Erneut Zusammenstöße während des Ramadan

Unruhen in Jerusalem gehen weiter

Sonntag, 25. April 2021 | 14:51 Uhr

In Jerusalem bleibt die Lage trotz eines Aufrufs des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu zur Ruhe angespannt: In der Altstadt gab es am Samstagabend den dritten Tag in Folge gewaltsame Zusammenstöße zwischen Palästinensern und israelischen Polizisten, bei denen nach Angaben der Organisation Roter Halbmond sechs Palästinenser verletzt wurden. Mit Blick auf Raketenangriffe aus dem Gazastreifen warnte Netanyahu, Israel sei “auf alle Szenarien vorbereitet”.

In den vergangenen Tagen waren die Spannungen zwischen muslimischen Palästinensern und jüdischen Israelis durch eine Reihe von Videos angeheizt worden. Sie zeigten, wie junge Araber ultra-orthodoxe Juden angreifen und wie jüdische Extremisten in der Nacht Araber auf der Straße schikanieren. Am Donnerstagabend organisierte die rechtsextremistisch-jüdische Lahava-Organisation einen Aufmarsch in Jerusalem.

Bei Auseinandersetzungen zwischen Lahava-Anhängern und aufgebrachten Palästinensern wurden am Donnerstag mehr als 120 Menschen verletzt. Am Freitagabend folgten weitere Ausschreitungen.

Die Gewalt löste international Befürchtungen aus, dass es zu einer neuen Eskalation im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern kommen könnte. Die “Rhetorik extremistischer Demonstranten, die hasserfüllte und gewalttätige Parolen rufen”, müsse “mit Nachdruck zurückgewiesen werden”, mahnte ein US-Außenamtssprecher. Besorgt äußerten sich auch die EU und die Vereinten Nationen.

Um neue gewaltsame Auseinandersetzungen zu verhindern, waren am Samstagabend in Ost-Jerusalem an der Grenze zur Altstadt Hunderte israelische Polizisten postiert worden. Leichtere Auseinandersetzungen gab es am Damaskustor, einem der Hauptzugänge zum Tempelberg mit der Al-Aksa-Moschee.

Wie ein AFP-Reporter berichtete, bewarfen dort Palästinenser Polizisten mit Wasserflaschen, die Polizei setzte daraufhin Blendgranaten ein. Außerdem zündeten junge Palästinenser in einer nahegelegenen Straße mehrere Müllwagen an. Am Grenzübergang Kalandika zwischen Jerusalem und dem von Israel besetzten Westjordanland warfen nach Angaben der Polizei etwa hundert Palästinenser Steine und Molotowcocktails.

Der bewaffnete Flügel der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen hatte den Palästinensern in Ost-Jerusalem am Donnerstag seine Unterstützung zugesichert. Am Freitagabend wurden aus dem Gazastreifen 36 Raketen auf Israel abgeschossen – nach Angaben des israelischen Militärs war es der heftigste Beschuss seit Jahresbeginn. Ein Teil der Geschoße wurde demnach vom Raketenabwehrsystem “Iron Dome” abgefangen, weitere seien auf freiem Feld eingeschlagen.

Als Reaktion auf den massiven Raketenbeschuss griffen israelische Kampfjets am Samstag Hamas-Ziele im Gazastreifen an. Am Samstagabend fing die israelische Armee nach eigenen Angaben erneut eine Rakete ab, die aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert worden war.

Die israelische Regierung kam wegen der Gewalteskalation am Samstag zu einer Krisensitzung zusammen. Regierungschef Netanyahu rief danach “alle Seiten” zur Ruhe auf. Recht und Ordnung müssten eingehalten werden. Seine Regierung stehe für “Religionsfreiheit für alle Bewohner und Besucher von Jerusalem” ein, versicherte Netanyahu. Der Bürgermeister von Jerusalem, Moshe Lion, sagte in einem Radiointerview, er befinde sich in Gesprächen mit Palästinenservertretern in Ost-Jerusalem, um “diese sinnlose Gewalt zu beenden”. Den Lahava-Aufmarsch am Donnerstag habe er versucht zu verhindern.

An der Krisensitzung in Jerusalem nahm auch Armeechef Aviv Kochavi teil. “Mit Blick auf den Gazastreifen habe ich die Anweisung gegeben, dass wir auf alle Szenarien vorbereitet sein müssen”, sagte Netanyahu. Auch Verteidigungsminister Benny Gantz erklärte, die Armee sei auf “eine mögliche Eskalation” vorbereitet.

Von: APA/AFP

Kommentare

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8 Kommentare auf "Unruhen in Jerusalem gehen weiter"


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BIERMANN
BIERMANN
Grünschnabel
20 Tage 20 h

Zum Glück sind Österreich und Italien zivilisierte Länder sonst würde es hier um Südtirol genauso abgehen

magari
magari
Grünschnabel
20 Tage 19 h

Um Himmelswillen, die Vergleiche in den Kommentaren gehen wirklich noch tiefer als erwartet.

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
20 Tage 19 h

Äh, Südtirol ist nicht Italien ?
Bayern sollte man nicht von der Gefährder-Liste streichen

ElenaBraunn
ElenaBraunn
Grünschnabel
20 Tage 18 h

Besonders wir Südtiroler sollten verstehen, was die Menschen in Palästina durchmachen. 

Offline
Offline
Universalgelehrter
20 Tage 11 h

@Elena….nur das in Südtirol an Stelle von wöchentlichen Bomben und Raketen jährlich Hunderttausende von ausländischen Natur- und Lebensqualitätzerstörer einfallen. Also mein Mitleid hast du zwar, aber ich werde Südtirol trotzdem so bald wie möglich wieder besuchen.

Staenkerer
20 Tage 14 h

kaum den vieus a bisl im griff fongen des umbringen schun wieder un!

eisern
eisern
Tratscher
20 Tage 10 h

Gewalt erzeugt Gegengewalt und so lange Isreal neue Siedlungen baut und die Palästinenser unterdrückt werden die sich wehren.

hundeseele
hundeseele
Superredner
20 Tage 14 Min

Dort wird es auch in hundert Jahren noch Krieg geben leider….es sei denn,ein Wunder geschieht.

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