UNO-General: Zusammenarbeiten oder untergehen

UNO-General: “Sind auf dem Highway zur Klimahölle”

Dienstag, 08. November 2022 | 02:16 Uhr

Auf der Weltklimakonferenz in Ägypten hat UNO-Generalsekretär António Guterres in düsteren Worten vor den katastrophalen Folgen der Erderhitzung gewarnt. “Wir sind auf dem Highway zur Klimahölle – mit dem Fuß auf dem Gaspedal”, sagte Guterres am Montag in einer Rede vor Dutzenden Staats- und Regierungschefs in Sharm el-Sheikh. “Wir kämpfen den Kampf unseres Lebens – und sind dabei zu verlieren”, warnte er mit Blick auf Dürren, Überschwemmungen und Unwetter.

Bis Ende kommender Woche beraten in Ägypten die Vertreter von rund 200 Staaten darüber, wie die Erderwärmung auf ein noch erträgliches Maß eingedämmt werden kann. Schon jetzt hat sich die Welt um etwa 1,1 Grad zur Zeit vor der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert aufgeheizt.

Guterres sagte, das 2015 in Paris vereinbarte Ziel, die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, sei akut gefährdet. Der Portugiese rief zu einem “Klima-Solidarpakt” zwischen wohlhabenden Staaten sowie Schwellen- und Entwicklungsländern auf. Dabei stünden die USA und China besonders in der Verantwortung. Beide Staaten stoßen mengenmäßig die meisten klimaschädlichen Treibhausgase aus – also vor allem Kohlendioxid und Methan. Wörtlich sagte er: “Die Menschheit hat eine Wahl: zusammenzuarbeiten oder unterzugehen!”

“António Guterres ist eine starke Stimme im Kampf gegen die Klimakrise – Stimmen, wie es viele braucht, um im Klimaschutz endlich mutig voranzukommen”, so Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Er nützte seinen Besuch bei der Weltklimakonferenz COP27 am Montag auch zu einem Treffen mit dem UNO-Generalsekretär, der kurz zuvor in seiner Eröffnungsrede selten drastische Worte für die Klimakrise und ihre mangelhafte Bekämpfung gefunden hatte.

Van der Bellen versicherte ihn einmal mehr seiner Solidarität: “Ich habe António Guterres meine volle Unterstützung im Kampf gegen die Klimakrise zugesagt – und ich werde nicht ruhen, bis auch die Letzten begriffen haben, dass es hier um nicht weniger als um unsere Lebensgrundlage und unsere Zukunft geht”, sagte der Bundespräsident nach dem Treffen, das für Journalisten nicht zugänglich war. Nicht zuletzt, ergänzte Van der Bellen, “führt uns der abscheuliche Angriffskrieg in der Ukraine vor Augen, dass die Energiewende auch deshalb so wichtig ist, um uns aus der Abhängigkeit von Russland zu befreien. Energie aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse können wir auch lokal produzieren.”

Italiens neue rechtsgerichtete Regierung bekannt sich nach den Worten von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni zu den Pariser Klimazielen. “Trotz eines sehr komplexen internationalen Szenarios, das bereits von der Pandemie betroffen ist und durch die russische Aggression gegen die Ukraine weiter gestört wird, bleibt Italien fest entschlossen, seinen Weg der Dekarbonisierung in voller Übereinstimmung mit den Zielen des Pariser Abkommens fortzusetzen”, sagte Meloni am Montag.

“Wir beabsichtigen, einen gerechten Übergang zu verfolgen, um die betroffenen Gemeinschaften zu unterstützen und niemanden zurückzulassen”, fügte Meloni in ihrer ersten Ansprache auf einem großen internationalen Gipfel seit ihrem Amtsantritt im Oktober auf Englisch hinzu. Italien habe seine Abhängigkeit von russischem Gas seit dem Angriff auf die Ukraine im Februar drastisch reduziert. Die Strategie zur Diversifizierung der Energieversorgung werde in Partnerschaft mit mehreren afrikanischen Ländern fortgesetzt.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi sagte als Gastgeber des Gipfels, es gebe große Erwartungen auf gute Ergebnisse. “Millionen Menschen rund um den Planeten haben ihre Blicke auf uns gerichtet.” Die Folgen klimabedingter Wetterereignisse seien so verheerend wie nie zuvor. “Wir haben eine Katastrophe nach der anderen erlebt. Sobald wir eine Katastrophe bewältigen, entsteht eine andere – Welle für Welle.” Die Erde habe sich in eine “Welt des Leids” verwandelt.

Die Premierministerin des karibischen Inselstaates Barbados, Mia Mottley, forderte in einer flammenden Rede auf der Weltklimakonferenz mehr Ehrgeiz im Kampf gegen die Erderwärmung. Die Länder der Erde hätten die kollektive Kraft zur Veränderung, sagte Mottley bei der Eröffnung des Gipfel-Segments am Montag. “Wir wissen, wie wir innerhalb von zwei Jahren ein Vakzin finden, wenn uns eine Pandemie trifft. Wir wissen, wie man einen Menschen zum Mond bringt – und jetzt stellen wir einen Rover auf den Mars.” Aber der einfache politische Wille, um das Leben von Menschen entscheidend zu verbessern, könne offenbar immer noch nicht aufgebracht werden.

Deutschland wird nach Angaben von Kanzler Olaf Scholz seine jährlichen Ausgaben für die internationale Klimafinanzierung bis 2025 auf sechs Milliarden Euro aufstocken. Das kündigte Scholz am Montag auf dem Weltklimagipfel an. 170 Millionen Euro sollen dafür in den neuen globalen Schutzschirm gegen Klimarisiken gehen. Der Umstieg auf erneuerbare Energien und die Einsparung fossiler Brennstoff sei nicht nur aus Klimaschutzgründen nötig. Er sei auch ein “sicherheitspolitischer Imperativ”, sagte Scholz.

Im Kampf gegen die Erderwärmung wollen die USA und Norwegen mit Partnern dafür sorgen, dass die weltweite Schifffahrt weniger klimaschädliche Emissionen ausstößt. Das kündigten der US-Klimagesandte John Kerry und Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre am Montag bei der Weltklimakonferenz in Ägypten an. Im Rahmen dieses “Green Shipping Challenge” machten Partnerländer, Häfen und Unternehmen mehr als 40 Ankündigungen, um im Schiffbau, beim Treibstoff und durch Richtlinien die “Schiffe der nächsten Generation” voranzubringen.

“Wenn Schiffe ein Land wären, wären sie der achtgrößte Verschmutzer”, sagte Støre. “Wir können diesen Kampf noch gewinnen”, sagte Kerry. Die Welt stehe im Kampf gegen die Erderwärmung am “vermutlich größten Moment der Entscheidung”. Laut Weltbank ist die Schifffahrt für rund drei Prozent des weltweiten Treibhausgasausstoßes verantwortlich – und diese Emissionen steigen.

Der griechische Energieminister Kostas Skrekas erklärte, dass sein Land bis Ende des Jahrzehnts an mindestens sechs Häfen Maßnahmen für geringere Emissionen umsetzen wolle. Darunter seien Systeme zur Stromversorgung auf dem Festland für im Hafen liegende Schiffe. Griechenland kontrolliert heute rund ein Fünftel der weltweiten Schifffahrtsflotten.

In Sharm el-Sheikh herrschen sehr hohe Sicherheitsvorkehrungen. US-Präsident Joe Biden will am Freitag teilnehmen. Vor Ort am Roten Meer sind 45.000 Teilnehmer registriert. Die Konferenz – bereits der 27. solche Gipfel, deshalb COP27 – soll zwei Wochen dauern.

Von: APA/dpa

Kommentare

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13 Kommentare auf "UNO-General: “Sind auf dem Highway zur Klimahölle”"


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Selbstbewertung
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Superredner
28 Tage 8 h
Die Menschheit hat sich auf Grund ihrer unerbittlichen Gier für den Untergang entschieden……kann mir nicht vorstellen, dass der Klimawandel in der aktuellen geopolitischen Lage, im Wettlauf um das höchste BIP, in der Zeit, in der die nationalen Interessen im Vordergrund stehen, die Menschen zuallererst und meistens nur sich selbst sehen und vor allem in einer Zeit, in der die meisten lieber an sich selbst als an die Wissenschaft glauben und die Politiker ganz allgemein so gut wie keine Glaubwürdigkeit mehr genießen, noch aufzuhalten oder auch nur spürbar zu bremsen ist. Wir wissen es, wollen es aber nicht wahrhaben. Der Preis… Weiterlesen »
Superredner
28 Tage 5 h

@Selbstbewertung falsche Fragestellung und Zuweisung, es sollte eher heissen, bringen die unnützen Massnahmen überhaupt etwas. Es warten zig Staaten darauf, auch unsere westlichen Lebensstandard zu erreichen und unser Planet hat schon lange den Zenit der erschöpfbaren Ressourcen erreicht. Wie können die Industriestaaten und Rest eigentlich so dumm sein. Einerseits sparen wir CO₂ ein und auf der anderen Seite sorgt der Rest der Welt dafür, dass wir die 10 Mrd. Menschen erreichen. Besser wäre einmal über Anti-Natalismus und Ein-Kind Politik auf der ganzen Welt zu denken, sonst wird jede Einsparung auf einem anderen Fleck des Planet wieder zu Nichte gemacht.

N. G.
N. G.
Kinig
28 Tage 2 h

In den USA gabs nen Indianer Stamm der bei jeder seiner Entscheidungen an die 7 Generation nach ihnen gedacht hat. Die nannten die europäischen Einwanderer “Wilde”
Hm..!

N. G.
N. G.
Kinig
27 Tage 16 h

@Kingu Na ja, wenn man andere Staaten, wie du behauptest nicht dazu bringt mehr für das Klima zu tun, wir willst du sie zu weniger Kindern überzeugen?
Auserdem, jemand muss anfangen. Es ist vollkommen unlogisch dauerd zu erklären, wie bei Atomstrom übrigens auch, dass es nichts nütze wenn alle drumherum weiter machen. Jemand MUSS ANFANGEN! Zudem hast du dabei die neuesten Entwicklungen nicht gehört… Lies dich erst mal rein…!

Selbstbewertung
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Superredner
27 Tage 14 h

@N.G.: Wir bräuchten diesen Stamm in allen Ländern dieser Welt!

Selbstbewertung
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Superredner
27 Tage 14 h
@Kingu: die Überbevölkerung ist sicher ein wichtiger Punkt. Wor müssen deutlich weniger werden, auch wenn das BIP kostet. Aber auch da müssen wir mal uns selbst diesbezüglich bewerten. Ich konnte es fast nicht glauben, aber es stimmt: wir in Europa sind dichter besiedelt als China! Auch wir können uns mit unserer Agrarfläche nicht selbst ernähren. Jetzt geht die Bevölkerung allmählich zurück. Es wäre natürlich auch wichtig, dass es in anderen Ländern genauso kommt. Der Bevölkerungsrückgang – und das trifft auch auf uns zu – stellt sich erst mit einem gewissen Wohlstand ein (s. auch China). Und noch etwas dürfen wir… Weiterlesen »
wellen
wellen
Universalgelehrter
28 Tage 6 h

Dann sollen die Staaten mal Nägel mit Köpfen machen…z.B. CO2Ausstoß bepreisen. Sonst : blablabla

spitzname
spitzname
Grünschnabel
27 Tage 16 h

… Deutschland, das nicht einmal imstande ist, eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn durchzusetzen. Mit grünen Ministern ! Avanti di questo passo !

Hausverstand bitte
Hausverstand bitte
Grünschnabel
28 Tage 6 h

Es wird gleich weiterbetoniert was im Wege steht,Wiesen ,Wälder alles……

ifassesnet
ifassesnet
Tratscher
27 Tage 18 h

Wenn untergehen, dann zumindest mit AC/DC – hat sich der alte Herr gedacht – er hätte schlimmer wählen können 😉

Faktenchecker
27 Tage 12 h

Auf der Marmolada wirs heuer kein Ski gefahren.

landlar
landlar
Grünschnabel
28 Tage 4 h

und wieder viel bla bla.
wie immer politik mit viel gerede und weniger eier

brunner
brunner
Universalgelehrter
28 Tage 1 h

Und alle machen gleich weiter…..

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