Ukrainische Armee hält weiter dagegen

Ukraine startet Gegenoffensive im Süden

Dienstag, 12. Juli 2022 | 21:06 Uhr

Die Ukraine hat im Süden des Landes eine Gegenoffensive gestartet, um von Russland erobertes Gebiet wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Nach ukrainischen Angaben wurden Ziele mit Langstreckenraketen beschossen und im Ort Nowa Kachowka bei Cherson ein Munitionsdepot getroffen. 52 Russen seien getötet worden. Nach Angaben der von Russland in der Region installierten Verwaltung wurden mindestens sieben Menschen getötet, weitere rund 60 verletzt.

Das meldete die russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf den Verwaltungschef Wladimir Leontjew am Dienstag. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben nicht.

Leontjew sagte weiter, es sei ein Lagerhaus getroffen worden, in dem sich Salpeter befunden habe. Das Nitrat kann sowohl als Dünger wie auch für die Herstellung von Sprengstoff eingesetzt werden. Bei dem Angriff seien Raketen des mobile US-Raketensystem Himars verwendet worden. Dazu nahm die Ukraine konkret zunächst nicht Stellung. Die südliche ukrainische Militärkommandeur teilte mit, der Gegner habe 52 Soldaten, eine Haubitze, eine Mörsergranate sowie sieben gepanzerte und andere Fahrzeuge verloren. Ukrainische Regierungsvertreter haben angekündigt, für die Gegenoffensive bis zu eine Million Soldaten rekrutieren zu wollen. Vize-Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk hatte die Zivilbevölkerung in der Region Cherson bereits am Sonntag aufgefordert, das Gebiet zu verlassen.

Die russischen Streitkräfte haben ihre Angriffe auf den Osten des Landes konzentriert. Nach der Einnahme der Region Luhansk steht nun Donezk im Visier Russlands, bei einem Erfolg dort wäre der gesamte Donbass eingenommen. Der Gouverneur der Region Donezk, Pawlo Kyrylenko, sagte, es gebe einen beträchtlichen Aufmarsch russischer Truppen in der Region, vor allem im Gebiet von Bachmut und Siewersk sowie Slowjansk und Kramatorsk. An der gesamten Frontlinie hielt der Beschuss an. Russische Truppen versuchten nach wie vor den Durchbruch, aber würden zurückgedrängt, sagte Kyrylenko. Laut Agentur Tass haben russische Streitkräfte Siewersk bereits eingekesselt.

Auch die südukrainische Stadt Mykolaiw wurde am Dienstag wieder von russischen Truppen angegriffen. Dabei wurden nach Angaben des Gouverneurs der gleichnamigen Region mindestens zwölf Menschen verletzt. Geschosse von Mehrfachraketenwerfern seien in zwei medizinische Einrichtungen und in Wohngebäude eingeschlagen, teilte Gouverneur Witali Kim auf Telegram mit. Mykolaiw liegt westlich von Cherson und ist der letzte größere Ort vor der westukrainischen Hafenstadt Odessa. Die Ukraine fürchtet, dass Russland auch dort die Kontrolle übernehmen will. In dem Fall wäre die Ukraine komplett von der Küste des Schwarzen Meeres abgeschnitten.

In dem größten Krieg in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg wurden bereits Tausende Menschen getötet. Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer sind auf der Flucht vor den Kämpfen. Mehr als 5,5 Millionen von ihnen sind ins Ausland geflohen. Europa bangt angesichts des Krieges um seine Energiesicherheit, da Russland die Lieferung von Gas eingeschränkt hat. Russland spricht von einem “militärischen Sondereinsatz” in der Ukraine, der der Entmilitarisierung und Denazifizierung zum Ziel habe. Der Westen und die Ukraine dagegen werfen Russland einen nicht provozierten Angriffskrieg und Kriegsverbrechen vor.

Die prorussischen Separatisten der selbsternannten Volksrepublik Donezk im Osten der Ukraine haben am Dienstag in Moskau ihre diplomatische Vertretung eröffnet. Die Repräsentanz wurde, begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot, in der Innenstadt von Moskau in der Nähe westlicher Vertretungen eingeweiht.

Die Chefin des “Außenministeriums” der Volksrepublik, Natalja Nikanorowa, sagte, die Lage vor Ort habe sich in den vergangenen Tagen “drastisch verschlechtert”, so dass lediglich eine nüchterne Zeremonie zur Eröffnung der Vertretung vorgesehen sei.

Was eine Eingliederung in den russischen Staat angehe, “haben wir es nicht eilig”, sagte Nikanorowa. Hauptziel sei es, “die Republik zu befreien”. Danach werde es eine Volksabstimmung geben, “und wir werden sehen, was der Wunsch des Volkes ist”. Ranghohe russische Vertreter waren nicht anwesend.

In der Kleinstadt Tschassiw Jar im Osten der Ukraine ist die Zahl der Toten nach einem russischen Raketenangriff auf ein Wohnhaus auf 45 gestiegen. Neun Menschen seien seit dem Angriff am Samstag aus den Trümmern gerettet worden, teilte der Zivilschutz in der Region Donezk am Dienstag mitteilte. Kiew spricht von einem zivilen Wohngebäude. Die russische Armee behauptet hingegen, ein militärisch genutztes Gebäude attackiert zu haben. Unabhängig lassen sich die Angaben kaum überprüfen.

Von: APA/Reuters/dpa/AFP

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

15 Kommentare auf "Ukraine startet Gegenoffensive im Süden"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Skye
Skye
Grünschnabel
1 Monat 5 Tage

Wenn sich jetzt auch der Iran in den Krieg einschaltet – frei nach dem Motto: “der Feindmeines Feindes ist mein Freund”- dann habe ich echt Angst, dass sich dieser Konflikt tatsächlich ausweiten könnte… ,

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 5 Tage

Nun, man war in der Vergangenheit auch nie wirklich gewollt gegen andere Diktaturen vor zu gehen. Hätte ja viel zu viel gekostet. Wieviele Menschen die in ihren Ländern unterdrücken und umbringen war egal und wurde nie gezählt!
Ausser natürlich Irak, da gab es was zu holen und Afghanistan war ein reiner Racheakt! Insbesondere, weil man da schon mal unverrichteter Dinge gehen müsste. Übrigens auch Russland!

Supergscheider
Supergscheider
Superredner
1 Monat 5 Tage

N.G.@ Afghanistan war ein Beschäftigungsprogramm für Ami und Co.
Was hatten die glorreichen West-Armen den sonst getan und die arme Kriegslobby ohne Material Verschleiss in Krise gegangen.
Wie Bush es schon sagte,wir mussten was tun.
Natürlich wurrden die Terroristen vom 11 September bestraft.
Leider sind wir so dämlich das zu glauben und die Schuldigen so zynisch , selbstgerecht und unmenschlich,einen solchen Wahnsinn zu inszenieren.

Superredner
1 Monat 5 Tage

Russland und Iran sind seit Jahrzehnten verbündet.

Philingus
Philingus
Superredner
1 Monat 5 Tage

@DontbealooserbeaSchmuser Na, das ist aber wirklich keine gute Aussicht für die Menschheit, wenn russische Diktatur und Islamismus Hand in Hand gehen. Beide wollen die Unterdrückung der Freiheit des Individuums, den absoluten Gehorsam und nur ihre Willkür regieren lassen.

Philingus
Philingus
Superredner
1 Monat 5 Tage
@Supergscheider Na, sie glauben bestimmt nicht selbst an den Unsinn, den sie hier zum Besten geben. Denn: außer Anti-Amerikanismus auf höchster Stufe, ist ihr Beitrag leider leer und könnte frisch aus der Propaganda-Abteilung des Kremls obersten Crétin Putins entstammt sein. Außerdem liegt der faulige Geschmack der Ära Sowjetunion – die, dem Herr sei’s gedankt Geschichte ist (hat sie doch nur Übles erzeugt) – gleichfalls in diesem Geschwurbel. Das sie natürlich zu den Tod-Bombadierungen ihres Herrchens Putin keine Stellungnahme abgeben ist typisch. Achja: nein, ich bin kein Amerikaner, kein Troll der „Amis“ und kritisiere sogar US-amerikanische Handlungen. Aber: ich bin Humanist… Weiterlesen »
Philingus
Philingus
Superredner
1 Monat 5 Tage

@Honor Falsch: ich respektiere die Staaten, aber nicht deren Diktaturen. Egal wo!

Supergscheider
Supergscheider
Superredner
1 Monat 4 Tage

Lieber Philingus @ Es spricht für sie,mein Pseudonym zu durchschauen,ja ich gebe es ehrlich zu nicht alles zu durchblicken .
Denoch kann ich eins und zwei zusammenzählen.
Ihr Problem ist das sie ihr Weltbild nicht hinterfragen wollen,den sonst könnten sie sich in Frage stellen müssen.
Es tut zwar weh,”unser wir sind die Guten ” in Frage zu stellen,denoch empfehle ich ihnen diesen Schritt.
Propaganda funktioniert auf allen Seiten,sind sie sich sicher auf der richtigen zu sein?

Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

@Supergscheider
Er ist Teil der Propaganda; bei ihm fragt sich nur noch ob er auch alles, was er so schreibt, selbst glaubt…
So arrogant wie er sich aufführt tippe ich mal darauf, dass er das tut.

Philingus
Philingus
Superredner
1 Monat 4 Tage

@botchan Ich glaube es nicht: ich weiß es, denn mein Wissen basiert auf fundamentalen humanistischen Werten, die den Menschen als denkendes Individuum in den Mittelpunkt stellen. Da sind sie allerdings weit, weit von entfernt. Da dürfen sie weiterhin brav und gehorsam das Agit-Prop-Geplärre aus dem Kreml ungefiltert streuen und jedwede Kritik an menschenverachtenden Taten ihres Führers Putin bekämpfen. Das ist der gravierende Unterschied zwischen ihnen und mir. Cogito ergo sum.

Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

@Philingus
Jetzt hab ichs: Sie wollen wie S. sein und trainieren schon mal für den Komiker-Part!
Anders kann ich mir ihr Geschreibsel nicht erklären.

Skye
Skye
Grünschnabel
1 Monat 5 Tage

Wenn die Russen die iranische Hilfe brauchen bedeutet das aber auch, dass ihnen langsam die Luft ausgeht… Ewig sind auch die Waffenlager der Russen nicht voll…

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
1 Monat 5 Tage

Skye
Ewig nicht, aber leider verfügen die Russen immer noch über unmengen an alter Munition aller Art.
Das große Problem der Russen ist jetzt, die Munition unbeschadet an die Front zu bringen. Da kommen jetzt langsam die vom Westen gelieferten modernen Raketenwerfer und Haubitzen ins Spiel.
Ich bewundere den Mut und das Durchhaltevermögen der Ukrainer, aber ob sie das noch lange Durchhalten? Ich weiß es nicht.

Albatros
Albatros
Neuling
1 Monat 5 Tage

Wenn sich die Russen in in diesem Konflikt durchsetzen, dann “GUTE NACHT EUROPA” Es ist tragisch genug mit anzusehen wie Putin u. Co. die G7 u. G20 an der Nase herumführt, die Inflation steigt und steigt und der Euro jeden Tag tiefer in den Keller rutscht. Wenn es so weiter geht dann werden wir auf die Nacht in Europa nicht mehr lange warten müssen.

OH
OH
Superredner
1 Monat 5 Tage

Also wenn ich im Krieg wäre, würde ich immer auf einen Angriff vorbereitet sein. Ist das in der Ukraine anders ??

wpDiscuz