Verhandlungen über Getreideexporte

UN-Chef: Schritt zu Lösung von Ukraine-Getreidekrise

Mittwoch, 13. Juli 2022 | 21:06 Uhr

Im Streit um Getreideexporte aus der Ukraine ist nach Angaben von UN-Generalsekretär António Guterres ein erster Durchbruch erzielt worden. Bei den Gesprächen zwischen Vertretern der Vereinten Nationen, der Ukraine, Russlands und der Türkei in Istanbul sei ein “entscheidender Schritt” in Richtung einer Lösung vorgenommen worden, sagte Guterres am Mittwoch vor Journalisten in New York. “Heute haben wir endlich ein bisschen Hoffnung.” Details teilte Guterres zunächst nicht mit.

Er sagte aber: “Es wird noch mehr technische Arbeit notwendig sein, damit sich der heutige Fortschritt materialisiert.” Die internationale Gemeinschaft fordert von Russland seit Wochen, den Export von ukrainischem Getreide zu ermöglichen. Die Ukraine beklagt, dass die russische Kriegsmarine ihre Häfen im Schwarzen Meer blockiere. Russland streitet ab, Weizenexporte zu verhindern. Die beiden Länder gehören zu den größten Weizenexporteuren und spielen eine wichtige Rolle für die Nahrungssicherheit in der Welt. Die Vereinten Nationen warnten zuletzt schon vor der größten Hungersnot seit Jahrzehnten.

Auch nach türkischen Angaben wurde eine vorläufige Einigung zu Getreide-Exporten aus der Ukraine getroffen. Die Verhandler der Länder wollen sich nächste Woche erneut treffen, um die Vereinbarung zu unterzeichnen, sagte der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar am Mittwoch in Istanbul. Die Parteien hätten sich auf die Errichtung eines Koordinationszentrums geeinigt. So könnten die Sicherheit der Meeresrouten garantiert und die Lieferungen der Schiffe kontrolliert werden.

In ukrainischen Häfen stecken wegen des Krieges Schätzungen zufolge etwa 20 Millionen Tonnen Getreide fest. Auf Russland und die Ukraine entfallen fast ein Drittel der weltweiten Weizenlieferungen. Hauptabnehmer sind normalerweise Staaten des Nahen Ostens und nördlichen Afrikas. Nach Einschätzung der UN könnte die derzeitige Blockade im nächsten Jahr ein Hungersnot bei bis zu 19 Millionen Menschen auslösen.

Vertreter der Ukraine, Russlands, der Türkei und der Vereinten Nationen hatten in Istanbul über die Lösung des Streits um Getreideexporte aus der Ukraine verhandelt. Militärdelegationen der drei Länder und UN-Vertreter kamen am Mittwochnachmittag in der Metropole am Bosporus zu einem anderthalbstündigen Treffen zusammen, wie aus Tweets des türkischen Verteidigungsministeriums hervorging. Ergebnisse wurden zunächst nicht bekanntgegeben.

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba sah bereits zuvor eine Einigung in Reichweite. “Wir sind bereit, Getreide auf den internationalen Markt zu exportieren”, sagte Kuleba der spanischen Zeitung “El Pais”. Man sei “zwei Schritte” von einer Vereinbarung entfernt. Kuleba sagte, die Sicherheitsbedenken in Zusammenhang mit der russischen Position müssten berücksichtigt werden. “Wir befinden uns in der Endphase, und jetzt hängt alles von Russland ab.” Auf die Frage, warum Russland einer Vereinbarung zustimmen könnte, antwortete Kuleba, er vermute, dass die Führung in Moskau den Ländern in Afrika und Asien ihre Bereitschaft demonstrieren wolle, sie vor Nahrungsmittelknappheit zu bewahren. Allerdings sei es immer noch denkbar, dass Russland die Gespräche verlasse.

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums legte die Delegation aus Moskau “ein Paket von Vorschlägen zur schnellstmöglichen praktischen Lösung dieser Frage vor”. Wie dieses Paket aussehen soll, ließ Armeesprecher Igor Konaschenkow am Mittwoch allerdings offen.

Seit Beginn der russischen Invasion am 24. Februar und der Blockade ukrainischer Häfen sind die Preise für Getreide, Speiseöl, Treibstoff und Düngemittel drastisch gestiegen. Da die Ukraine einer der größten Weizenlieferanten weltweit ist, hat die Unterbrechung ihres Exportes zu einer Nahrungsmittelkrise geführt. Militärdelegationen Russlands, der Ukraine und der Türkei sollten in Istanbul mit UNO-Vertretern darüber beraten, wie sichere Exporte ukrainischen Getreides aus dem ukrainischen Schwarzmeerhafen Odessa ermöglicht werden können.

Russland hat der Ukraine vorgeworfen, eine Einigung zu verhindern. Diplomaten zufolge wird über Geleitschiffe beraten, die die Getreideschiffe durch die verminten Gewässer rund um den Hafen von Odessa führen sollen. Die Türkei soll zudem die Frachtschiffe mit Unterstützung der UN inspizieren, um russische Bedenken auszuräumen, es könnten auf diesem Wege Waffen in die Ukraine geschmuggelt werden. Mehr als 20 Millionen Getreide lagern in den Silos in Odessa. Es fehlt nicht nur auf dem Weltmarkt, sondern gefährdet auch die kommende Ernte, da der Ukraine der Lagerraum ausgeht.

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

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15 Kommentare auf "UN-Chef: Schritt zu Lösung von Ukraine-Getreidekrise"


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Philingus
Philingus
Superredner
26 Tage 14 h

Menschen verhungern und Putin lässt aus kriegspolitischem Kalkül Getreidelieferungen aus der Ukraine blockieren. Ja: Putin lässt auch Kinder elendig verhungern! Wie krank muss man im Kopf sein, um so menschenverachtend handeln zu können … Wie krank muss man im Kopf sein, um solch einen Mörder auch noch in Medien mit seinen Beiträgen zu unterstützen …

cilli72
cilli72
Grünschnabel
26 Tage 14 h

Globale Machtpolitik seit jeher.. Gut und böse mit dem kommst nicht weiter

NaSellSchunSell
NaSellSchunSell
Tratscher
26 Tage 4 h

in der Liebe und im Krieg ist alles erlaubt. Leider.

N. G.
N. G.
Kinig
26 Tage 3 h

@cilli72 Recht hast du! Denn nur den Schuldigen zu benennen, löst ja das Problem nicht. Das gabs immer schon und auch weiterhin ihne Putin!
Immerhin, er wird geredet. Was bei raus kommt, lass ich mal dahin gestellt.

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
26 Tage 2 h
In diesem Fall gibt es aber ganz klar eine Seite, die angreift und ein andere Land überfällt und eine andere Seite, die sich dagegen im eigenen Land verteidigt. Wir dürfen diese imperialistischen Ambitionen auf Kosten anderer nicht relativieren. Letztlich wird es auch um unsere freie Welt gehen, um die Verteidigung von Demokratie gegen offen ausgesprochene autokratische Expansionspläne, und zwar nicht nur von Seiten Russlands, sondern auch Chinas. Wir hinterlassen der nächsten Generation bereits einen Schuldenberg, undceine katastrophale Klimakrise, damit wir auf nichts verzichten müssen und aus den Vollen schöpfen. Wir können sie nicht auch noch den Diktatoren dieser Welt ausliefern.… Weiterlesen »
Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
25 Tage 15 h

Biolandbau fördert den Welthunger

N. G.
N. G.
Kinig
25 Tage 3 h

@Selbstbewertung Niemand relativiert und wenn, dann wird jetzt mit nur einem Schuldigen zu benennen, AUCH relativiert was all die Jahre vorher versäumt wurde. Oder?

Privatmeinung
Privatmeinung
Superredner
26 Tage 1 h

Info: Die Ukraine ist bei weitem NICHT einer der größten Weizenexporteure der Welt.  
Die Preissteigerungen usw. sind hauptsächlich nur Spekulationen, und werden nur von den Konzernen ausgenützt. Gleich wie bei Benzin und Diesel, hat alles nichts mit Krieg zu tun. 

Frank
Frank
Universalgelehrter
26 Tage 28 Min

So ist es. Die Hungesnot in der sogenannten „Dritten Welt“ hat schon lange vor dem 24.02.2022 begonnen, aber das wollen Scheuklappenträger, die dafür einen einzigen Schuldigen festmachen möchten, nicht wahr haben.

Faktenchecker
25 Tage 22 h

Es gibt nur eine Welt.

buggler2
buggler2
Tratscher
26 Tage 47 Min

was Putin hier macht ist ein Angriff auf die Bevölkerung, es braucht eine große Allianz der Krieg ist zu beenden das Thema Ukraine ist am Tisch zu verhandeln.

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
26 Tage 3 h

Es wäre besser, für alle Beteiligten,
wenn echte Friedensverhandlungen stattfinden würden!

Zugspitze947
25 Tage 4 h

Daran ist der Kriebgsverbrecher und Mörder PUTIN Nicht interessiert 🙁

tom
tom
Universalgelehrter
26 Tage 6 h

einsperren und erst wieder rauslassen mit einem unterschriebenen Friedensvertrag, ähnlich wie bei einer Papstwahl Anfang 1500

Entequatch
Entequatch
Tratscher
24 Tage 18 h

Bleibt nr zu hoffen dass die ukrainer sich damit kein trojanisches pferd ins haus holen

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