Syriens Luftwaffe greift Rebellengebiet bei Damaskus an

US-Militär tötete regierungstreue Kämpfer in Syrien

Donnerstag, 08. Februar 2018 | 19:53 Uhr

Die US-geführte Militärkoalition hat eine Attacke syrischer Regierungstruppen auf verbündete Kräfte mit tödlichen Luftangriffen beantwortet. Mehr als 100 regierungstreue Kämpfer seien bei den Angriffen in der Nacht auf Donnerstag in der östlichen Provinz Deir ez-Zor getötet worden, nachdem die Regierungstruppen Stellungen der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) attackiert hätten.

Syriens Luftwaffe hat unterdessen erneut ein Rebellengebiet nahe der Hauptstadt Damaskus angegriffen und dabei Beobachtern zufolge mindestens 60 Zivilisten getötet. Der schwerste Angriff am Donnerstag, bei dem allein 22 Menschen gestorben seien, habe dabei einen Markt in der Stadt Arbin getroffen, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte,

Damit seien in den vergangenen vier Tagen mindestens 210 Zivilisten durch den Regierungsbeschuss im Rebellengebiet gestorben, so die Beobachtungsstelle, die ihre Informationen von einem breiten Netzwerk in Syrien bezieht. Mindestens 700 Zivilisten seien demnach verletzt worden. In von der Regierung kontrollierten Stadtteilen der Hauptstadt Damaskus seien im Gegenzug seit November rund 78 Menschen durch Rebellenbeschuss getötet worden. Darunter seien zehn Kinder.

Regierungstruppen haben das vor allem von islamistischen Rebellen kontrollierte Gebiet vollständig eingeschlossen. Rund 400.000 Menschen sind fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Helfern zufolge ist die humanitäre Lage dramatisch.

Nach Angaben eines US-Militärvertreters hatten die Regierungstruppen das SDF-Hauptquartier in Deir ez-Zor mit Panzern und Artillerie beschossen. Daraufhin habe die US-geführte Koalition gegen die Jihadistenmiliz “Islamischer Staat” (IS) zur “Selbstverteidigung” einen Gegenangriff mit Kampfflugzeugen und Artillerie gestartet, bei dem mehr als hundert Kämpfer getötet worden seien.

Bei den SDF handelt es sich um ein kurdisch-arabisches Bündnis, deren Hauptbestandteil die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) sind. Die USA unterstützen die SDF im Kampf gegen die IS-Miliz mit Waffen, Militärberatern und Spezialkräften. Die Türkei dringt jedoch auf ein Ende der US-Militärhilfe, weil sie die YPG als syrischen Zweig der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) betrachtet.

Syrische Staatsmedien berichteten am Donnerstag, bei den Angriffen der Anti-IS-Koalition seien Dutzende Kämpfer getötet worden. Das Staatsfernsehen sprach von einer “neuen Aggression und einem Versuch zur Unterstützung des Terrorismus”, bei dem “Volkskräfte” getroffen worden seien. Damit waren offenbar mit der Armee verbündete Milizen gemeint.

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die ihren Sitz in London hat, erklärte ihrerseits, bei Luft- und Artillerieangriffen der Anti-IS-Koalition seien in der Nacht 20 Kämpfer der Regierungstruppen getötet worden. Demnach ereigneten sich die Angriffe in der Stadt Khasham, die am Euphrat wenige Kilometer flussabwärts von Deir ez-Zor gelegen ist.

Das syrische Militär habe zuvor SDF-Stellungen in mehreren Dörfern sowie ein Ölfeld angegriffen, erklärte die Beobachtungsstelle, deren Angaben für Medien meist kaum zu überprüfen sind. Bereits vergangenes Jahr hatte es in der Region ähnliche Zusammenstöße gegeben, doch gab es dabei nie so viele Opfer wie dieses Mal.

Die USA wollen die SDF auch nach dem Sieg über die IS-Miliz unterstützen, und das Pentagon hat angekündigt, eine 30.000 Mann starke “Grenzschutztruppe” aus kurdischen und arabischen Kämpfern aufzubauen. Dies stieß nicht nur in Damaskus, sondern auch in Ankara auf scharfe Kritik, weil die Türkei eine weitere Stärkung der syrischen Kurden verhindern will.

Die türkische Armee geht seit Jänner gegen die YPG-Kämpfer in der nordwestlichen Region Afrin vor. Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte am Donnerstag, das bisherige Vorgehen in Afrin sei nur eine “Aufwärmübung”, in den kommenden Tagen werde es “weitere Schritte” geben. Er hat schon wiederholt gedroht, die Offensive auch auf die Stadt Manbij auszudehnen.

Von: APA/dpa/ag.