Menschen nach Explosion mit Symptomen

Untersuchung zu gemeldetem Chlorgaseinsatz in Syrien

Dienstag, 27. Februar 2018 | 16:00 Uhr

Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) untersucht nach Angaben von Diplomaten, ob bei einem Angriff auf die syrische Rebellenenklave Ost-Ghouta am Sonntag Giftgas eingesetzt wurde. Laut Medizinern der Opposition hätten Menschen nach einer Explosion Symptome einer Chlorgas-Exposition gezeigt.

Ein Kind sei bei dem Angriff gestorben. Mindestens 18 Menschen seien behandelt worden. Nach den USA und Frankreich deutete auch Großbritannien am Dienstag seine Bereitschaft an, sich an gemeinsamen Militäraktionen gegen die syrischen Streitkräfte zu beteiligen, sollte der Einsatz von Chemiewaffen nachgewiesen werden. Die syrische Regierung und ihr Verbündeter Russland haben stets bestritten, Giftgas einzusetzen.

Für die Untersuchung würden die Experten Videos, Fotos und Zeugenaussagen auswerten, sagten Diplomaten in Den Haag. Nach Ost-Ghouta zu reisen sei zu gefährlich. 2013 und 2014 sind OPCW-Inspektoren dort bei Erkundungseinsätzen angegriffen worden.

2013 hatte sich Syrien zur Aufgabe aller Chemiewaffen verpflichtet. In den vergangenen zwei Jahren hat die syrische Armee nach Erkenntnissen der Vereinten Nationen und der OPCW das Nervengift Sarin und auch Chlor eingesetzt. Die Extremistenmiliz “Islamischer Staat” (IS) hat nach UN-Informationen Senfgas als Waffe benutzt.

Nach einem tödlichen Saringas-Angriff in einem Rebellengebiet im April 2017 hatte US-Präsident Donald Trump einen Raketenangriff auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt angeordnet, von dem der syrische Einsatz ausgegangen sein soll. Der britische Außenminister Boris Johnson sagte der BBC, sollte der jüngste Giftgaseinsatz nachgewiesen werden, sollte sein Land ernsthaft erwägen, sich an eventuellen US-Militäraktionen gegen die syrische Regierung zu beteiligen. Großbritannien ist Teil der von den USA geführten Anti-IS-Allianz. Allerdings verlor die Regierung 2013 im Parlament eine Abstimmung über den Einsatz von Gewalt gegen die syrische Regierung.

Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte Syrien unlängst mit einem Angriff gedroht, sollte der Führung der Einsatz von Chemiewaffen gegen die Zivilbevölkerung nachgewiesen werden. Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian war am Dienstag in Moskau zu Gesprächen mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow über Syrien.

Indes gab es Medienberichte, dass Nordkorea Teile an die syrische Regierung lieferte, die auch für die Produktion von Chemiewaffen benutzt werden können. Dazu gehörten säurefeste Kacheln, Ventile und Thermometer, meldete die “New York Times” am Dienstag unter Berufung auf einen Bericht von UNO-Ermittlern.

Nordkoreanische Raketentechniker seien zudem in bekannten syrischen Anlagen für Chemiewaffen und Raketen gesichtet worden. Der Bericht wurde demnach von UNO-Experten geschrieben, die die Sanktionen gegen Nordkorea überwachen. Die Teile hätten zu mindestens 40 Lieferungen gehört, die zwischen 2012 und 2017 von Nordkorea an Syrien gegangen seien, meldete die “New York Times”.

Von: APA/ag