Kampf um Mosul dauert an

US-Armee: IS-Anführer fliehen aus irakischer Stadt Mosul

Mittwoch, 19. Oktober 2016 | 21:01 Uhr

Seit dem Beginn der Offensive auf Mosul sind laut US-Streitkräften mehrere Anführer der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) aus der zweitgrößten irakischen Stadt geflohen. Der für das Bodenkommando der Anti-IS-Koalition zuständige US-Generalmajor Gary Volesky sagte am Mittwoch bei einer Video-Pressekonferenz in Bagdad, vermutlich würden am Ende die ausländischen Kämpfer in der Stadt bleiben.

“Wir sagen dem IS, dass ihre Anführer sie im Stich lassen”, so Volesky. Russlands Militär warnte davor, dass IS-Kämpfer vom Irak nach Syrien vertrieben werden könnten. “Terroristen dürfen nicht von einem Land ins andere getrieben werden, sondern sie müssen auf der Stelle zerstört werden”, erklärte der russische Generalstabschef Waleri Gerasimow.

Russland achte auf “mögliche Versuche von Kämpfern, aus Mosul herauszukommen und die Stadt ungehindert Richtung Syrien zu verlassen”. “Wir hoffen, dass unsere Partner in der internationalen Koalition sehen, wohin frei umherziehende große IS-Banden im Nahen Osten führen können”, mahnte Gerasimow.

Zu der militärischen Situation in Mosul sagte der russische Generalstabschef, “die Offensive als solche” habe “trotz des Tamtams im westlichen Fernsehen” noch gar nicht begonnen. Russische Militärsatelliten, Aufklärungsflugzeuge und Drohnen überwachten die Stadt, sagte Gerasimow.

Schätzungen zufolge befinden sich 3.500 bis 5.000 IS-Kämpfer in der Großstadt, die seit dem Sommer 2014 in den Händen der Jihadistenmiliz ist. Am Montag startete die irakische Armee gemeinsam mit Verbündeten eine Offensive zur Rückeroberung von Mosul. Unterstützung erhalten die Kämpfer von den Kampfflugzeugen der US-geführten Anti-IS-Koalition.

Ein Offizier der irakischen Armee erklärte unterdessen am Mittwoch, Einheiten des Militärs hätten den Ort Kani Harami rund 40 Kilometer südlich von Mosul eingenommen. Ein irakischer Militärkommandant sagte dem kurdischen Sender Rudaw, seit Montag seien 18 Dörfer befreit worden.

Offensichtlich kam es zugleich zu neuen Kämpfen in der früher vor allem von Christen bewohnten Stadt Karakosh, die die Armee am Vortag bereits für erobert erklärt hatte. Der Nachrichtensender Al-Jazeera meldete, das Militär sei wegen Scharfschützen zum Rückzug aus Karakosh gezwungen gewesen. Der Armeeoffizier sagte, das Militär durchkämme die Region und hoffe die Stadt im Laufe des Tages vollständig zu befreien. Nahe Karakosh gebe es Kämpfe.

Karakosh war einst eine der größten christlichen Städte im Irak. Die IS-Extremisten hatten den Ort vor mehr als zwei Jahren eingenommen, nachdem sich kurdische Peschmerga von dort zurückgezogen hatten. Zehntausende Christen flohen damals vor den Extremisten.

Irakische Sicherheitskräfte und kurdische Peschmerga hatten am Montag eine seit langem erwartete Offensive begonnen, mit der Mosul aus der Gewalt der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) befreit werden soll. Die Angreifer nahmen in den ersten Tagen der Operation nahe Mosul nach eigenen Angaben mehrere Dörfer ein. Sollte die Stadt befreit werden, wäre der IS im Irak militärisch weitgehend besiegt.

Der Kommandant der gemeinsamen Militäroperation, Generaloberst Talib Shaghati, rief die Einwohner Mosuls auf, in ihren Häusern zu bleiben, damit sie nicht den Kämpfen ausgesetzt seien. In der Stadt sollen noch rund 1,5 Millionen Menschen leben. Hilfsorganisationen rechnen mit bis zu einer Million Flüchtlingen. Shaghati erklärte, Mosul werde in “Rekordzeit” erobert werden. Dem IS warf er vor, die Einwohner der Stadt als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.

Der Iran beteiligt sich nach offiziellen Angaben nicht militärisch an der Offensive. “Auf Wunsch der irakischen Regierung agieren wir in dem Land weiterhin nur als militärische Berater und sind daher in Mosul nicht direkt beteiligt”, betonte der außenpolitische Berater des obersten iranischen Führers, Ajatollah Ali Chamenei.

Vom Iran unterstützte schiitische Milizen hatten vor Beginn der Operation erklärt, sie würden sich an der Befreiung Mosuls beteiligen. Die Sunniten im Irak lehnen das jedoch ab, weil sie Racheakte und einen weiteren Machtzugewinn der Mehrheit der Schiiten befürchten. Mosul ist die größte sunnitische Stadt des Landes.

Von: APA/dpa

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