Warten auf Ergebnisse bei der Weltklimakonferenz

UN-Klimakonferenz bis Samstag verlängert

Freitag, 18. November 2022 | 22:12 Uhr

Die Weltklimakonferenz in Ägypten ist wie erwartet in die Verlängerung gegangen. Nach dem geplanten Ende am Freitag um 17.00 Uhr MEZ wurde in Sharm el-Sheikh weiterverhandelt. Konferenzpräsident Sameh Shoukry will das UN-Treffen, das am 6. November begonnen hatte, am Samstag abschließen, wie er betonte. Aus Kreisen der österreichischen Delegation wird ein Ende vor Sonntag nicht erwartet.

“Es ist Bewegung in die Verhandlungen gekommen”, teilte Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) Freitagabend mit. Ihrer Aussage nach liege dies besonders am Vorschlag der EU, dass nun über einen Fonds für die Finanzierung von Verlusten und Schäden (“Loss and Damage”) diskutiert werde. Eine Voraussetzung für die Einsetzung eines solchen Geldtopfes sei, dass der Fokus auf vulnerable Länder liege. “Gleichzeitig muss es aber einen Fortschritt bei der Emissionsminderung geben”, so Gewessler.

Zudem sei am Freitag eine breite Gruppe von Ländern aus dem Norden und dem Globalen Süden an die ägyptische Präsidentschaft herangetreten, um mehr Ambitionen im Klimaschutz einzufordern. Die Ministerinnen und Minister der Staatengemeinschaft hätten laut Gewessler nun einen Zwischenstand der Verhandlungen an die Präsidentschaft übermittelt, um die Ergebnisse zusammenzuführen.

Es ist zu erwarten, dass das Team von Shoukry über Nacht an einem neuen Entwurf für die Abschlusserklärung arbeitet. In dem bisher vorliegenden zehnseitigen Papier seien noch etliche Lücken, hatten Regierungsvertreter und Umweltorganisationen bemängelt.

In dem Papier der ägyptischen Konferenzleitung vom Freitagmorgen wurde ein schrittweiser Kohleausstieg gefordert. Die Forderung etlicher Staaten und Klimaaktivisten, auch den dezidierten Abschied von Öl und Gas festzuschreiben, wurde aber nicht aufgegriffen.

Ebenfalls noch ungeklärt war die Streitfrage, ob unter dem Dach der Vereinten Nationen ein Fonds eingerichtet wird, der arme Länder für unabwendbare Klimaschäden entschädigt. Gemeint sind fatale Folgen der Erderwärmung wie Dürren, Überschwemmungen und Wirbelstürme, aber auch der steigende Meeresspiegel.

Gewessler sah Freitagvormittag in dem ersten Entwurf einen kleinen Schritt nach vorne. “Allerdings fehlen nach wie vor wesentliche Punkte. So bleibt der Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen unerwähnt. Er ist aber eine Grundvoraussetzung, um die Klimakrise langfristig zu bewältigen”, so Gewessler. Im Bereich der Anpassung würden die Formulierungen im derzeit vorliegenden Entwurf nicht mit dem aktuellen Verhandlungsstand übereinstimmen.

In dem Dokument wurden die Staaten auch aufgefordert, ihre größtenteils unzulänglichen Klimaschutzpläne bis spätestens zur nächsten Klimakonferenz nachzubessern, die Ende 2023 in den Vereinigten Arabischen Emiraten stattfindet. Die Staatengemeinschaft wurde zu einer tiefgreifenden und raschen Emissionssenkung aufgefordert. Ebenso sollte die Umstellung auf saubere Energien noch in den 2020er-Jahren deutlich schnell geschehen.

Eine sehr ungewöhnliche Formulierung gab es im Bezug auf fossile Brennstoffe: Im Text hieß es, es solle eine “Rationalisierung ineffizienter Subventionen” geben. Entwicklungsbanken wurden aufgefordert, ihre Finanzierungen an das Pariser Abkommen anzupassen. Zudem müsse ein “Fahrplan” zur Verdoppelung der Anpassungsfinanzierung bis 2025 auf 40 Milliarden Dollar (rund 38,7 Milliarden Euro) vorgelegt werden. Im Entwurf fehlten jedoch Hinweise für die Notwendigkeit einer UN-Vereinbarung über die biologische Vielfalt, die auf dem sogenannten Weltnaturgipfel (COP15) im Dezember in Montreal erfolgen soll.

Zur COP27 sind etwa 34.000 Teilnehmer angereist. In den vergangenen 20 Jahren ist laut dem Klima-Portal “Carbon Brief” keins dieser jährlichen Treffen pünktlich zu Ende gegangen.

Von: APA/AFP

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