Palästinenserpräsident Abbas warf Israel ein "Massaker" vor

US-Botschafts-Eröffnung in Jerusalem von Gewalt überschattet

Montag, 14. Mai 2018 | 23:08 Uhr

Die offizielle Einweihung der US-Botschaft in Jerusalem ist am Montag von Massenprotesten im Gazastreifen begleitet worden. Dutzende Palästinenser wurden von israelischen Soldaten getötet, mindestens 2.400 weitere Menschen wurden verletzt. Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas warf Israel ein “Massaker” vor. Die internationale Gemeinschaft reagierte mit großer Sorge und forderte Zurückhaltung.

Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu dankte US-Präsident Donald Trump bei der Eröffnungszeremonie: “Präsident Trump, mit der Anerkennung der Geschichte haben Sie Geschichte geschrieben”, wandte Netanyahu sich an den US-Präsidenten, der nicht persönlich an der Zeremonie teilnahm. Zugleich bekräftigte Netanyahu Israels Anspruch auf Jerusalem als seine Hauptstadt: “Wir sind in Jerusalem und wir sind hier um zu bleiben.”

Trump betonte in einer Videobotschaft, wie “jede andere souveräne Nation” dürfe Israel selbst über seine Hauptstadt entscheiden. Zugleich versicherte er, ein Friedensschluss im Nahen Osten sei seine “größte Hoffnung”.

Das Weiße Haus sieht die Verantwortung für die Gewalt im Gazastreifen voll und ganz bei der radikal-islamischen Hamas. Die Hamas habe die Situation auf zynische Weise ausgenutzt, sagte der Sprecher von US-Präsident Donald Trump, Raj Shah, am Montag in Washington.

Die Botschaftseröffnung fand am gleichen Tag statt, an dem Israel sein 70-jähriges Bestehen feierte, wie US-Botschafter David Friedman in seiner Rede hervorhob. In Anwesenheit von 800 Gästen enthüllte US-Finanzminister Steven Mnuchin eine Tafel und ein Siegel an dem bisherigen Konsulatsgebäude. Auch Trumps Tochter und Beraterin Ivanka Trump und deren Mann Jared Kushner nahmen an der Zeremonie teil.

Das diplomatische Corps in Israel war zu der Zeremonie nicht geladen. Dafür hatte Regierungschef und Außenminister Benjamin Netanyahu am Sonntagabend zu einem Empfang ins Außenministerium gebeten. Lediglich 34 der geladenen diplomatischen Vertreter aus 86 Ländern folgten der Einladung. Von den EU-Staaten waren Österreich, Tschechien, Rumänien und Ungarn vertreten, zahlreiche Mitgliedsländer wie Deutschland oder Frankreich verzichteten auf eine Teilnahme.

Botschafter Martin Weiss wies die Kritik an der Teilnahme Österreichs zurück. Gegenüber der Tageszeitung “Die Presse” sagte er, er sei der Einladung aus Höflichkeit nachgekommen. Österreich habe seine Position nicht geändert und setze weiter auf die Zweistaatenlösung, so der Diplomat. Österreichs Botschaft werde in Tel Aviv bleiben, versicherte er.

Der Tag der Einweihung der US-Botschaft in Jerusalem wurde zum blutigsten Tag im Nahost-Konflikt seit Jahren. Seit dem Gazakrieg im Jahr 2014 wurden nicht mehr so viele Menschen an einem Tag getötet. Laut dem palästinensischen UNO-Botschafter in New York, Rijad Mansur, waren mindestens acht Kinder unter 16 Jahren unter den Toten.

Palästinenserpräsident Abbas ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. “Die hohe Zahl der Toten ist ein Hinweis auf die Grausamkeit, mit der die Israelis mit unserem Volk umgehen”, sagte Abbas bei politischen Beratungen in Ramallah. Die palästinensische Führung wollte über das weitere Vorgehen nach der Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem beraten.

Diese stellt für die Palästinenser ein Affront dar. Nach Angaben der israelischen Armee beteiligten sich am Nachmittag 40.000 Palästinenser in 13 Orten entlang der Grenze zu Israel an den Protesten. Demonstranten hätten die Soldaten unter anderem mit Brandbomben angegriffen.

Die israelische Luftwaffe flog als Reaktion “auf die gewaltsamen Aktionen der Hamas in den vergangenen Stunden” einen Angriff auf ein militärisches Ausbildungslager der Hamas im Norden des Gazastreifens, wie die Armee mitteilte. Zuvor seien bereits zwei weitere “Militärposten” der Hamas beschossen worden.

Netanyahu begründete das harte Vorgehen der Armee auf Twitter mit der “Pflicht Israels zur Verteidigung seiner Grenzen”. Er kündigte an, weiter “entschieden” gegen mutmaßliche Angriffe der Hamas vorzugehen.

Die israelischen Nachbarstaaten Jordanien und Ägypten verurteilten die eskalierende Gewalt im Gazastreifen. Es handle sich um “exzessive Gewalt gegen wehrlose palästinensische Menschen”, sagte der jordanische Regierungssprecher Mohammed Al-Momani. Dies sei ein “Verbrechen”. Das Außenministerium in Ägypten verurteilte die Bekämpfung “von unbewaffneten palästinensischen Zivilisten von den israelischen Besatzungstruppen”.

Die Palästinensische Autonomiebehörde will eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrates beantragen. Es gehe darum, die letzten Entwicklungen zu diskutieren, sagte PLO-Generalsekretär Saeb Erekat am Montag. Man wolle Schutz für das palästinensische Volk unter israelischer Besatzung beantragen. Außerdem werde man sich wegen der israelischen Siedlungen an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wenden. Auf Antrag des arabischen Golfstaates Kuwait will der UNO-Sicherheitsrat am Dienstag bereits über die Lage beraten.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete das Vorgehen Israels im Gazastreifen als “Genozid”. “Das was Israel macht, ist ein Genozid. Egal von welcher Seite er kommt, von Amerika oder von Israel, ich verfluche dieses humanitäre Drama, diesen Genozid”, sagte Erdogan nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Montagabend. Erdogan ordnete drei Tage Trauer für die am Montag getöteten Palästinenser an. Zudem beorderte die Türkei ihre Botschafter in Israel und den USA zurück, wie Vize-Regierungschef Bekir Bozdag in Ankara sagte.

Die deutsche Bundesregierung reagierte “bestürzt und mit tiefer Sorge” auf die blutigen Zusammenstöße. “Alle müssen sich nun dafür einsetzen, dass es nicht zu einer noch schlimmeren Zuspitzung der Lage kommt”, appellierte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts.

Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) sah die Situation am Montag weniger dramatisch. Die Ereignisse würden zwar “nicht zur Beruhigung” beitragen, dass sie den oft zitierten Flächenbrand auslösen, glaube sie aber nicht, erklärte Kneissl bei einem gemeinsamen Pressestatement mit UNO-Generalsekretär Antonio Guterres in Wien. Der israelisch-palästinensische Konflikt bleibe jedenfalls der Kern der Auseinandersetzungen der Region. Guterres zeigte sich dabei “sehr beunruhigt”.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini rief alle Seiten “zu äußerster Zurückhaltung” auf. Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian warnte in Paris vor einem “neuen Flächenbrand” im Nahen Osten.

Trump hatte am 6. Dezember mit seiner Ankündigung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen und die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, wütende Proteste der Palästinenser ausgelöst. Dabei wurden seit Ende März mehr als hundert Palästinenser getötet.

Der endgültige Status Jerusalems ist einer der größten Streitpunkte im Nahost-Konflikt. Die Palästinenser beanspruchen den 1967 von Israel besetzten und 1980 annektierten Ostteil Jerusalems als künftige Hauptstadt des von ihnen angestrebten eigenen Staates.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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22 Kommentare auf "US-Botschafts-Eröffnung in Jerusalem von Gewalt überschattet"


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p.181
p.181
Grünschnabel
5 Tage 22 h

Jerusalem wor schun 1000 v. Ch. die Hauptstodt Israels. Do hots no kuan islam und jihad gebn.

Wolke
Wolke
Grünschnabel
5 Tage 21 h
Da hat es auch noch kein Israel gegeben – Israel gibt es erst seit 70 Jahren und wurde damals brutal, gewaltsam und künstlich aus dem Boden gestampft mit der Vertreibung von fast 800.000 “Anders-Gläubigen” (auch Christen, Drusen, … wurden verjagt). Zuvor lebten dort Juden, Christen und Moslems seit Jahrhunderten relativ friedlich neben- und miteinander und zwar auf dem Landstrich, der ganz allgemein Palästina hieß – oder besser gesagt “Falastin”, wie es dort lokal genannt wurde und wird. Solltest du – wie die meisten Südtiroler – Christ sein, bist du dort genauso wenig willkommen. Ich kenne Katholiken und Protestanten in der… Weiterlesen »
p.181
p.181
Grünschnabel
5 Tage 20 h

@Wolke 
Geschichtsklitterung zugunstn des islam. Obseits vom mainstream, der sich schun seit longem dem islam unterworfen hot, gibt’s a nichtislamische Geschichtsversion. Kurz und bündig, mit Daten und Fakten:

https://heplev.wordpress.com/2017/11/06/luegen-und-wahrheit-zum-land-in-israel/

Staenkerer
5 Tage 20 h

des isch de stodt de schun laut der biebel der zankapfel der religionen wir und no isch, und unter dem deckmantel das sie die “hauptstadt” der 3welzreligionen isch werd a no in 1000 johr darum gstrittn wern!
der ewigkonflikt israel- palästina werds in x johr a no geben!

lord schnee
lord schnee
Tratscher
5 Tage 19 h

p.181 die vergangenheit ist kein grund, um in der gegenwart nicht friedlich zusammenzuleben. normalerweise entwickelt sich das menschliche bewusstsein auch weiter.

Wolke
Wolke
Grünschnabel
5 Tage 18 h
@p.181, hab mir die Seite angeschaut und bin immer wieder aufs Neue schockiert von dem Halbwissen, aufgrund dessen hier kommentiert und gehetzt wird. Sorry, aber der Blog ist grottentief schlecht und es geht mir weiß Gott nicht um “zugunsten Islam” oder gegen das jüdische Volk. Aber was dort von Seiten der Regierung gemacht wird hat gar nichts mit dem Judentum oder der Tora und schon gar nicht mit der Kabbala zu tun. Das sind nur gewisse, zionistische, reiche Machtkreise. Ich find nicht, dass sich in Bezug auf das Palästinenser-Thema die Massenmedien “islam-seitig unterworfen” haben, im Gegenteil. Ist aber sicherlich schwierig, sich selbst ein… Weiterlesen »
Orschgeige
Orschgeige
Tratscher
5 Tage 17 h

Israel gibt es erst seit 1948. Vor 1000 Jahren war Jerusalem unter arabischer Herrschaft!

Orschgeige
Orschgeige
Tratscher
5 Tage 17 h

Auch den Islam gibt es spätestens seit dem Tod des Propheten Mohammed 632 n.C.

real1st
real1st
Tratscher
5 Tage 7 h

@Wolke du weißt aber auch das die im Gazastreifen regierende Hamas jährlich ca. 1 mrd an Entwicklungshilfe erhält, natürlich wird dieses Geld nur für Schulen und Krankenhäuser verwendet 😂

Hans_H
Hans_H
Tratscher
5 Tage 3 h

@Wolke
Bitte die Quelle angeben für deine Behauptungen, ich habe nichts Dererlei gefunden! Danke.

Laut historischen Ausgrabungen scheint das Königreich Israel von etwa 1010 v. Chr. bis ca. 926 v. Chr.,[unter den Königen Saul, David und Salomo existiert zu haben. Der Namen “Syria Palästina” wurde erstmals von den Römern nach dem gescheiterten, jüdischen Bar-Kochba-Aufstand von 132 bis 135 n. Chr. für Judäa genommen, um die Erinnerung an das jüdische Königreich zu tilgen. Arabische Muslime haben Jerusalem um 638 n. Chr. erobert. Der Felsendom wurde um 691 n.Chr. von den Arabern auf dem Tempelberg in Jerusalem errichtet.

(Quellen: https://www.lpb-bw.de/geschichte-palaestinas.html, https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nigreich_Israel, https://de.wikipedia.org/wiki/Pal%C3%A4stina_(Region)

Hans_H
Hans_H
Tratscher
5 Tage 3 h

@Orschgeige
Irrtum! Das Königreich Israel gab es scheinbar schon 1010 v.Chr.

Orschgeige
Orschgeige
Tratscher
6 Tage 1 h

Leider sind im mittleren Osten auf allen Seiten nur mehr Kriegstreiber am Werk. Netanyhu und Trump an ganz oberster Stelle.

typisch
typisch
Universalgelehrter
5 Tage 22 h

da muss man aber viele friedensnobelpreise verleihen

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Superredner
5 Tage 18 h

Der Trump hat das Chaos in nahen Osten von seinen Vorgängern geerbt.

https://m.youtube.com/watch?v=9RC1Mepk_Sw

General Wesley Clark über einen Besuch im Pentagon nach dem 11. September 2001

Gandalf
Gandalf
Grünschnabel
5 Tage 17 h

Das sind Trumps Tote

Wolke
Wolke
Grünschnabel
5 Tage 21 h

Das Unrecht, das dort seit 70 Jahren mit dem Wegschauen der ganzen Welt passiert, ist schrecklich.

Obelix
Obelix
Superredner
5 Tage 7 h

@Wolke, bei uns in Südtirol besteht das Unrecht schon seit 100 Jahren.

Ralph
Ralph
Superredner
6 Tage 6 h

Der Krieg zw Israel/Usa mit Unterstützung der Saudis vs Iran/Syrien mit Unzerstützung Russlands ist leider wohl nur mehr eine Frage der Zeit

zombie1969
zombie1969
Superredner
5 Tage 20 h

Nachdem sich D. Trump während seines Treffens mit B. Netanyahu im Februar 2017 aufgrund des sturen und unkonstruktiven Verhaltens der Palästinenser von der Zwei-Staaten-Lösung distanziert hat, ist die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt durch die USA und die Verlegung der US-Botschaft dorthin der konsequente Schritt.
Wieder einmal erwiesen sich die Palästinenser mit M. Abbas an der Spitze als gefährlicher Zündler, die die Gefährlichkeit ihres Handelns offenkundig nicht abschätzen können.

Amadeus
Amadeus
Grünschnabel
5 Tage 20 h

Nichts Neues im Nahen Osten. Krieg seit über 70 Jahren im “Heiligen Land”. Israelis (75% Juden) schlachten Palästinenser und diese schlachten irgendwann dann eben wieder zurück. 
Was solls. Berichterstattung seit Jahrzehnten nur mehr langweilig, der Dauerkampf aber tragisch und schrecklich. 

Staenkerer
5 Tage 10 h

stimmt! wenn der oan aufhearn Dingen des ondern wieder in!
do kannt man niea partei ergreifn für den oan oder onderen ..

werner66
werner66
Superredner
5 Tage 8 h

So ist Demokratie. 
Wenn jemand gegen etwas protestiert, dann schießen Scharfschützen aus großer Entfernung einige Dutzend unbewaffnete Frauen und Kinder nieder. Nachher werden diese beschuldigt, exzessive Gewalt anzuwenden und schon sind sie selbst Schuld, dass sie erschossen wurden.
Israelische “Soldaten” präsentieren sich stolz mit T-Shorts auf denen eine schwangere Palästinenser-Frau im Fadenkreuz aufgedruckt ist mit dem Spruch: Ein Schuss- Zwei Treffer.
Selbstverständlich müssen wir ungefragt jeden israelischen Massenmord auch noch mit Waffen und Geld unterstützen.

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