Ermittler vermuten, dass die Pakete vom gleichen Absender stammen

US-Politiker erhielten mutmaßliche Paketbomben

Mittwoch, 24. Oktober 2018 | 22:44 Uhr

Kurz vor den US-Kongresswahlen hat der Fund mehrerer an prominente demokratische Politiker adressierter Pakete mit mutmaßlichen Sprengsätzen die USA in Unruhe versetzt. Der Secret Service fing zwei solcher Pakete ab, die an den früheren US-Präsidenten Barack Obama und die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton geschickt wurden.

Kurz darauf wurde nach dem Fund eines solchen Pakets auch ein großes Bürogebäude in New York geräumt, in dem unter anderem der US-Fernsehsender CNN seinen Sitz hat. Weitere Politiker der oppositionellen Demokraten erhielten Pakete mit mutmaßlichen Sprengsätzen. Ermittler vermuten, dass sie vom gleichen Absender stammen. “Dies ist eindeutig ein Terrorakt, der unsere freie Presse und die Anführer dieses Landes durch Gewaltakte untergraben soll”, sagte New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio.

Die Hintergründe waren zunächst unklar. Offen blieb etwa, ob die Sprengsätze alle funktionstüchtig waren und wenn ja, wie gefährlich sie waren. Bei dem Paket, das in dem New Yorker Bürogebäude abgefangen wurde, gehen die Ermittler bereits davon aus, dass der enthaltene Sprengsatz scharf war. Es scheine sich um Rohrbomben zu handeln, hieß es. Den Angaben zufolge wurde in dem Paket unter anderem auch ein Umschlag mit weißem Pulver gefunden.

Die Ereignisse überschlugen sich am Mittwoch. Am Vormittag bestätigte der Secret Service zuerst die ominösen Sendungen an Clinton und Obama. Das an Clintons Wohnsitz außerhalb von New York adressierte Paket sei am Vorabend entdeckt worden. Mittwochfrüh sei dann ein zweites verdächtiges Paket an Obama in Washington aufgetaucht. Beide Pakete seien bei Routine-Checks als mögliche Sprengsätze aufgefallen – vor der Auslieferung. Die beiden hätten die Pakete nicht erhalten und seien nicht in Gefahr gewesen.

Kurz darauf in New York im Time Warner Center, in dem unter anderem CNN sitzt: Mitten in die Live-Berichterstattung von CNN wurde der Feueralarm ausgelöst. Das komplette Gebäude und einige andere im näheren Umkreis wurden geräumt. Der Grund war auch hier ein verdächtiges Paket. Hunderttausende Menschen in Manhattan erhielten eine Notfall-Warnung auf ihr Handy, die sie aufforderte, die Gegend um das Gebäude unweit des Times Square in Manhattan weiträumig zu meiden. In den geräumten Gebäuden befinden sich unter anderem Büros, Wohnungen, eine Shopping Mall, ein Jazz Club und ein Lebensmittelladen. Der Straßenblock wurde abgesperrt, die Polizei war mit einem Großaufgebot und Spürhunden vor Ort.

Auch von anderen Orten wurden weitere verdächtige Paketsendungen gemeldet. Etwa die ehemalige demokratische Parteichefin Debbie Wasserman Schultz in Florida, der New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo, Ex-Justizminister Eric Holder und die demokratische Abgeordnete Maxine Waters sollen ebenfalls Sprengsätze erhalten haben. Das berichteten US-Medien am Mittwoch unter Berufung auf Strafverfolger.

Offen ist, ob der Versand der Pakete in direktem Zusammenhang zur Kongresswahl am 6. November steht. Auffallend sind Parallelen bei den Adressaten: Obama und Clinton gehören zu den prominentesten Demokraten. Clinton war 2016 bei der Präsidentschaftswahl gegen den Republikaner Donald Trump angetreten. Wassermann Schultz, Cuomo und Holder sind ebenfalls Demokraten.

Die “New York Times” berichtete unter Berufung auf die Polizei, das an Clinton adressierte Paket weise Ähnlichkeiten zu der Briefbombe auf, die am Montag am US-Wohnsitz des Milliardärs George Soros gefunden worden war. Soros hat seit Jahren die Demokraten unterstützt.

CNN berichtete, das Paket, das bei dem Sender einging, sei an den früheren CIA-Direktor John Brennan adressiert gewesen – der ein erklärter Gegner von US-Präsident Trump ist und regelmäßig als Kommentator in verschiedenen Medien auftritt. Brennan ist wie Obama und Clinton eine Hassfigur für Trumps Anhänger. CNN selbst ist ebenso immer wieder Ziel heftiger Kritik von Trump und dessen Lager.

Weniger als zwei Wochen vor der Kongresswahl ist die politische Stimmung besonders aufgeheizt. Die Republikaner mit dessen Frontmann Trump und die Demokraten überziehen sich mit gegenseitigen Attacken. Es geht um viel bei der Abstimmung am 6. November, bei der das gesamte Repräsentantenhaus und Teile des Senats neu gewählt werden.

New Yorks Bürgermeister De Blasio sprach von einer schmerzhaften Zeit für die Nation. Es liege “viel Hass in der Luft”. Er rief dazu, das vergiftete Klima nicht weiter anzuheizen. Das müsse an der Spitze beginnen. Auch Hillary Clinton zeigte sich ob der Vorfälle über die Stimmung in den USA besorgt. “Es ist eine Zeit tiefer Spaltung, und wir müssen alles in unserer Macht stehende tun, um unser Land zusammenzubringen”, sagte Clinton.

Das Weiße Haus verurteilte die Vorfälle scharf. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, sprach von “terrorisierenden Handlungen” und nannte die Drahtzieher “Feiglinge”. “Diese feigen Aktionen sind verabscheuungswürdig und haben keinen Platz in diesem Land”, schrieb auch US-Vizepräsident Mike Pence auf Twitter. “Die Verantwortlichen werden zur Rechenschaft gezogen werden”, versprach er.

Präsident Trump twitterte, er stimme seinem Vize “von ganzem Herzen” zu. Bei einem Auftritt am Mittwoch kündigte er eine gründliche Untersuchung der Vorfälle an. “Wir können diese feigen Anschläge nicht tolerieren und ich verurteile alle, die Gewalt anwenden”, sagte er und rief die Nation dazu auf, zusammenzuhalten und deutlich zu machen, dass politische Gewalt oder Gewaltandrohung keinen Platz in den Vereinigten Staaten hätten.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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7 Kommentare auf "US-Politiker erhielten mutmaßliche Paketbomben"


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denkbar
denkbar
Kinig
19 Tage 7 h

Trump ermutigt mit seinem zuweilen unzivilisierten Verhalten und seiner alternative Fakten Strategie, solche Täter.

denkbar
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Kinig
19 Tage 6 h

Die nytimes schreibt, dass jene die Trump immer wieder als Feinde des Volkes bezeichnet hat, diese gefährlichen Pakete erhalten haben. Gegen CNN hat Trump immer mit größter Leidenschaft gewettert. Wenn er da keine Mitverantwortung hat, dass irgendein dummer Verbrecher glaubt, im Sinne des Präsidenten handeln zu müssen, dann weiß ich auch nicht.

zombie1969
zombie1969
Superredner
19 Tage 5 h

Profis scheinen da wohl kaum am Werk gewesen zu sein, wenn keiner der  Sprengsätze detoniert ist. Oder es waren eben doch Profis, die nicht wollten, dass die Sprengsätze detonieren. Kurz im Handbuch für Desinformation nachschauen…

ivo815
ivo815
Kinig
19 Tage 4 h

Also was nun?

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
18 Tage 20 h

zombie1969
Müssen die Pakete nicht erst geöffnet werden, damit sie detonieren?

Spitzpassauf
Spitzpassauf
Superredner
19 Tage 8 h

Sorros,Clintons und Obama…….da erkennt man doch zusammenhänge……

ivo815
ivo815
Kinig
19 Tage 6 h

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