Lyman eine Vorentscheidung darüber, ob Russland seine Offensive fortsetzen kann oder nicht. Ein Sprecher des Kiewer Verteidigungsministeriums sagte, ukrainische Truppen hätten einen Gegenangriff gestartet.

Der russische Finanzminister Anton Siluanow sagte, dass Russland Haushaltsanreize für die Wirtschaft in Höhe von acht Billionen Rubel (rund 111 Milliarden Euro) setzen wolle. Russlands Präsident Wladimier Putin ordnete diese Woche eine zehnprozentige Erhöhung der Renten und des Mindestlohns an, um die Inflation abzufedern. Er bestritt, dass die wirtschaftlichen Probleme vor allem mit der von Russland so bezeichneten militärischen Sonderoperation in der Ukraine zusammenhängen.

In der Region Primorje in Ostrussland forderten zwei kommunistische Abgeordnete öffentlich ein Ende der Offensive in der Ukraine. “Wenn unser Land die Militäroperation nicht stoppt, wird es noch mehr Waisen in unserem Land geben”, sagte der Abgeordnete Leonid Wasjukewitsch am Freitag während einer Sitzung des Regionalparlaments. “Wir verlangen den sofortigen Rückzug der russischen Truppen.” Wasjukewitschs Fraktionskollege Gennadij Tschulga pflichtete ihm bei.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf der EU vor, immer noch nicht russische Energieimporte verboten zu haben. Jeden Tag zahlten die EU-Staaten eine Milliarde Euro für Gas und Öl, mit denen die russischen Kriegsanstrengungen finanziert würden. “Der Druck auf Russland ist buchstäblich eine Frage der Rettung von Leben. Jeder Tag des Zögerns, der Schwäche, der verschiedenen Streitigkeiten oder der Vorschläge zur ‘Befriedung’ des Aggressors auf Kosten des Opfers bedeutet lediglich, dass noch mehr Ukrainer getötet werden”, sagte er.

Der staatliche ukrainische Gaskonzern und Netzbetreiber forderte von Deutschland in diesem Zusammenhang, die Erdgas-Lieferung über die Pipeline Nord Stream 1 einzustellen oder stark zu drosseln. Eine entsprechende Bitte sei der deutschen Regierung zugestellt worden, erklärt Serhij Makogon im ukrainischen Fernsehen. Deutsches Recht erlaube einen Betrieb der Pipeline unter der Bedingung, dass dadurch die Gasversorgung Europas gesichert werde. Russland trage jedoch nicht zu einer sicheren Gasversorgung bei.

Unterdessen ging die Debatte um westliche Waffenlieferungen an die Ukraine weiter. Die Regierung in Kiew forderte Bodenwaffen mit größerer Reichweite, insbesondere Raketenwerfer, die ihr helfen könnten, eine Artillerieschlacht gegen Russland im Osten zu gewinnen. Nach US-Angaben erwägt die Regierung von Präsident Joe Biden sogar, Kiew mit dem Artillerie-System M142 HIMARS zu beliefern, das eine Reichweite von Hunderten Kilometern haben kann. Bisher hatte auch Washington davor gewarnt, dass Waffen mit größerer Reichweite eine Eskalation bedeuten könnten, wenn die Ukraine damit Ziele tief in Russland angreifen würde. Der russische Außenminister Sergej Lawrow warnte, jegliche Waffenlieferungen, die russisches Territorium erreichen könnten, wären “ein ernsthafter Schritt in Richtung einer inakzeptablen Eskalation”.

Russische Truppen waren am 24. Februar in das Nachbarland einmarschiert. In dem Konflikt sollen bisher Zehntausende Soldaten und Zivilisten getötet worden seien. Die UN sprach von 4000 getöteten Zivilisten. Selenskyj sagte, durch den Krieg seien rund zwölf Millionen Menschen aus ihren Häusern vertrieben worden. Rund 5,5 Millionen Menschen hätten das Land verlassen.

Er habe bereits mehrfach versucht, ein direktes Gespräch mit dem russischen Präsidenten zu organisieren, um den Krieg zu beenden, sagte Selenskyj. Russland sei anscheinend noch nicht bereit für ernsthafte Friedensgespräche, sondern stelle nur Ultimaten. Russland wiederum wirft der Ukraine eine Blockade der Gespräche vor.

Deutschlands Bundeskanzler Olaf Scholz warnte Putin vor Illusionen im Ukraine-Krieg. “Frieden entsteht nicht durch gewaltsames Unterwerfen. Gerechtigkeit ist die Voraussetzung für den Frieden”, sagte Scholz auf dem Katholikentag mit Blick auf den russischen Vormarsch. “Putin darf mit seinem zynischen, menschenverachtenden Krieg nicht durchkommen.”

Die britische Außenministerin Liz Truss sieht kein baldiges Ende der russischen Aggression gegen die Ukraine. “Wir müssen bereit sein, die Ukraine auf lange Sicht zu unterstützen”, sagte die konservative Politikerin am Freitag nach einem Treffen mit ihrem tschechischen Kollegen Jan Lipavsky in Prag. Jetzt sei nicht die Zeit für Selbstzufriedenheit. Man müsse sicherstellen, dass die Ukraine den Krieg gewinnt und Russland sich zurückzieht.

Von: APA/Reuters/dpa/AFP

Kommentare

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28 Kommentare auf "Ukraine im Osten unter Druck – Stadt Lyman erobert"


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Traminer
Traminer
Neuling
1 Monat 5 h

Olm schean Öl ins Feuer gießen, bis es wirklich zu an 3 Weltkrieg kimp!

Philingus
Philingus
Tratscher
1 Monat 4 h

Sorry, aber den Brand hat Putin entfacht und hält ihn mit äußerster Brutalität am Leben. Da wird ein Löschversuch mehr als überfällig sein, bis das Übel im Kreml mitsamt seiner geldgierigen Oligarchenclique in die Wüste geschickt ist. Es sei denn, sie bevorzugen das Leben in Unfreiheit, Willkür, Ausbeutung, Vergewaltigungen, Morden, Folter, … Dann ist ihr „schean Öl ins Feuer gießen“-Absatz natürlich richtig und Putin sich. (Bis der Herr hoffentlich ein Einsehen hat!)

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 3 h

Daran hab ich nie geglaubt und bei der jetzigen Situation schon mal gar nicht.
ABER, jetzt , Krieg unnötig in die Länge ziehen… Weiter so , viel Leid, viel Tot.
Der gesamte Westen inklusive Ukraine will das, also macht weiter..!

Traminer
Traminer
Neuling
1 Monat 3 h

@Philingus Habe nur Angst das Herr Putin irgendwann keinen Ausweg mehr sieht und den Roten Knopf drückt

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 1 h

…Traminer, sag deim Kolleg Putin, er soll den Feuerlöscher raustun…

Philingus
Philingus
Tratscher
30 Tage 23 h

@Traminer : wird Putin sich nicht trauen, denn atomare Strahlung interessiert nicht wo Landesgrenzen sind. Er wird immer eine ordentliche Antwort erhalten.

Calimero
Calimero
Universalgelehrter
1 Monat 4 h

Von einen Schurkenstaat ist nichts anderes zu erwarten.

Philingus
Philingus
Tratscher
1 Monat 4 h

Schurkenstaat? Endlich mal jemand, der Putin’s Russland den richtigen Namen verliehen hat! Danke!

OrtlerNord
OrtlerNord
Tratscher
1 Monat 3 h

Cali…
Fein das du Russland als ein Schurckenstaat bezeichnest der einen Angriffskrieg mit verlogene widerlich Argumenten begründet.
Hätte man Hitler gestoppt als er Polen angegriffen hat , wäre es gar nicht zum 2. Weltkrieg gekommen.

Doolin
Doolin
Kinig
30 Tage 23 h

@OrtlerNord
…liefert Ukraine endlich Raketen, die bis Moskau fliegen, sonst merken die dort nicht, was eine Spezialoperation ist…

Buffalo
Buffalo
Tratscher
1 Monat 4 h

Je mehr Waffen geliefert werden, um so länger wird der Krieg dauern. Eine Ausbreitung in Richtung 3. Weltkrieg wird dadurch immer wahrscheinlicher.

Philingus
Philingus
Tratscher
1 Monat 4 h

Stimmt. Die andauernden Lieferungen von Waffen in die Ukraine an die russischen Truppen seitens Moskaus, sind die größte Gefahr für einen dritten Weltkrieg. Es bleibt wirklich zu wünschen, dass mit der Entsendung schwerer Waffen in die souveräne Ukraine, Putin endlich seine Waffenlieferungen an seine Truppen, die sich unerlaubt auf fremden Staatsgebiet aufhalten und mit Mord und Vergewaltigung ihr militärisches Desaster auszugleichen versuchen, stoppt und die Unsinnigkeit seines Angriffskriegs auf die Ukraine erkennt und entsprechend handelt. Da stimme ich ihnen wirklich zu.

TirolerSued
TirolerSued
Grünschnabel
1 Monat 4 h

im Interesse der USA. Ober solong es nit in Übersee brennt isch es immenen jo wurscht

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 1 h

@Philingus
…ein bisschen Waffengleichheit sollte schon sein…

Dagobert
Dagobert
Kinig
1 Monat 4 h

Isch a boll Zeit!
Do zählt bold a jeder Tog!
Dei Kindermörder, Kinderentführer und Vergewaltiger miessn gestoppt werdn.

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 1 h

…wie du siehst, sind die rot drückenden Putinfreunde nicht deiner Meinung…

Grünschnabel
1 Monat 3 h

Dieser Krieg hätte verhindert werden können, bevor er begonnen hat. Unter einem Präsidenten Trump wäre es wohl nicht dazu gekommen.

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 2 h

…weil Trumpl der Kolleg vom Putin isch?…

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 1 h

WIeso? Hätte der zugestimmt, die Ukraine wieder an Russland anzubinden?

Hustinettenbaer
30 Tage 22 h
Och, wo Selenski doch so hübsch schleimen kann: “…Sie haben absolut Recht, Herr Präsident. Wir haben einen überwältigenden Sieg errungen und dafür hart gearbeitet. Wir haben hart gearbeitet, aber ich muss auch eingestehen, dass ich von Ihnen lernen konnte. Wir haben einige Ihrer Fähigkeiten und Ihr Wissen genutzt und diese als Vorbild in unseren Wahlkampf einfliessen lassen …Sie sind uns dabei ein grossartiger Lehrer. Säusel, blabla… Trump:…Es gibt viel Gerede über Bidens Sohn, dass Biden die Anklage stoppte und viele Leute wollen mehr darüber wissen. Was immer Sie mit dem Justizminister tun können, wäre grossartig… Selenski:..Der nächste Staatsanwalt wird zu… Weiterlesen »
Dagobert
Dagobert
Kinig
30 Tage 22 h

Geh ferl, gib arrua!

Spartacus
Spartacus
Superredner
1 Monat 2 h

Wiso werde ich das Gefühl, dass bezahlte prorussische Kommentare, im Umlauf sind, nicht mehr los?

Grünschnabel
1 Monat 13 Min

@Spartucus
Genau, weil 99% der Kommentare hier pro-Russisch sind… toc toc toc

Doolin
Doolin
Kinig
30 Tage 23 h

…weil das eine Tatsache ist und kein Gefühl…in diesem Forum sind viele Kreml-trolle unterwegs…deren Argumente sind entsetzlich für die Opfer Putins…

Grünschnabel
30 Tage 23 h

@Doolin
Du tramsch von Weisswürst!

Doolin
Doolin
Kinig
30 Tage 21 h

@Watschn
…schian wars…kann nur nicht verstehen, wie man für Kriegsverbrecher Partei ergreifen kann und morden, foltern und vergewaltigen von unschuldigen Zivilisten gut finden und applaudieren kann…

PeterSchlemihl
PeterSchlemihl
Universalgelehrter
1 Monat 1 h

Im Grunde bringt das nichts, denn zuletzt wird Putin siegen. Der Sekenskyj tut so, als griffe Russland den Westen an und will uns alle damit einbeziehen. Das ist bedenklich. In jedem Krieg verliert der Schwächere, und das ist nun mal die Ukraine.

Spartacus
Spartacus
Superredner
1 Monat 2 h

Jetzt nur tatenlos den Russen zuzusehen ist die größte Gefahr eines 3 Weltkrieges. Dass Amerika uns beim Säbelrasseln hilft und sich auf unsere Seite stellt, kann nur von Vorteil sein.

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