Gruevski entzog sich mit seiner Flucht einer Haftstrafe

Ungarn soll Gruevski bei Flucht geholfen haben

Donnerstag, 15. November 2018 | 21:38 Uhr

Der in seiner Heimat zu einer Gefängnisstrafe verurteilte ehemalige mazedonische Regierungschef Nikola Gruevski ist albanischen Polizeiangaben zufolge auf seiner Flucht nach Ungarn teilweise in einem Pkw der ungarischen Botschaft unterwegs gewesen. Die Polizei teilte am Donnerstag mit, Gruevski sei in dem besagten Fahrzeug am Sonntag über einen Grenzübergang von Albanien nach Montenegro gefahren.

Wie der flüchtige Politiker von Mazedonien nach Albanien und später von Montenegro nach Ungarn gelangte, ist hingegen weiter unklar. Gruevski hatte am Dienstag über seine Facebook-Seite mitgeteilt, dass er in Budapest sei und dort einen Asylantrag gestellt habe. Die ungarische Regierung hat dies inzwischen bestätigt.

Die montenegrinische Polizei bestätigte am Donnerstagabend, dass der frühere mazedonische Regierungschef Nikola Gruevski am Sonntagabend ins Land eingereist war. Gruevski habe das Land noch am gleichen Tag wieder verlassen, hieß es. Weitere Details wurden nicht bekannt gegeben.

Gruevski hätte zu Wochenbeginn in seiner Heimat eigentlich eine zweijährige Haftstrafe wegen Korruption antreten sollen. Weitere Strafverfahren wegen schweren Amtsmissbrauchs in seiner Regierungszeit von 2006 bis 2016 sind anhängig. Den rechtsnationalen Politiker verbindet eine langjährige Freundschaft mit dem rechts-konservativen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban.

Nach Gruevskis Flucht nach Ungarn hatte das mazedonische Innenministerium Ermittlungen eingeleitet. Wie Regierungssprecher Mile Boznjakovski in Skopje am Donnerstag erklärte, sei man einerseits bemüht festzustellen, wie die Flucht durchgeführt wurde und ob Gruevski Helfer im Ausland hatte.

Parallel dazu läuft im Innenministerium auch eine interne Kontrolle, die darauf abziele, eventuelle Verstrickungen von Polizeibeamten in die Flucht Gruevskis festzustellen. Gruevski, der in Mazedonien zu zwei Jahren Haft verurteilt wurde, hält sich seit einigen Tagen in Budapest auf. Seinen Asylantrag stellte er in einer ungarischen Auslandsvertretung. Dies teilte Kanzleramtsminister Gergely Gulyas am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Budapest mit. Die ungarischen Behörden hätten nichts damit zu tun, dass Gruevski sein Heimatland verlassen habe, betonte Gulyas.

Auf die Frage, wann und wie der vor einer Gefängnisstrafe geflohene Politiker, dem sein Reisepass entzogen worden war, nach Ungarn gelangen konnte, gab es keine Antwort, berichtete das Internetportal “hvg.hu”. Gulyas erinnerte lediglich daran, dass Grenzen zwischen Balkanländern auch mittels eines Personalausweises passiert werden könnten. Ein offizieller Antrag auf Auslieferung von Gruevski seitens der mazedonischen Behörden sei noch nicht eingetroffen, sagte Gulyas.

Das mazedonische Außenministerium bezeichnete am Donnerstag die Entscheidung von Gruevski, in Ungarn, einem EU-Staat, um Asyl anzusuchen, als eine “paradoxe Situation”. In einer Aussendung des mazedonischen Außenministeriums nach einem Telefongespräch des Chefdiplomaten Nikola Dimitrov mit seinem ungarischen Amtskollegen Peter Szijjarto wurde laut der Presseagentur Makfax darauf hingewiesen, dass Mazedonien zu Regierungszeiten Gruevskis (2006-2017) auch seitens der EU-Kommission als ein “versklavtes Land” bezeichnet worden sei.

Die ungarische Fidesz-Partei des rechtskonservativen Ministerpräsidenten Viktor Orban bezeichnete Gruevski am Mittwoch als Opfer politischer Verfolgung. “In Ungarn hat ein Politiker um Asyl angesucht, den eine linke Regierung – die offensichtlich unter dem Einfluss von (US-Milliardär) George Soros steht – in diesem Augenblick verfolgt und bedroht”, erklärte Fidesz-Sprecher Balasz Hidveghi in Budapest.

Der ehemalige Chef der nationalkonservativen VMRO-DPMNE war im Mai wegen Amtsmissbrauchs im Zusammenhang mit der Anschaffung eines teuren Dienstwagens verurteilt worden. Gegen Gruevski, der zwischen 2006 und Anfang 2016 Regierungschef war, werden aber auch noch weitere Prozesse geführt. Mazedonische Medien hatten im Frühjahr errechnet, dass der nationalkonservative Politiker bis zu 20 Jahre hinter Gittern verbringen könnte, sollte er in allen diesen Prozessen verurteilt werden.

Von: APA/dpa

Kommentare

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1 Kommentar auf "Ungarn soll Gruevski bei Flucht geholfen haben"


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ivo815
ivo815
Kinig
24 Tage 7 h

Wo bleibt der Aufschrei der Rechten? Da werden Kriminelle wissentlich mit staatlichen Mitteln importiert, während man Integrierte zurück in Krieg und Terror schickt!

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