Afghanistan soll finanziell unter die Arme gegriffen werden

UNO warnt: “Katastrophale” Folgen für Afghanistan ohne Hilfe

Montag, 23. November 2020 | 09:53 Uhr

Unter Leitung der Vereinten Nationen beginnt am Montag in Genf eine zweitägige internationale Geberkonferenz für Afghanistan. Die UNO rief im Vorfeld auf, Afghanistan nicht im Stich zu lassen. Ohne Hilfe drohten dem Land “katastrophale Konsequenzen”, warnte Flüchtlingskommissar Filippo Grandi am Montag. Die Zukunft von Millionen Afghanen hänge vom Ergebnis der Friedensverhandlungen zwischen Regierung und Taliban sowie dem Engagement der internationalen Gemeinschaft ab.

“Ein Scheitern in jedem der beiden Bereiche würde Afghanistan mit katastrophalen Konsequenzen zurückwerfen”, fügte der UNO-Flüchtlingskommissar hinzu. Eine Folge seien Flüchtlingsbewegungen von “möglicherweise großem Ausmaß”. Fast 300.000 Menschen seien in diesem Jahr innerhalb des Landes vertrieben worden, knapp drei Millionen in den Jahren zuvor. Weitere neun Millionen Afghanen hätten durch die Corona-Krise ihre Lebensgrundlage verloren, erklärte Grandi. Sie alle benötigten “akute” humanitäre Unterstützung.

Bei der von Finnland und der afghanischen Regierung organisierten Geberkonferenz sollen Gelder für die Unterstützung des Friedensprozesses im Land am Hindukusch gesammelt werden. Zunehmende Gewalt und der von der scheidenden US-Regierung angekündigte Abzug von 2.000 weiteren Soldaten bis zum 15. Jänner hatten zuletzt die derzeit laufenden Friedensverhandlungen in Doha überschattet. Die Verhandlungen zwischen den radikalislamischen Taliban und der afghanischen Regierung hatten im September in der katarischen Hauptstadt begonnen, kommen aber nur schleppend voran. Kritiker warnen, ein übereilter Abzug der US-Soldaten werde die Aufständischen stärken und deren Verhandlungsbereitschaft sinken lassen.

In Afghanistan wurden in den vergangenen Jahren im Durchschnitt täglich fast fünf Kinder und Jugendliche getötet oder verwundet. Insgesamt 26.025 unter 18-Jährige seien in dem Land im Zeitraum von 2005 bis 2019 Opfer des Konflikts geworden, teilte die Hilfsorganisation Save the Children am Montag mit.

In Afghanistan bekämpfen die militant-islamistischen Taliban die vom Westen unterstützte Regierung. Auch andere Terrororganisationen wie der sogenannte “Islamische Staat” (IS) sind im Land aktiv und verüben regelmäßig Anschläge. Eine besondere Gefahr für Zivilisten sind am Straßenrand versteckte Bomben. Neben gezielten Tötungen geraten Landesbewohner auch oft ins Kreuzfeuer.

Weltweit wächst Save the Children zufolge fast jedes fünfte Kind in unmittelbarer Nähe eines bewaffneten Konflikts auf. 426 Millionen unter 18-Jährige lebten 2019 in Konfliktgebieten, hieß es in einem am Freitag veröffentlichten Bericht.

Bei Terroranschlägen auf ein Bildungszentrum und die Universität in der afghanischen Hauptstadt Kabul wurden im Oktober und November mindestens 50 überwiegend junge Menschen getötet. Dutzende weitere wurden verletzt.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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7 Kommentare auf "UNO warnt: “Katastrophale” Folgen für Afghanistan ohne Hilfe"


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Spitzpassauf
Spitzpassauf
Superredner
1 Tag 7 h

Ja wo sind sie denn ,die sogenanten Philantrophen mit ihren Milliarden?

Faktenchecker
1 Tag 7 h

Der Begriff Philanthropismus (nur Singular, auch Philanthropinismus) stammt von griechisch φιλος (Freund) und ανθροπος (Mensch). Als Philanthropismus wird die Lehre von der Erziehung zur Natürlichkeit, Vernunft und Menschenfreundschaft (Philanthropie) bezeichnet. Er ist der reformpädagogischen Bewegung in der Zeit der Aufklärung zuzuordnen und wurde in Deutschland sowie der Schweiz in der zweiten Hälfte des 18. bzw. zum Beginn des 19. Jahrhunderts verbreitet.

primetime
primetime
Universalgelehrter
1 Tag 7 h

Die Kirche hat viele Reichtümer. Mehr als zur Solidarität aufrufen können die aber nicht. Egoistenpack.
Diese Aufgabe sollte der USA übergeben werden. Die haben ja einen Wirtschaftskrieg angefangen

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
1 Tag 2 h

@primetime
Und was hat Ihr Kommentar mit dem geschilderten Problem zu tun? Und was haben Sie mit Kirche gemeint?
Zunächst könnten ja die reichen muslimischen Staaten ( und da gibt es schon einige) finanziell helfen.

traktor
traktor
Universalgelehrter
1 Tag 3 h

dank covid haben alle staaten die kassen leer! wer soll das bezahlen??

berthu
berthu
Universalgelehrter
1 Tag 5 h

Übliches Procedere: Mit massivem kriegerischem Eingriff von Fremdmächten das Land in Chaos stürzen, unregierbar machen, Bodenschätze sichern und dann nach Hilfsmaßnahmen rufen.
Gibt es “EIN” Land, das sich danach in absehbarer Zeit erholt hat?
Nach dem 2.Weltkrieg eher, aber jetzt?

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
1 Tag 2 h

@berthu
nach Hilfsmaßnahmen ruft wohl die UNO!
Und die erste “Fremdmacht” die kriegerisch in das Land gezogen ist, war wohl damals die Sowjetunion.

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