Protest richtet sich gegen eigene und irakische Regierung

Unruhen in irakischen Kurdengebieten

Dienstag, 19. Dezember 2017 | 15:00 Uhr

Die autonome Kurdenregion im Nordirak ist am Dienstag erneut von gewaltsamen Protesten erschüttert worden. Der Zorn der Demonstranten entzündete sich an den Gebietsverlusten, die irakische Truppen der kurdischen Autonomieregion im Anschluss an das umstrittene Unabhängigkeitsreferendum zugefügt hatten. Demonstrationen gab es in Sulaimanijah, Koisindshak, Rania, Kifri und Halabsha.

In Sulaimanijah gaben die Sicherheitskräfte Warnschüsse in die Luft ab, um eine Demonstration unzufriedener Bürger im Stadtzentrum aufzulösen, wie ein AFP-Korrespondent berichtete. In Koisindshak setzten Angreifer das Büro des Bürgermeisters in Brand, während hunderte Demonstranten den Sitz der regierenden Demokratischen Partei Kurdistans (DPK) sowie die Zentrale der rivalisierenden Patriotischen Union Kurdistans (PUK) attackierten.

Der Zorn der Demonstranten entzündete sich an den Gebietsverlusten, die irakische Truppen der kurdischen Autonomieregion im Anschluss an das umstrittene Unabhängigkeitsreferendum zugefügt hatten. Auch in den Städten Rania, Kifri und Halabsha gingen wütende Demonstranten auf die Straße, um gegen die Folgen des politisch gescheiterten Referendums zu protestieren. Bereits am Montag hatten Demonstranten Einrichtungen der fünf wichtigsten Parteien in der autonomen Kurdenregion angegriffen.

Die Kurden im Nordirak hatten am 25. September gegen den Willen der irakischen Zentralregierung über die Loslösung von Bagdad abgestimmt. Die Teilnehmer stimmten nahezu geschlossen für die Unabhängigkeit. Daraufhin startete die irakische Zentralregierung eine Militäroffensive, bei der sie den Kurden praktisch alle Gebiete außerhalb der Autonomieregion abnahm, darunter auch die ölreiche Provinz Kirkuk.

“Ihr seid unfähig, die umstrittenen Gebiete zu verteidigen und unfähig, die Region Kurdistan zu regieren”, rief einer der Demonstranten nach der Erstürmung der DPK-Zentrale in Kifri. Der langjährige Kurdenpräsident Massud Barzani war nach der Offensive der irakischen Armee zurückgetreten. Die für November angesetzten Wahlen in der Autonomieregion wurden verschoben.

Von: APA/ag.