Die neue Rakete flog 3.700 Kilometer weit

UNO-Sicherheitsrat verurteilt Raketenstart Nordkoreas

Freitag, 15. September 2017 | 22:53 Uhr

Der UNO-Sicherheitsrat hat den jüngsten nordkoreanischen Raketentest als “zutiefst provozierend” verurteilt. In einer am Freitag nach einer Dringlichkeitssitzung einstimmig verabschiedeten Erklärung wurde Pjöngjang aufgefordert, sein “empörendes Vorgehen” sofort einzustellen. Allen Warnungen zum Trotz hatte Nordkorea am Freitag erneut eine Mittelstrecken über Japan hinweg in den Pazifik gefeuert.

Nordkoreas Atom- und Raketentests seien eine Bedrohung nicht nur für die Region, “sondern für alle UN-Mitgliedstaaten”, hieß es in der Erklärung, der auch die Vetomächte China und Russland zustimmten. Erst drei Wochen zuvor hatte Pjöngjang erstmals eine Rakete über Japan hinweg geschossen. Anfang des Monats hatte Nordkorea seinen sechsten und bisher gewaltigsten Atomtest vollführt.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un lässt seit Jahren das Raketen- und Atomwaffenprogramm seines Landes ausbauen und fordert die internationale Gemeinschaft immer wieder mit Raketen- und Atomwaffentests heraus. Die Führung in Pjöngjang wirft den USA und Südkorea vor, Nordkorea zu bedrohen.

Der neuerliche Start einer nordkoreanischen Rakete über Japan hinweg hat weltweit für Empörung gesorgt. US-Außenminister Rex Tillerson forderte neue Strafmaßnahmen gegen das kommunistische Land. Die anhaltenden Raketentests seien eine Bedrohung für die ganze Welt.

Die USA arbeiteten mit ihren regionalen Verbündeten Südkorea und Japan in der Frage zusammen, betonte Tillerson. Wissenschafter nannten die Reichweite der Rakete von 3700 Kilometern bemerkenswert. Nordkorea habe damit demonstriert, dass es die US-Pazifikinsel Guam erreichen könne, erklärten sie. Die Zielgenauigkeit des Geschosses sei aber noch schlecht.

Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) verurteilte den nordkoreanischen Raketentest scharf. Auf Twitter warnte er, die fortgesetzten unverantwortlichen Provokationen würden die Interessen der nordkoreanischen Bevölkerung gefährden.

Die von Nordkorea abgefeuerte Rakete flog über Japan hinweg und stürzte anschließend rund 2000 Kilometer östlich der Insel Hokkaido in den Pazifik, wie südkoreanische und japanische Regierungsvertreter mitteilten. Bereits Ende August hatte Nordkorea eine Rakete über Japan hinweg geschossen. Das US-Militär teilte mit, dass es sich bei dem neuen Geschoss ersten Einschätzungen zufolge um eine ballistische Mittelstreckenrakete gehandelt habe. Sie habe keine Gefahr für die USA oder die amerikanischen Stützpunkte auf der Pazifikinsel Guam bedeutet. Nordkorea hatte vor kurzem mit einem Angriff auf das US-Territorium gedroht. Die USA haben zudem 28.500 Soldaten in Südkorea stationiert.

In den vergangenen Wochen feuerte das isolierte Land trotz der neuen Sanktionen immer wieder Lenkflugkörper ab. Nordkorea arbeitet mit Hochdruck an der Entwicklung von Interkontinental-Raketen, die auch die USA erreichen könnten. Am Donnerstag hatte Nordkorea der Regierung in Tokio mit dem Einsatz von Atombomben gedroht als Reaktion auf neue UN-Strafmaßnahmen gegen das weitgehend isolierte Land.

Nordkorea hatte nach eigenen Angaben Anfang September eine Wasserstoffbombe getestet. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verhängte daraufhin am Montag neue Sanktionen. Die jüngsten Strafmaßnahmen sehen unter anderem ein Verbot von Textilausfuhren aus Nordkorea vor, dem nach Kohle und Erzen das zweitwichtigsten Exportgut des Landes. Allerdings wurde ein erster US-Sanktionsentwurf abgeschwächt, um die Unterstützung Chinas und Russlands zu erhalten.

Von: APA/ag.