Rauchsäulen über Sjewjerodonezk

Ukrainische Stadt Sjewjerodonezk vor dem Fall

Mittwoch, 08. Juni 2022 | 21:54 Uhr

In der Schlacht um die strategisch wichtige ostukrainische Industriestadt Sjewjerodonezk sind die russischen Streitkräfte laut der Regionalregierung erhebliche vorangekommen. Sie kontrollierten inzwischen den größten Teil der Stadt, teilte der Gouverneur von Luhansk, Serhij Gajdaj, am Mittwoch mit. Dem Sender RBC-Ukraine sagte er, die ukrainischen Soldaten hätten sich angesichts des gewaltigen russischen Ansturms im Laufe des Tages an den Stadtrand zurückziehen müssen.

“Wir kontrollierten jetzt wieder nur noch die Außenbezirke der Stadt”, so Gajdaj in einem Online-Beitrag. Die Kämpfe gingen aber weiter. “Man kann unmöglich sagen, dass die Russen die Stadt vollständig kontrollieren.”

Die ukrainischen Verteidiger von Sjewjerodonezk haben den russischen Angreifern nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskjy zugleich große Verluste zugefügt. Es sei eine sehr heftige und schwierige Schlacht um die Stadt, sagt er in einer Ansprache. Das Schicksal des Donbass, also des Ostens der Ukraine, werde sich hier in vielerlei Hinsicht entscheiden.

Die Zwillingsstadt Lyssytschansk sei schweren Bombardements ausgesetzt, führte Gouverneur Gajdaj online weiter aus. Die beiden Städte befinden sich in der Region Luhansk, die im Osten der Ukraine liegt und zusammen mit der Region Donezk dort den Donbass bildet. Das russische Militär hat den Fokus seines am 24. Februar begonnenen Angriffs auf die Ukraine in den Osten des Landes verlegt, nachdem es in anderen Gebieten einige empfindliche Rückschläge einstecken musste, etwa als es im März vor den Toren der Hauptstadt Kiew zurückgeschlagen wurde.

Das Hauptziel Russlands in den kommenden Tagen bestehe darin, Sjewjerodonezk einzunehmen und damit die strategisch wichtige Straße von den Städten Bachmut und Lyssytschansk vollständig abzuschneiden, sagte Gajdaj. “Die Kämpfe werden sehr heftig sein.” Ein Sprecher des ukrainischen Verteidigungsministeriums sagte, Russland habe in einigen Gebieten von Sjewjerodonezk zehn Mal mehr Ausrüstung aufgefahren als die ukrainischen Einheiten. Reuters konnte die Angaben über die Entwicklung nicht unabhängig überprüfen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte ein Informationssystem an, um Daten über mutmaßliche russische Kriegsverbrecher zu erfassen. Im “Buch der Henker” sollten bestätigte Angaben über Kriminelle aus der russischen Armee zusammengetragen werden, erklärte er in einer Videoansprache. “Es handelt sich um konkrete Fakten zu konkreten Personen, die sich konkreter, grausamer Verbrechen gegen Ukrainer schuldig gemacht haben.” Selenskyj verwies dabei auf mutmaßliche Verbrechen in dem Ort Butscha bei Kiew. Russische Beamte haben die Bilder der Ereignisse in Butscha als “Fälschungen” abgetan, die von den ukrainischen Behörden inszeniert wurden, nachdem die russischen Streitkräfte die Stadt Ende März verlassen hatten. Westliche Staaten weisen das zurück und sehen massive Menschenrechtsverletzungen. Deutschland hat Hilfe bei der Aufklärung von Kriegsverbrechen angeboten.

Nach Angaben der ukrainischen Staatsanwaltschaft wurden seit Beginn der Offensive Russlands in der Ukraine am 24. Februar mehr als 12.000 mutmaßliche Kriegsverbrechen registriert, an denen mehr als 600 Verdächtige beteiligt waren. Selenskyj sagte, es sei ein Schlüsselelement seines langjährigen Versprechens, russische Soldaten zur Rechenschaft zu ziehen, die für Morde, Vergewaltigungen und Plünderungen verantwortlich seien.

Die russische Führung spricht von einer “Spezialoperation” im Nachbarland. Die Ukraine und westliche Staaten werfen Moskau einen Angriffskrieg vor, der mittlerweile Zehntausende Menschen das Leben gekostet hat. Nach Angaben aus russischen Polizeikreisen sollen mehr als 1.000 gefangen genommene ukrainische Soldaten für Ermittlungen nach Russland gebracht worden seien. Es handle sich um Soldaten, die in Mariupol ihre Waffen niedergelegt hätten, meldet die Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf die Polizeikreise. Später sollten auch weitere ukrainische Gefangene nach Russland gebracht worden. Einige russische Abgeordnete haben verlangt, die ukrainischen Soldaten aus Mariupol vor Gericht zu stellen.

Von: APA/Reuters

Kommentare

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11 Kommentare auf "Ukrainische Stadt Sjewjerodonezk vor dem Fall"


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Dagobert
Dagobert
Kinig
17 Tage 17 h

In russische Gefangenschaft zu geraten ist wohl der schlimmste Alptraum, besonders für Söldner und Mitglieder des Azov Regiments und Soldatinnen!

Doolin
Doolin
Kinig
17 Tage 15 h

…da gibt’s Folter, Vergewaltigung und Erschiessen…

Philingus
Philingus
Tratscher
17 Tage 13 h

Ja,und wer sich die Unmenschlichkeit Putins und seiner Brutalo-Soldateska in der Ukraine – aber auch schon in Syrien usw. – betrachtet hat wenig Hoffnung für die Gefangenen, zumal Willkür-Urteile bzw. Gefälligkeits-Urteile für die Diktatur in Russland an der Tagesordnung sind. Tja, fällt einem doch ein Richter Freisler ein … (der hätte unter Putin bestimmt seine Freude)

Calimero
Calimero
Universalgelehrter
17 Tage 12 h

@ Doolin

Was du nicht alles weißt, sagt dir eigentlich der Irak Krieg noch etwas ?

buggler2
buggler2
Tratscher
17 Tage 14 h

Putin wird alles Zerstören was geht.

Dagobert
Dagobert
Kinig
17 Tage 12 h

buggler
Sogar sein geliebtes Russland zerstört dieser Schlächter!

Calimero
Calimero
Universalgelehrter
17 Tage 12 h

@ buggler2

Ganz genau, deshalb werden auch Korridore geschaffen um der Ukraine den Weizenexport auf dem Sehweg zu ermöglichen.

Philingus
Philingus
Tratscher
17 Tage 9 h

@Calimero : Falsch! Richtig muss es (von ihnen) lauten: „… werden WIR auch Korridore schaffen …“. Sie sind doch Putin’s Sprechblase … ( fragt sich nur, was sonst noch so durch diese „Korridore“ kommt, gell Cali?)

Pacha
Pacha
Universalgelehrter
17 Tage 7 h

@Philingus…..bevor man etwas behauptet soll man sich besser informieren. Die Ukrainischen Streitkräfte haben so ziemlich die gesamte Küste vermint einschließlich der Häfen und es sind die Russen, die zur Zeit die Häfen wieder frei machen die unter ihrer Kontrolle stehen. Also verschone uns mit deiner Propaganda!

Philingus
Philingus
Tratscher
16 Tage 20 h

@Pacha Wo ist denn die Logik? Warum wurden Minen ausgesetzt? Weil ihr Führer im Kreml einen souveränen Staat bedroht und der sich ganz legitim dagegen wehrt. Ist das so schwer zu verstehen? Würde ihr Supi-Dupi-Russki-Crétin-Putin auch machen. In seiner Paranoia würde er wahrscheinlich noch mehr machen. Wenn sie jetzt Putin’s Russland als Retter darstellen wollen, ist die Lachnummer perfekt. Ein „Retter“ mit Mord, Folter und Vergewaltigung der unschuldigen Zivilbevölkerung. Sie verhöhnen die Opfer der Gräueltaten und verehren die Verbrecher!

andr
andr
Universalgelehrter
17 Tage 15 h

Die Russen sind mit allen wässern gewaschen, lügen, verdrehen die Tatsache, vernichten zivile Häuser, wollen jegliche Verantwortung dem Westen zuschieben. Ein Spiel das nicht gut ausgehen kann. Wer vertraut noch einem Russen.

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