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Ungarns Parlament gedachte 100 Jahre Trianon

Donnerstag, 04. Juni 2020 | 14:40 Uhr

Im ungarischen Parlament haben die Abgeordneten am Donnerstag des 100. Jahrestages der Unterzeichnung des Friedensvertrages von Trianon gedacht, das in Ungarns als nationales Trauma gilt. Staatspräsident Janos Ader betonte in seiner Rede: “Die ungarische Nation hat es nicht nur gegeben, sondern es wird sie auch geben.”

Niemand könne Ungarn das Recht absprechen, darauf hinzuwirken, dass “die nationalen und spirituellen Grenzen der Nation unverändert bestehen bleiben, auch wenn sich die geografischen Grenzen der Nation verändern”.

Ader erinnerte an die Auswirkungen des Friedensvertrages nach dem Ersten Weltkrieg, durch das das Land zwei Drittel seiner Fläche verlor und mehr als drei Millionen Ungarn hinter die Landesgrenzen gerieten. Trianon habe keinen Frieden gebracht, auch nicht die Entwicklung der Region gefördert und ebenso wenig die ethnischen Spannungen verringert. Der Staatspräsident wies die Anschuldigungen zurück, wonach Ungarn die Absicht der Grenzrevision hege. “Wir achten unsere Nachbarn, doch ersuchen wir zugleich darum, dass auch sie uns achten sowie die in ihren Ländern lebenden Ungarn”, betonte der Staatspräsident.

Parlamentspräsident Laszlo Köver bedankte sich in seiner Rede im Namen des ungarischen Staates bei den auf den durch Trianon abgespaltenen Gebieten lebenden Ungarnstämmigen. Die heutigen Probleme seien nicht mittels Veränderung der Grenzen zu lösen, sondern mittels der Veränderung der staatlichen Politik, betonte Köver und forderte: Das Recht auf nationale Identität müsse zum Bestandteil der allgemeinen Menschenrechte werden, da dies gleichsam der ungarischen Nation, der benachbarten Nationen und der Zukunft Europas diene. Laut Köver sei die die ungarische Nation bedrohende Gefahr nicht vorbei, sondern eher erstarkt. Die im Karpatenbecken, in Mittelosteuropa gemeinsam oder nebeneinander lebenden Nationen werden entweder zusammen lachen oder zusammen weinen, erklärte Köver.

Die politische Erklärung zum Schutz der nationalen Identität, die durch Politiker der rechtsnationalen Regierungspartei Fidesz im Parlament eingereicht wurde, sei der Versuch, Verbündete zu finden in benachbarten Nationen und Ländern bzw. in den übrigen Nationen und Ländern Europas. Denn der Kampf der ungarischen Minderheiten um das Recht auf nationale Identität sei eine europäische Angelegenheit, betonte Köver. In der bevorstehenden Zeit warte auf alle europäischen Nationen ein ähnlicher Identitätskampf, wie ihn die ungarischen Minderheiten seit 100 Jahren ausfechten. Die politische Erklärung wende sich mit einem Aufruf an Parlamente und Regierungen der Nachbarländer, an die Institutionen der EU und der UNO, damit das Recht auf nationale Identität in den Rang der allgemeinen Menschenrechte gehoben werde, betonte Köver. Die Debatte über die Erklärung und deren Verabschiedung wurde verschoben.

In Österreich sprach der FPÖ-Politiker Christian Hafenecker Ungarn zum Anlass des Trianon-Gedenktags sein “aufrichtig empfundenes Mitgefühl” aus. “Über Nacht fanden sich Millionen Ungarn in anderen Staaten wieder, wurden von ihrem Heimatland abgetrennt und teilten damit das Schicksal der Südtiroler, Sudetendeutschen sowie zahlreicher anderer deutscher Bevölkerungsgruppen”, so der Nationalratsabgeordnete und Obmann der Parlamentarischen Gruppe Österreich-Ungarn in einer Aussendung vom Donnerstag.

Von: apa

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