Taliban kontrollieren fast das ganze Land

UNO: Taliban garantieren humanitären Helfern Sicherheit

Montag, 06. September 2021 | 07:13 Uhr

Die Taliban haben sich nach UN-Angaben verpflichtet, für die Sicherheit von humanitären Helfern in Afghanistan zu sorgen. Die Islamisten hätten in Gesprächen zugesichert, dass Mitarbeiter von Hilfsorganisationen sich im Land frei und sicher bewegen könnten, erklärte ein UN-Sprecher am Sonntag. Nach der Machtübernahme durch die radikalislamischen Taliban ist Afghanistan nach Einschätzung der UNO von einer humanitären Katastrophe bedroht.

Afghanistan war bereits zuvor in hohem Maße von humanitärer Hilfe abhängig. Rund 40 Prozent des Bruttoinlandsproduktes werden aus dem Ausland finanziert. Von den 38 Millionen Einwohnern Afghanistans sind nach UN-Angaben 18 Millionen Menschen akut von einer humanitären Katastrophe bedroht.

Angesichts einer drohenden humanitären Katastrophe in Afghanistan hatte der Nothilfekoordinator der Vereinten Nationen, Martin Griffiths, zuvor die Taliban-Führung in Kabul getroffen. Laut UN sprach Griffiths am Sonntag mit dem Taliban-Vizechef Mullah Abdul Ghani Baradar, der nach der Machtübernahme der militanten Islamisten als möglicher künftiger Regierungschef des Landes gehandelt wird. In Afghanistan flammt unterdessen der Widerstand gegen die Taliban auf.

Griffiths bekräftigte den Willen der internationalen Gemeinschaft, Afghanistan mit Hilfsgütern zu versorgen, wie es hieß. Zugleich habe der UN-Diplomat die Taliban dazu aufgerufen, die Rechte von Frauen und Minderheiten zu achten. Die neue Führung in Kabul wiederum versprach den UN zufolge, die Sicherheit aller humanitären Helfer – Männer wie Frauen – zu gewährleisten.

Die Vereinten Nationen hatten am Freitag eine hochrangig besetzte Hilfskonferenz für Afghanistan angekündigt. Das Treffen auf Ministerebene soll am 13. September in Genf stattfinden. Fast die Hälfte der 38 Millionen Menschen in Afghanistan benötigt nach UN-Informationen Unterstützung. Jeder dritte Afghane wisse demnach nicht, woher seine nächste Mahlzeit kommen solle.

Offensichtlich drangen die Taliban weiter in das Panjshir-Tal vor. Die italienische Hilfsorganisation Emergency, die ein Krankenhaus und eine Geburtenstation im Tal betreibt, teilte auf Twitter mit, dass die Islamisten das Dorf Anabah, rund 30 Minuten von der Provinzhauptstadt Basarak entfernt, erreicht hätten. Die Islamisten erklärten am Sonntag, sechs der sieben Bezirke seien bereits unter ihrer Kontrolle. Vertreter der Widerstandskämpfer gaben dagegen am Sonntag an, der Bezirk Parjan am Talende sei vollständig von Taliban-Kämpfern befreit worden. Am Eingang zum Tal seien Taliban nach der Sprengung eines Teils eines Berges eingekesselt. Rund 1.000 Angreifer seien getötet oder gefangen genommen worden.

Ein aus der Provinz stammender bisheriger Parlamentarier, Sal Mohammed Salmai Noori, sagte, es gebe Gefechte in Parjan und in Shutul – ein Bezirk, der am Talanfang liegt. Alles dazwischen sei unter Kontrolle des Widerstands. Achmad Massoud, der Anführer des Widerstands in Panjshir, erklärte am Samstag, er wolle weiterkämpfen. Dem Widerstand nahestehende Twitter-Konten berichteten von schwierigen Gefechten und fehlenden Ressourcen. Bereits in der Vergangenheit hatte Massoud andere Länder dazu aufgerufen, den Widerstand zu unterstützen.

Der Anführer einer Widerstandsfraktion gegen die Taliban in Afghanistan zeigten sich zu einer Verhandlungslösung bereit, um die Kämpfe mit den militanten Islamisten zu beenden. Achmad Massoud erklärte am Sonntag, die Nationale Widerstandsfront (NRF) sei bereit, den Krieg sofort zu beenden, falls die Taliban ihre Angriffe in Panjshir beenden. Die NRF sei bestrebt, Konflikte mit den Taliban friedlich beizulegen. Man strebe eine politische Einigung an, bei der alle sozialen Gruppen vertreten seien.

Wann die Taliban ihre Regierung vorstellen werden, ist weiter unklar. Es gibt Berichte, denen zufolge die Taliban-Führung erst die Panjshir-Frage gelöst haben will. Beobachter berichten aber auch von internen Querelen und Postengeschacher. Die Zusammensetzung der Regierung ist seit Tagen Gegenstand von Gerüchten. Zuletzt hieß es immer öfter, ihr würden ausschließlich Taliban-Mitglieder angehören. Das widerspricht Forderungen aus dem Ausland sowie Versprechen der Islamisten, auch andere Politiker einzubinden.

Während des Taliban-Regimes zwischen 1996 und 2001 durften Frauen in Afghanistan nicht mehr arbeiten und nur noch verschleiert in Begleitung eines männlichen Familienmitglieds das Haus verlassen. Mädchen wurden auch vom Schulunterricht ausgeschlossen. Viele Frauen befürchten seit der erneuten Machtübernahme der Islamisten, dass diese wieder ähnliche Regeln für sie einführen werden.

Von: APA/Reuters/dpa

Kommentare

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25 Kommentare auf "UNO: Taliban garantieren humanitären Helfern Sicherheit"


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Doolin
Doolin
Universalgelehrter
22 Tage 15 h

…das geht USA nichts mehr an…haben dort schon genug vermasselt…
😆

quilombo
quilombo
Superredner
22 Tage 13 h

die Usa sollten für ein Leben lang zahlen für das was sie in den letzten 40 Jahren in Afghanistan angerichtet haben. Aber nicht nur, auch in Vietnam, Korea, Kambodscha, Laos, Irak, Iran, Syrien, Jemen, Somalien, Lybien, und allen lateinamerikanischen Staaten, von Mexiko bis Chile.

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
22 Tage 10 h

Quilombo @

Da fehlen noch einige Staaten……

Exit
Exit
Grünschnabel
22 Tage 9 h

Ah und mir europäer sein bessa😂😂, odo china und russlond,… …geld regiert die welt. Die hintogründe, für gewissa sochn wern mir “dumma” Leit nia dofrogn. A net fa insra “wahrheitsgetreudn” und “sachlichen” Medien.

raunzer
raunzer
Superredner
22 Tage 14 h

Der Kriegstreiber Nr. 1, die USA,  macht sich Sorgen um die Afghanen, in Wirklichkeit geht es um Afghanistans Bodenschätze die für die USA inzwischen unerreichbar scheinen.

sophie
sophie
Universalgelehrter
22 Tage 12 h

@raunzer
Was glaubst du dann, um welches Interesse es bei den Grossmächten China und Russland geht??

Lucifer_Morningstar
22 Tage 4 h

Wenn die amis die bodenschätze oderr sonst was wollen würden, dann wären sie nicht abgezogen 🙄 dann hätten sie schön weiter ihre soldaten dort stationiert und den afghanen die bodenschätze irgendwie abgenommen ….

Mr.X
Mr.X
Tratscher
22 Tage 13 h

In die Grossmächte isches no nia um die Leit gongen. De hom olle gwisst wos kimb und es isch ihmene komplett Wurst.

Krabbe
Krabbe
Tratscher
22 Tage 12 h

Könnte das nicht auch auf die Sorgen um die Gesundheit der Menschen in Bezug auf ein Virus zutreffen?

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
21 Tage 15 h

Also gibt es nach deinen Forschungsstand kein COVID19?

koana
koana
Tratscher
22 Tage 13 h

Das Land muss sich irgendwann selbst regieren und verwalten, dei Chance zum Kämpfen haben sie gehabt. Jetzt muss der Kampfgeist durch Eigenerfahrung entstehen – vom Volk aus – auf der Strasse

Zugspitze947
22 Tage 9 h

Toll hoffentlich bekommen diese Verachter der Menschenrechte mal richtig eins vor die Mütze  👌😝 Zum Regeiren taugen sie sowieso nicht 😡👌

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Superredner
22 Tage 6 h

Na, wie gut, dass es die Deutschen gibt.
Wir haben schon etliche 100 Millionen €uro an Hilfsgeldern an die Taliban zugesagt. Sozusagen als Belohnung für die getöteten Deutschen Soldaten.

Sag mal
Sag mal
Kinig
22 Tage 4 h

Look_et…. jetzt fehlt Euch nur noch die Baerbock🤦‍♀️

heris
heris
Tratscher
22 Tage 9 h

Irgendeine Großmacht  wird schon die Hände im Spiel haben damit Afghanistan nicht zur Ruhe kommt.

Sag mal
Sag mal
Kinig
21 Tage 15 h

heris die Menschen müssen SELBST Ihr Land verteidigen, Ordnung schaffen. Aber das lässt Ihr Glaube u. Mentalität nicht zu. Sie schaffen Leben aber auch nicht mehr🤦‍♀️🤦‍♀️🤦‍♀️

Krabbe
Krabbe
Tratscher
22 Tage 11 h

Mister General, in Afghanistan herrscht seit 1978 Bürgerkrieg, in den sie, die USA sich aktiv seit Anfang an eingemischt haben.

Peerion
Peerion
Tratscher
22 Tage 7 h

Afghanistan landet vermutlich wieder in einem Bürgerkrieg, ausser die Taliban werden unterstützt. Tadschiken gegen Paschtunen.
Es gibt seit Anfang der 70er erhebliche Reibereien zwischen denen.
Drachenläufer, ein Film von Marc Forster, vermittelt diese Spannungen ganz gut.

ex-Moechteg.Lhptm.
ex-Moechteg.Lhptm.
Universalgelehrter
22 Tage 31 Min

“Besser wäre es an der Verhütung des Elends zu arbeiten, als die Zufluchtsorte für die Elenden zu vermehren.”
Denis Diderot

Faktenchecker
21 Tage 14 h

“Studie: Russische Trolle tummeln sich in Kommentarspalten westlicher Medien

Sie tummeln sich in den Kommentarspalten westlicher
Medien und gaukeln mit ihren Äußerungen im Netz vor, der Kremlpolitik
zuzustimmen: prorussische Internet-Trolle. Einer Studie zufolge hätten
solche Accounts seit dem Beginn der Untersuchung im April pro-Kreml- und antiwestliche Äußerungen zu fast 250 Artikeln aus gut einem Dutzend Ländern veröffentlicht, ermittelten Experten der Universität Cardiff.”

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
21 Tage 9 h

Fakty@
Glaubst du im ernst, dass das andere Staaten wie Indien, China oder Amerika nicht auch tun?

Aber immer brav Russland eines auswischen… und die Amis sind die Guten, nicht wahr???

pingoballino1955
21 Tage 15 h

Jetzt klopfen alle Sprüche.Wer hat denn diesen Talibans die Waffen geliefert??? Wohl klar,oder!😡

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
21 Tage 9 h

PinkoPallino….@

Ich Sage es Dir es waren *Nicht Die Amerikaner* nein auf keinen Fall!

Nein das waren sie bestimmt nicht!
Die Ausrüstung würde ihnen (den Amis) gestohlen…. oder haben die Amis diese Sachen (um nicht Tötungsmaschinem zu sagen) einfach nur vergessen?

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
21 Tage 7 h

… die Ausrüstung wurde…😅🤣

Anderrrr
Anderrrr
Universalgelehrter
21 Tage 13 h

Haha do entn glab men nix

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