Russland hat offenbar enorme Verluste

Ukrainische Truppen setzen Vormarsch fort

Mittwoch, 14. September 2022 | 05:25 Uhr

Die Ukraine hat nach Angaben des Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mehr als 4.000 Quadratkilometer des von den russischen Streitkräften zurückeroberten Territoriums vollständig unter Kontrolle. Das Land sei auch dabei, seine Kontrolle über weitere 4.000 Quadratkilometer zu stabilisieren, sagt Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache. Am Montag hatte er erklärt, die Ukraine habe bei ihrer jüngsten Gegenoffensive 6.000 Quadratkilometer zurückerobert.

Ukrainische Beamte weisen jedoch darauf hin, dass es wichtig ist, zwischen der Einnahme von Territorium und der Gewährleistung der völligen Sicherheit dieses Territoriums zu unterscheiden. 4.000 Quadratkilometer entspricht der Fläche von knapp 750.000 Fußballfeldern.

Bereits zuvor hatte die Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland weitere Geländegewinne im Nordosten des Landes gemeldet. Demnach zogen sich russische Truppen nach ihrer Niederlage in der Region bei Charkiw am Dienstag aus ersten Orten im Nachbargebiet Luhansk zurück. Die USA dämpften nach dem ukrainischen Vormarsch jedoch die Euphorie: Die Fortschritte seien bedeutsam, doch sei es zu früh, die weitere Entwicklung zu beurteilen, sagte US-Außenminister Antony Blinken in Mexiko.

Der Kommunikationsdirektor des US-amerikanischen Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby sprach von einem Momentum der ukrainischen Streitkräfte. US-Präsident Joe Biden entgegnete am Dienstagabend (Ortszeit) auf die Frage von Reportern, ob ein Wendepunkt in dem Krieg erreicht sei, dies sei schwer zu sagen. “Es ist klar, dass die Ukrainer bedeutende Fortschritte gemacht haben. Aber ich denke, es wird noch ein langer Weg sein”, betonte Biden nach Angaben mitreisender Journalisten bei einem Besuch in Wilmington im Bundesstaat Delaware.

Der Russland-Experte Gerhard Mangott sprach am Dienstagabend in der ORF-ZiB 2 von einem eklatanten Versagen der gesamten russischen Militärführung Russlands. Sie habe große strategische Fehler gemacht. Zudem hätten Versuche, nach großen personellen Verlusten Freiwillige oder gar Gefängnisinsassen für die Armee zu rekrutieren, die russischen Streitkräfte nicht gestärkt.

Mangel an Verpflegung oder gar Wasser untergrabe zudem die Moral einer Truppe, die nicht wisse, warum sie in der Ukraine “gegen ein Brudervolk” kämpfen müsse. Eine Generalmobilmachung in Russland könne die Stimmung in Russland aber zum Kippen bringen, so Mangott, wenn plötzlich “die Söhne und Enkel” an die Front beordert würden. Einen möglichen Einsatz von Nuklearwaffen beschrieb Mangott als riskant, da er Putin diskreditieren würde. Selbst China würde so einen Schritt kritisch sehen, meinte der Experte sinngemäß.

Die russische Führung um Präsident Wladimir Putin zeigte sich trotz der Rückschläge unaufgeregt. Es sei keine Generalmobilmachung geplant, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow laut Agentur Interfax. Doch werden in Moskau Rufe nach Konsequenzen lauter. Zugleich gibt es Hinweise auf vermehrte Kritik an Putin. Dutzende Lokalpolitiker in Russland forderten seinen Rücktritt. Es kämen neue Unterstützer hinzu, twitterte die Abgeordnete eines St. Petersburger Bezirksrats, Xenia Torstrem. Die direkten Auswirkungen solcher Protestaktionen dürften aber gering sein. Seit dem Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar geht Russlands Justiz besonders hart gegen Oppositionelle und Andersdenkende vor.

In den zurückeroberten Gebieten versucht die Ukraine nach Worten von Präsident Selenskyj, das Leben rasch wieder zu normalisieren. “Es ist sehr wichtig, dass mit unseren Truppen, mit unserer Flagge auch das normale Leben in die nicht mehr besetzten Gebiete zurückkehrt”, sagte Selenskyj am Dienstagabend in seiner Videoansprache.

Als Beispiel sagte er, dass in der befreiten Stadt Balaklija im Gebiet Charkiw erstmals wieder Pensionen ausgezahlt worden seien – und zwar für fünf Monate. “In der Zeit der Besetzung konnten wir keine Zahlungen leisten.”

Zu den anderen Aufgaben in dem Gebiet zählte Selenskyj die Suche nach versprengten russischen Soldaten und Sabotagegruppen sowie die Festnahme von Kollaborateuren. Die Sicherheit in den befreiten Landesteilen müsse hergestellt werden.

Nach der Rückeroberung von Gebieten in der Ostukraine stoßen die ukrainischen Behörden indes dort nach eigenen Angaben auf Hinweise für mutmaßliche Verbrechen der russischen Besatzungsmacht. So berichtete der ranghohe ukrainische Polizist Serhij Bolwinow aus der Stadt Balaklija, dass die Invasoren im örtlichen Polizeirevier ein Foltergefängnis unterhalten hätten. Im Keller seien während der mehrere Monate dauernden Besatzung immer etwa 40 Menschen eingesperrt gewesen.

“Die Besatzer nahmen diejenigen mit, die beim Militär dienten oder dort Verwandte hatten, und suchten auch nach denen, die der Armee halfen”, schrieb der Leiter der Ermittlungsabteilung bei der Polizei Charkiw am Dienstag auf Facebook. Nach Zeugenaussagen seien Gefangene mit Stromschlägen gefoltert worden.

Aus anderen Orten der Region gibt es noch nicht verifizierte Berichte über den Fund von Ermordeten. Nach dem Abzug russischer Truppen aus der Umgebung von Kiew im Frühjahr waren dort Hunderte tote Zivilisten entdeckt worden. Moskau stritt trotz erdrückender Beweise ab, dass die Tötungen auf das Konto russischer Soldaten gingen, und sprach von einer ukrainischen Inszenierung.

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

16 Kommentare auf "Ukrainische Truppen setzen Vormarsch fort"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Kingu
Kingu
Superredner
20 Tage 6 h

Russland Armee ist halt ein kompletter Witz schon immer gewesen, auch gegen Deutschland hätte man nie gewonnen, wenn Amerika nicht die Produktionsstätten bombardiert hätten und Russen alleine gekämpft hätten. Die Furcht von Polen, war entsprechend komplett unbegründet, gegen die Polen hätte Russland derzeitig konventionell keine Chance. Polen besitzt mehr funktionierende moderne Panzer als die restlichen europäischen Nato-Streitkräfte, mit circa 250 Leopard-Panzer und 250 amerikanische M1 Abrahams und es wurden von Polen 1000 K2 Panzer von Südkorea bestellt, welches bis 2026 teils ausgeliefert werden sollten. Damit wäre die polnische Panzerarmee grösser als Frankreich, England und Deutschland zusammen.

pfaelzerwald
20 Tage 5 h

@kingu
Noch ist Polen nicht verloren!

N. G.
N. G.
Kinig
19 Tage 11 h

Egal was Russland heute macht, man sollte NIEMALS die menschlichen Opfer die sie im WK2 zu beklagen hatten, und Russland hat am meisten Menschen, Soldaten verloren, ins Lächerliche ziehen. Sie haben damals auch für unsere Freiheit gekämpft, sicher nicht uneigennützig, genau wie die USA aber .. !
Schäm dich in Grund und Boden!
Dermaßen Nonsens hab ich noch NIE gelesen oder gehört!

Zugspitze947
19 Tage 7 h

Kingu: du hast vergessen zu erwähnen dass die USA im 2.Welkrieg Russland mit TAUSENDEN Panzern-LKW und Flugzeugen beliefert haben,nur so war der Einmarsch in Deutschland möglich 🙂

Kingu
Kingu
Superredner
19 Tage 4 h

@N. G. das hat nicht mit der Verschmähung der Opfer zu tun, sondern einfach historische Fakten. Im Unternehmen Barbarossa hatte Deutschland keine 5000 Panzer und hat circa 3-mal so viele T34 und KV1 Panzer zerstört. Die Deutschen haben damals bewiesen, dass signifikant bessere Qualität und Technologie einer Massenproduktion überlegen ist, allein darum ging es mir. Weiterhin solltest speziell du mit deiner Historie an Kommentare zum Palästina Konflikt, das Wort schämen gar nicht ausschreiben.

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
19 Tage 2 h

@Kingu: die Fakten mögen stimmen. Bezüglich Nazizeit reagieren viele zurecht sehr empfindlich. War es doch die größte Menschheitskatastrophe aller Zeiten und Deutschlands Schandfleck über Generationen. Da klingt jede vermeintliche Glorifizierung als Hohn auf die vielen Millionen Opfer. Ich glaube Dir natürlich, dass Dir jede Verherrlichung fern liegt. Kein Zweifel! Aber Vorsicht und ganz viel Demut ist auf diesem glatten Eis angebracht. Insbesondere in der heutigen Zeit, in der manches Undenkbare bei einzelnen wieder denkbar und aussprechbar wird. Vor der schleichenden Erosion habe ich persönlich Angst!

Philingus
Philingus
Superredner
19 Tage 1 h

@N. G. Für Freiheit haben die russischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg niemals gekämpft. Sie haben lediglich dem braunen Terror den roten Terror folgen lassen. KZ oder Gulag (wobei die russischen Gulags älter sind), Gestapo oder KGB (Stasi), usw. Wenn noch die brutale Niederschlagung von Protesten (Prager Frühling, 17. Juni, usw.). Freiheit durch die Rote Armee? Lachnummer! (und das Gebaren der russischen Soldaten in der Ukraine gleicht nahezu zu 100% dem Gebaren der Roten Armee in Deutschland …)

Kingu
Kingu
Superredner
18 Tage 8 h

@Philingus Wäre nicht so, als hätte die UdSSR nicht bereits damals ein Genozid an die Ukraine begangen, in dem man im Osten den Bauern die Lebensgrundlage geklaut hat und einige Hunderttausende verhungern liess. Auch ein Grund, warum Polen alle kommunistische Wiederbetätigung ebenfalls verboten hat, für Polen war es nämlich komplett das identische Schicksal unter Nazi und Sowjetbesatzung.

Dagobert
Dagobert
Kinig
20 Tage 11 h

Genau jetzt ist der beste Zeitpunkt die Russn noch mehr zu schwächen, bevor sie aus ihrer Schockstarre erwachen!
Pfeffert ihmen umme! 💥

pfaelzerwald
20 Tage 5 h

@dagobert
womit?

NaSellSchunSell
NaSellSchunSell
Superredner
20 Tage 4 h

@pfaelzerwald sie können ja die Russen mit den Helmen bewerfen, sie sie aus Deutschland gekriegt haben…
Spaß beiseite. Die werden das Ding schon schaukeln, wenn sie die zur Verfügung stehenden Waffen geschickt nutzen.

pfaelzerwald
19 Tage 5 h

@NaSellSchunSell
Mag sein, dass die Deutschen u.a. Helme geliefert haben. USA hat aber ganz andere Kaliber geliefert.

Savonarola
20 Tage 11 h

am Ende steht die restlose Vernichtung aller Okkupanten

Zugspitze947
19 Tage 14 h

Endlich bekommt der Russe das Laufen nach hinten…….. Die Gerechtigkeit muss siegen 👌😢

Clown
Clown
Tratscher
20 Tage 7 h

Oh noch 2 Nummern die alles besser wissen

KASPERLE
KASPERLE
Tratscher
19 Tage 10 h

Bald wird ein Mann im Militäruniform beim Herrn Putin auftauchen und ihn bitten kurz “in einen anderen Raum zu folgen” ….

wpDiscuz