"Der Große Führer" zeigt sich zufrieden

UNO-Sicherheitsrat ruft Sondersitzung zu Nordkorea ein

Mittwoch, 03. August 2016 | 21:44 Uhr

Nach den jüngsten nordkoreanischen Raketentests will sich der UNO-Sicherheitsrat noch am Mittwoch in New York zu einer Sondersitzung treffen. Dass eine Rakete bis in die Nähe der japanischen Küste geflogen sei, bevor sie ins Wasser stürzte, “ist etwas, was der Sicherheitsrat sehr ernst nehmen muss”, sagte der stellvertretende britische UNO-Botschafter Peter Wilson.

Nordkorea hatte am Mittwoch erneut eine Rakete getestet und damit internationale Kritik auf sich gezogen. Erstmals erreichte der Flugkörper japanische Gewässer. Die Rakete sei in einem Gebiet ins Meer gestürzt, das Japan für sich beanspruche, sagte ein Vertreter des japanischen Verteidigungsministeriums. Mit dem Raketentest setzte sich Pjöngjang neuerlich über UNO-Beschlüsse hinweg.

Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe bezeichnete den Raketentest als “unerhörte Aktion” und “ernsthafte Bedrohung der Sicherheit unseres Landes”. Auch das US-Außenministerium verurteilte den Test. Das Land sei darauf vorbereitet mit seinen Verbündeten und Partnern weltweit auf weitere Provokationen Nordkoreas zu antworten, sagte eine Sprecherin. Diese “Provokation” werde nur bewirken, “dass die Entschlossenheit der internationalen Gemeinschaft zum Widerstand gegen diese verbotenen Aktivitäten noch zunimmt”, betonte Pentagon-Sprecher Gary Ross.

Die Rakete sei 250 Kilometer vor der Oga-Halbinsel an der Westküste Japans in der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) des Landes ins Wasser gestürzt, teilte der japanische Verteidigungsminister Gen Nakatani am Mittwoch mit. Es ist der erste Raketeneinschlag in Japans AWZ. Zugleich war noch nie seit 1998 eine nordkoreanische Rakete so nahe an das japanische Territorium geflogen.

Regierungssprecher Yoshihide Suga warf Nordkorea in Tokio vor, mit derartigen Raketenstarts auch die zivile Luft- und Schifffahrt zu gefährden. “Es gab keine Vorwarnung”, sagte er. “Mit Bezug auf die Sicherheit von Flugzeugen und Schiffen ist dies ein extrem problematischer, gefährlicher Akt.”

Nach Beschlüssen des UNO-Sicherheitsrates ist dem kommunistischen Regime der Start ballistischer Raketen untersagt. Nordkorea entwickelt die Raketen als Teil seines Programmes zum Aufbau einer Atomstreitmacht. Das Land hatte 1998 eine Rakete über Japan hinweg in den Pazifik geschossen. Japan hatte Nordkorea vorgeworfen, hoheitliches japanisches Gewässer und seinen Luftraum verletzt zu haben. Nordkorea wies das zurück und sprach damals von einem Satellitenstart.

Das nordkoreanische Militär habe am Mittwoch im Südwesten des Landes zwei mutmaßliche Rodong-Raketen gestartet, von denen eine 1000 Kilometer in Richtung Japan geflogen sei, teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul mit. Die andere Rakete sei vermutlich direkt nach dem Start explodiert.

Die jüngsten Raketentests durch Nordkorea folgten neuen Drohungen des kommunistischen Regimes, gegen die geplante Stationierung eines weiteren amerikanischen Raketen-Abwehrsystems in Südkorea mit “physischen Maßnahmen” vorzugehen.

Am 19. Juli hatte das Land drei ballistische Raketen abgefeuert, die zwischen 500 und 600 Kilometer in Richtung Meer geflogen waren. Das Regime hatte diese Tests als Teil einer Übung zur Simulation von Erstschlägen gegen See- und Flughäfen in Südkorea bezeichnet, die vom US-Militär benutzt werden. Zuvor hatten Washington und Seoul ihre Entscheidung bekanntgegeben, im nächsten Jahr das US-Raketen-Abwehrsystem THAAD in Südkorea zu stationieren.

Nordkorea hatte in den vergangenen Monaten zahlreiche Raketentests unternommen, darunter befanden sich auch Starts von einem U-Boot aus. Seit einem neuen Atomtest Nordkoreas Anfang dieses Jahres und einem umstrittenen Raketenstart ist die Lage in der Region sehr gespannt.

Die EU verurteilte die jüngsten nordkoreanischen Raketentests scharf. “Diese Aktionen werden nur dazu führen, die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel anzuheizen und den Frieden und die Sicherheit in der gesamten Region zu bedrohen”, teilte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini am Mittwoch mit. Nordkorea müsse unverzüglich alle Raketenstarts mit ballistischer Technologie einstellen.

Von: APA/dpa/ag.

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