Der Konflikt hinterließ seine Spuren

UNO-Sicherheitsrat will Soforthilfe für Gaza

Sonntag, 23. Mai 2021 | 19:26 Uhr

Nach der Waffenruhe im Gaza-Konflikt hat sich der UNO-Sicherheitsrat für schnelle humanitäre Hilfe für die Zivilbevölkerung im Gazastreifen stark gemacht. Er betonte zudem die Dringlichkeit, dauerhaften Frieden in der Region zu erreichen – mit dem Ziel von “zwei demokratischen Staaten”, Israel und Palästina, friedlich Seite an Seite. Auch US-Präsident Joe Biden und die EU dringen auf eine solche Lösung. In der Nacht auf Freitag war eine Waffenruhe in Kraft getreten.

Israel und die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas hatten sich darauf unter Vermittlung Ägyptens nach einem elftägigen Schlagabtausch verständigt. Israel hat jedoch die Sorge, Hilfslieferungen in den blockierten Küstenstreifen könnten wie nach dem letzten Gaza-Krieg 2014 für eine Aufrüstung der Hamas missbraucht werden. Israelische Minister bekräftigten, Israel werde künftig auf jeden Angriff aus dem Palästinensergebiet deutlich härter reagieren als zuvor. Finanzminister Israel Katz sagte am Sonntag: “Für jeden Angriff auf den Süden muss es gezielte Tötungen von Hamas-Führern geben und Feuer auf Hamas-Ziele.” Yahya al-Sinwar, Hamas-Chef im Gazastreifen, werde für jeglichen Angriff “mit seinem Kopf bezahlen”.

Nach Angaben der israelischen Armee hatten militante Palästinenser während des Waffengangs mehr als 4.360 Raketen auf Israel abgefeuert. 680 davon seien im Gazastreifen selbst eingeschlagen. Bei den Angriffen seien in Israel 13 Menschen getötet worden. Die israelische Armee habe mehr als 1.500 Ziele in dem Küstenstreifen beschossen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden 248 Palästinenser getötet, mehr als ein Viertel davon Minderjährige. Israels Armee spricht dagegen von mehr als 200 getöteten militanten Palästinensern im Gazastreifen.

Die von der Hamas kontrollierten zivilen Regierungsstellen in dem Küstenstreifen nahmen am Sonntag wieder ihre Arbeit auf. Die israelischen Angriffe zielten auf die militärische Infrastruktur der Hamas ab, richteten aber zugleich enorme Schäden an Wohn- und Hochhäusern, Gesundheitseinrichtungen und anderen öffentlichen Gebäuden an. Der Alltag der mehr als zwei Millionen Einwohner des Gazastreifens kam zum Erliegen. Die Bombardements verbreiteten unter den Zivilisten Angst und Schrecken.

Am Sonntag räumten freiwillige Helfer in Gaza Trümmer von den Straßen weg. Geschäfte und Banken öffneten wieder. Vor allem im nördlichen Gazastreifen konnten Menschen zudem zurück in ihre Häuser kehren. Zehntausende hatten wegen der Bombardements ihr Zuhause verlassen und in UN-Schulen Zuflucht gesucht. Das Schuljahr wurde wegen der Zerstörungen in dem Küstengebiet vorzeitig beendet.

Bei einer Kundgebung in Tel Aviv forderten mehrere tausend Demonstranten am Samstagabend eine friedliche Lösung des Jahrzehnte alten Konflikts mit den Palästinensern. “Dies ist unser aller Heim” und “Gleichberechtigung für alle Bürger” stand auf Schildern, die Demonstranten in die Höhe hielten.

In zahlreichen Städten weltweit nahmen am Samstag Tausende Menschen an pro-palästinensischen Demonstrationen teil, darunter in Berlin, London und Paris. Auf Plakaten forderten die Demonstranten unter anderem “Freiheit für Palästina”. In New York und Los Angeles kam es am Rande solcher Kundgebungen in den letzten Tagen zu schweren antisemitischen Übergriffen.

US-Außenminister Antony Blinken sagte am Sonntag im Sender CNN, Ziel müsse es sein, die Konditionen für einen “echten Friedensprozess” und letztendlich für eine Zweistaatenlösung zu schaffen. “Ich denke, es obliegt uns allen zu versuchen, eine Wende herbeizuführen, um etwas Positives aufzubauen, und das bedeutet im Kern, dass sowohl Palästinenser als auch Israelis in ihrem täglichen Leben das gleiche Maß an Chancen, Sicherheit und Würde erfahren müssen.”

Nach rund drei Wochen Zutrittsverbot wurde der Tempelberg in Jerusalem am Sonntag wieder für jüdische Besucher geöffnet. Die heilige Stätte war wegen schwerer Konfrontationen von Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften während des muslimischen Fastenmonats Ramadan für Juden geschlossen worden. Die Zusammenstöße gelten als einer der Auslöser für den jüngsten Gaza-Konflikt. Dieser begann am 10. Mai, als Mitglieder der Hamas Raketen auf Jerusalem abfeuerten.

Am Freitag war es auch nach der Waffenruhe auf dem Tempelberg zu neuen Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gekommen. Nach Angaben der israelischen Polizei wurden in der Nacht auf Sonntag 33 Palästinenser festgenommen, die bei den Ausschreitungen in Ost-Jerusalem beteiligt gewesen seien. Bereits am Samstag kam es zu mehreren Festnahmen.

Der Tempelberg mit Felsendom und Al-Aqsa-Moschee ist die drittheiligste Stätte im Islam. Sie ist aber auch Juden heilig, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen.

Von: APA/dpa

Kommentare

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40 Kommentare auf "UNO-Sicherheitsrat will Soforthilfe für Gaza"


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Peerion
Peerion
Tratscher
27 Tage 10 h

In früheren Zeiten hätte man auf den Beschuss aus Gaza völlig anders geantwortet.
Grob die Richtung anpeilen, aus der die Raketen kommen und dann mit allem, was man hat, das Gebiet einebnen. Wenn der Angreifer meint, seine Stellungen in Wohngebieten zu errichten, ist das deren Problem.
Die Palästinenser können froh sein, dass Israel inzwischen besonnener reagiert.

josef.t
josef.t
Superredner
27 Tage 9 h

Wenn man keine “Ahnung” hat, sollte man besser schweigen !

nikname
nikname
Superredner
27 Tage 9 h

ohne Worte 🤦🤦🤦

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
27 Tage 9 h

@Peerion
Mit der Begründung kann man z.B. in Brasilien Favelas “einebnen”. 🤢
Gott sei Dank liest Herr Bolsonaro nur Twitter. Er käme sonst auf neue Ideen.

ohma
ohma
Grünschnabel
27 Tage 8 h

Peerion hat noch nie jemandem geantwortet, was das wohl zu bedeuten hat? 😉

Wiesodenn
Wiesodenn
Tratscher
27 Tage 5 h

Besonnen reagieren?????

Mit 160 Kampfbombern und Panzern angreifen, Wohnblöcke für Tausende zerstören, die Infrastruktur lahmlegen.

Das nennst du besonnen reagieren auf einen Beschuß mit teilweise selbstgebasstelten Raketen.

Mikeman
Mikeman
Kinig
27 Tage 4 h

@ ohma
liest doch aus den Zeilen ….. da gibts kaum Zweifel.

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
26 Tage 13 h

@wiesodenn
Wenn mich eine Rakete trifft,, ist es mir egal, ob das Ding selbst gebastelt ist oder aus der Waffenfabrik kommt.

eisern
eisern
Tratscher
27 Tage 9 h

Da müssen sich die Palästinenser bei Israel bedanken das nur 248 Menschen getötet wurden. Von einer 10 × überlegenen hochgerüsteten Armee die für die Vertreibung der Palästinenser aus ihrer Heimat einfach mal alles platt machen könnte und die Welt schaut zu.

Doolin
Doolin
Universalgelehrter
27 Tage 8 h

…das Problem ist, dass die Terrororganisation Hamas die Bevölkerung im Gazastreifen in Geiselhaft genommen hat und deren Schicksal ihr völlig egal ist…
😆

Chrys
Chrys
Superredner
27 Tage 7 h

Aber wenn ich permanent den mir überlegenen Gegner angreife dann darf ich mich auch nicht wundern wenn dieser mit seinen Möglichkeiten antwortet. Vielleicht sollte sich einmal Palästina einen politischen Konsens suchen und durch Vermittler einen friedliche Lösung suchen. Bis heute konnte man ja mit der Hamas nicht reden.

OrtlerNord
OrtlerNord
Grünschnabel
27 Tage 5 h

eisern
Im Geschichtsunterricht aufgepasst.
Minusdrücker wohl eher in der Baumschule gewesen.

ohma
ohma
Grünschnabel
27 Tage 5 h

Die Hamas sperrt aber dort nicht die Bevölkerung ein!

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
26 Tage 13 h

@doolin
Ja, so ist das.

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
26 Tage 13 h

@Chris
Ja, so ist es.

Wiesodenn
Wiesodenn
Tratscher
26 Tage 12 h

Zwei Staatenlösung, aber einen echten Staat mit allen Rechten, der nicht von Israel abhängig ist.
Aber auch Anerkennung der Existenz Israels.

EQ
EQ
Grünschnabel
27 Tage 4 h

Nach dem Holocaust wäre es m.E. das gerechteste gewesen, in einem Teil Deutschlands den Staat Israel zu errichten.. Ein Land wie Palästina mit jahrhundertealter Tradition 1948 mit der Brechstange umwidmen ist gleich der Option und Umsiedlung der Südtiroler in den Osten hm?

Offline
Offline
Universalgelehrter
27 Tage 1 h

@EQ…um was geht es dir wirklich bei deiner “Gerechtigkeit” ? Und hast du dabei nicht die eine oder andere am II. WK beteiligte Nation “vergessen” ? Davon abgesehen, ob das dem jüdischen Volk recht und vorallem zuzumuten gewesen wäre

Onlina
Onlina
Grünschnabel
26 Tage 22 h

Offline Universalgelehrter

Ich glaube, ich werde eine Pause vom Kommentieren einlegen. Und zwar zur “Beruhigung” meiner im Moment heftigen (negativen) Emotionen und dadurch auch angeschlagenen Südtirolliebe.
“Was, liebe SüdtirolerInnen, ist mit Ihnen/Euch geschehen, dass Sie/Ihr jetzt sogar schon Verunfallten eine schnelle Rettung, Bergung und den Transport in Kliniken NEIDET ??

Offline
Offline
Universalgelehrter
26 Tage 22 h

@Onlina…Sie scheinen ein ziemlich langsames Internet zu haben….

Missx
Missx
Kinig
26 Tage 13 h

@onlina
Es gibt Menschen, die stehen zu ihrem Wort und Menschen, die stehen eben nicht dazu.
Ist so…😂😂

Offline
Offline
Universalgelehrter
26 Tage 8 h

Wieso schreiben Sie Ihrem Zweit-, Dritt- oder wieviel auch immer Nick ? Meine Pause war 2 !! Tage. Und wäre wahrscheinlich länger ausgefallen, wenn nicht meine Südtiroler !! Freunde !! mir das Gegenteil von dem bestätigt hätten, was hier so (von Ihresgleichen) verzapft wird. Grüße aus Südtirol.

EQ
EQ
Grünschnabel
26 Tage 5 h

Ich mag das Grosser-Bruder-Mindset mancher Südtirolfreunde hier 😉
Am liebsten zum Frühstück neben Butter und Kännchenkaffee.

Missx
Missx
Kinig
26 Tage 3 h

@😏😉😂😂😂😂

EQ
EQ
Grünschnabel
13 Tage 45 Min

@Missx Sardinien guate Wahl 😎

inni
inni
Superredner
27 Tage 8 h

Ein Fehler war, den Staat Israel zu schaffen und international anzuerkennen, in einem Gebiet, das bereits bewohnt war: Seit Jahrhunderten lebten dort Palästinenser, die das Land nicht hergeben wollten. Genau wie Christen und Juden haben auch die muslimischen Araber hier heilige Stätten ihrer Religion, des Islam. Auf diesem Gebiet einen souveränen Judenstaat zu schaffen, ohne Rücksicht auf die dort lebende mehrheitlich nicht-jüdischen Bevölkerung, war ein Frevel. Und die darauf folgende Vertreibung, Verdrängung und Ghettoisierung der Palästinenser seitens der Juden setzt dem Ganzen die Krone auf … und die ganze Welt schaut zu.

Chrys
Chrys
Superredner
27 Tage 2 h
Die Rechte der Christen und Juden sind sicherlich älter als die der Araber. Trotzdem, das Problem muss man lösen, man muss reden, man muss verhandeln. Nur wenn eine Seite permanent der anderen das Existenzrecht verweigert und periodisch, aus irgendeinen Grund der sich leicht finden lässt, Raketen abfeuert, dann ist es schwierig. Auch jetzt wieder werden ide Juden in Ostjerusalem mit Steinen beworfen. Bald wird es dann wieder eine Reaktion geben. Die derzeitige Situation in Israel gibt es in vielen Staaten der Welt. Es ist eben das Ergebnis des 6 Tageskrieges. Auf der Welt gibt es zig Beispiele wo die Grenzen… Weiterlesen »
Zugspitze947
26 Tage 7 h

Chrys: Man müsste vor allem die Meschenverachtende HAMMAS total etwaffnen und die Bürger Palästinas zu Wort kommen lassen! Wenn man NICHT MEHR die Vernichtung Israels verlangt bzw. anstrebt ist eine Einigung möglich ! Sonst sicher NIEMALS ! 🙂

MartP
MartP
Grünschnabel
27 Tage 7 h

es muss ein starkes zeichen gegen des islamischen terror gesetzt werden. die verstehen nur das grobe, gespräche wird als schwäche gesehen. also richtig wie israel reagiert. bravo!!!

Wiesodenn
Wiesodenn
Tratscher
26 Tage 12 h

Das Zeichen sollte eine Zweistaatenlösung sein.

Entequatch
Entequatch
Grünschnabel
27 Tage 9 h

Wieviel ķosten 4630 Raketen? Mit dem Geld hätten probelmlos die ganzen zerstörten Häuser wieder aufgebaut werden können, als auch Krankenhäuser, Schulen etc. Die Palästinener sollten sich ohne wenn und aber von Hamas a werden.

Wiesodenn
Wiesodenn
Tratscher
26 Tage 12 h

Pro Rakete der Palästinenser rechnet man zwischen einigen Hundert und Tausend $. Viele sind selbstgebastelt.

Die Abfangraketen der Israeli des IRON Dome kosten zwischen 10.000 und 50.000 § pro Rakete.

nachgedacht
nachgedacht
Tratscher
27 Tage 6 h

hat sich schon x irgend jemand gedanken gemacht woher die waffen kommen?(seit jahrzehnten) palästina,syrien,afghanistan, äthiopien…usw. u so fort… zum teil wohl aus den ländern die, wenns kracht, nach frieden rufen…lautstark friedensgespräche anbieten…. einfach krank… und so einer elite soll das volk glauben schenken ???

heris
heris
Grünschnabel
26 Tage 10 h

Eine 2 Staaten-lösung  würde dort den Frieden bringen – nur Israel wird sich dagegen mit allen Mitteln wehren den das Volk der Israeli wächst und braucht auch dementsprechend genügend Raum.

Zugspitze947
26 Tage 7 h

heris: STIMMT NICHT ! Israel ist zu Kompromissen bereit,aber nicht solange die HAMMAS und der IRAN Israel auslöschen will ! So ist kein Frieden möglich 🙁

Entequatch
Entequatch
Grünschnabel
26 Tage 7 h

Nicht nur Israel wehrt sich dagegen sondern auch die gesamten arabischen Staaten. Wir haben die Protestmärsche gegen Israel gesehen……

ohma
ohma
Grünschnabel
26 Tage 4 h

@Zugspitze947
Zu was für Kompromissen denn?
Schon mal was von der Mauer zum Westjordanland gehört oder mal ne Karte angeschaut, die wirklich zeigt wie viel vom Westjordanland unter DIREKTER Kontrolle Israels steht? Oder eine Karte, die den Siedlungsbau der letzten Jahre im WJL zeigt?
‘Might is right’ ist, wonach sich Israel richtet.

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
26 Tage 13 h

Wer bezahlt den Wiederaufbau? Vermutlich Europa?
Eigentlich könnten die arabischen Länder ihren “Brüdern und Schwestern ” ja auch helfen. Aber die liefern lieber Waffen und Raketen.

Nganana
Nganana
Neuling
26 Tage 10 h

hmm …seit dieser Konflikt wiedermal ausgebrochen ist, hört man von Myanmar nichts mehr. Hier wird sofort eingegriffen, dort passiert anscheinend nichts …sollte nur mal so ein Gedankenanstoß sein

Privatmeinung
Privatmeinung
Tratscher
26 Tage 12 h

Den ganzen Beteiligten, die Waffenlieferung einstellen. 
Im Hintergrund sind die größten Nutznieser immer die Waffenlieferanten, und da sind Firmen und Länder beteiligt, an die man nicht denkt.

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