Raketen sollen einen möglichen Angriff Nordkoreas abfangen

US-Militärmanöver als Antwort auf Nordkoreas Raketentest

Mittwoch, 05. Juli 2017 | 14:44 Uhr

Die USA und Südkorea haben den nordkoreanischen Test einer Langstreckenrakete mit einer gemeinsamen Militärübung beantwortet. Dabei seien vor der Küste der koreanischen Halbinsel Präzisionslenkwaffen ins Meer geschossen worden, teilte die US-Armee mit. Nach Darstellung der Führung in Pjöngjang kann die neu entwickelte Interkontinentalrakete einen großen atomaren Sprengkopf tragen.

Verhandlungen mit den USA über das strategische Waffenprogramm lehnte der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA zufolge ab. Noch am Mittwoch will sich der UNO-Sicherheitsrat in New York mit der Krise befassen. China und Russland mahnten die USA und Nordkorea, eine friedliche Lösung zu suchen.

Der Raketentest am amerikanischen Unabhängigkeitstag hatte – wie schon frühere Raketen und Atomwaffentests – weltweit Kritik ausgelöst. Das Geschoß vom Typ Hwasong-14 flog nach Berichten nordkoreanischer Staatsmedien am Dienstag 933 Kilometer weit und erreichte eine Höhe von 2.802 Kilometern. Einige Experten sagten, die Flugdaten deuteten darauf hin, dass die Rakete eine Gesamtreichweite von über 8.000 Kilometern haben könnte. Damit lägen zahlreiche US-Staaten in ihrer Reichweite.

US-Außenminister Rex Tillerson sagte, der Raketentest bedeute eine weitere Eskalation der Bedrohung für die USA und für ihre Verbündeten. Nun seien entschlossenere Antworten gefragt.

KCNA zitierte Kim mit den Worten, die Langstreckenrakete komplettiere das strategische Waffenarsenal des Landes, einschließlich Atom- und Wasserstoffbomben: “Mit einem breiten Lachen im Gesicht sagte er (Kim) Regierungsvertretern, Wissenschaftern und Technikern, dass die USA nicht erfreut sein würden über das Geschenkpaket an ihrem Unabhängigkeitstag.” Kim habe angeordnet, regelmäßig “kleine und große Geschenkpakete an die Yankees zu schicken”. Das “langwierige Kräftemessen mit den US-Imperialisten hat seine Endphase” erreicht, hieß es. Nordkorea werde zudem niemals auf seine Atomwaffen verzichten.

Das US-Verteidigungsministerium bestätigte, dass es sich um eine Langstreckenrakete gehandelt habe und nicht nur um ein Geschoß mittlerer Reichweite. “Alle Nationen sollten Nordkorea öffentlich klarmachen, dass es Konsequenzen für sein Streben nach Atomwaffen gibt”, sagte Außenminister Tillerson.

Die Führung in Pjöngjang hat seit Anfang 2016 zahlreiche Raketen in bisher nie da gewesener rascher Folge getestet. Auch zwei Atomtests fanden in diesem Zeitraum statt. Der südkoreanische Verteidigungsminister Han Min-koo schätzte die Wahrscheinlichkeit als hoch ein, dass Nordkorea bald zum sechsten Mal eine Atombombe testet: “Wir wissen, dass sie immer auf einen Atomtest vorbereitet sind, aber wir haben bisher keine ungewöhnlichen Anzeichen bemerkt.”

Die USA seien bereit, sich und ihre Verbündeten gegen eine Bedrohung aus Nordkorea zu verteidigen, sagte eine Sprecherin des US-Verteidigungsministeriums. US-Präsident Donald Trump macht seit Wochen Druck vor allem auf China, stärker auf seinen Verbündeten Kim einzuwirken. Beim G-20-Gipfel am Freitag und Samstag in Hamburg kommt Trump mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping sowie seinem russischem Amtskollegen Wladimir Putin zusammen.

Russland und China riefen Nordkorea auf, das Raketenprogramm auszusetzen. Im Gegenzug sollten die USA und Südkorea auf große Manöver verzichten. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums sagte, die gemeinsame Erklärung der Regierungen in Peking und Moskau zeige, dass die internationale Gemeinschaft Dialog und nicht Konfrontation wolle. UNO-Generalsekretär Antonio Guterres prangerte den Test als eine weitere “dreiste Verletzung” von UNO-Sanktionen und als “gefährliche Eskalation” an.

US-Präsident Donald Trump kritisierte kurz vor seinem Abflug zum G-20-Gipfel in Hamburg die chinesische Nordkorea-Politik scharf. Er warf der Regierung in Peking mangelnde Zusammenarbeit vor. Im ersten Quartal sei der Handel zwischen China und Nordkorea um 40 Prozent gestiegen, erklärte Trump am Mittwoch auf Twitter. “So viel dazu, dass China mit uns zusammenarbeitet”, schrieb er weiter. “Aber wir mussten es versuchen!”

Der Zeitpunkt, ab dem Nordkorea eine Langstreckenrakete mit einem Atomsprengkopf bestücken kann, ist umstritten. John Schilling vom Institut 38 North in Washington sagte, eine grundlegende Einsatzfähigkeit könnte in ein bis zwei Jahren erreicht sein

Die amerikanisch-südkoreanische Raketenübung war mit einer deutlichen Warnung an Nordkorea verbunden. “Selbstbeschränkung (…) ist alles, was einen Waffenstillstand vom Krieg trennt”, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der alliierten Streitkräfte. Eine solche Haltung könne sich schnell ändern, sagte der Befehlshaber der US-Streitkräfte Korea (USFK), Vincent Brooks. Es sei ein großer Fehler, anders darüber zu denken. Bei dem Manöver wurden nach amerikanischen Angaben ein taktisches Raketensystem des US-Heeres und südkoreanische Kurzstreckenraketen des Typs Hyunmoo-2 eingesetzt. Die Raketen seien von der südkoreanischen Ostküste in Richtung Meer gefeuert worden. Das US-Militär verbreitete Videos von der Übung und sprach von einer Antwort auf Nordkoreas “destabilisierendes und ungesetzliches” Verhalten. Nordkorea wiederum wirft den USA regelmäßig vor, durch ihre Übungen mit Südkorea einen Angriff vorzubereiten, was von beiden Ländern bestritten wird.

Nach Angaben Nordkoreas erreichte die Hwasong-14 nach dem Start in der nordwestlichen Provinz Nord-Pyongan eine Höhe von 2.802 Kilometern. Sie sei 933 Kilometer weit geflogen, bevor sie nach einer Flugzeit von 39 Minuten ihr Ziel im Japanischen Meer (koreanisch: Ostmeer) getroffen habe.

Von: APA/dpa/ag.

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3 Kommentare auf "US-Militärmanöver als Antwort auf Nordkoreas Raketentest"


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zombie1969
zombie1969
Superredner
18 Tage 17 h
Schlimm genug, dass es die Atomwaffen gibt, bisher haben die Atommächte aber in einem gewissen Gleichgewicht gelebt. Nach Hiroshima ist jedem das Ausmass eines Atomkriegs bewusst. Kim Jong-un stört nun dieses Gleichgewicht und überschätzt sich dabei enorm. Kein Land der Welt ist an einem atomar bewaffneten Nordkorea interessiert. Sollten sich die USA, die direkt bedroht werden, zu einem Angriff entscheiden, wird es wahrscheinlich ausser zu Protestnoten zu keinen weiteren Konsequenzen kommen. Was aus Nordkorea ohne Kim Jong-un wird, ist natürlich die Frage. Aber das Land liegt immerhin in Asien und nicht im von religiösen Hass zerstrittenen Nahen Osten. Eine gewisse… Weiterlesen »
TheWitcher
TheWitcher
Grünschnabel
18 Tage 12 h

Was ist wenn die USA das alles will? 

Die USA hätte wahrscheinlich schon länsgst eingegriffen, allerdings hätten sie dann kein Grund mehr dort einen Stützpunkt zu haben. 

Jetzt haben sie aber ein Raketenabfangsystem vor China und Russland.

Mistermah
Mistermah
Superredner
18 Tage 12 h

Das atomare Gleichgewicht? Wo siehst du dass? Es gibt wenige Atommächte. Die anderen 180 Staaten wären denen hilflos ausgeliefert. Eine Bombe, die nicht mal effektiv, gegen tausende der anderen soll das Gleichgewicht aus den Fugen werfen? Den Usa und co geht es um ihre vormacht in der Region. Direkte Bedrohung ist ein Witz. Soweit fliegen die Raketen nie und nimmer. Und trotzdem höre ich nur blablabla. Der Gegner scheint doch mächtiger als afghanistan, irak oder lybien. Staaten die innenpolitisch stabil sind, eine gut organisierte Armee haben, siehe auch iran, und einen mächtigen Verbündeten haben, scheinen der Großmacht Angst zu machen.

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