McCain hatte die Chemotherapie eingestellt

US-Senator John McCain gestorben

Sonntag, 26. August 2018 | 15:41 Uhr

US-Senator John McCain ist tot. Der Vietnamkriegsveteran starb am Samstagnachmittag (Ortszeit) im Alter von 81 Jahren im Kreise seiner Familie, wie sein Büro mitteilte. Bei dem Republikaner, der zu den schärfsten und zugleich prominentesten innerparteilichen Kritikern von Präsident Donald Trump zählte, war vor einem Jahr ein besonders aggressiver Gehirntumor diagnostiziert worden.

McCain wurde über die Grenzen der USA hinaus vor allem 2008 bekannt, als er als Präsidentschaftskandidat gegen den Demokraten Barack Obama antrat – und unterlag. In seiner Heimat wurde die Öffentlichkeit bereits viel früher auf ihn aufmerksam: Im Vietnamkrieg geriet er 1967 nach Abschuss seines Kampfjets in Gefangenschaft, in der er auch gefoltert wurde. Erst fünfeinhalb Jahre später wurde er freigelassen.

Nach mehr als zwei Jahrzehnten im Militär startete der Sohn und Enkelsohn von US-Admiralen seine Laufbahn im Kongress Anfang der 1980er Jahre – zunächst als Abgeordneter im Repräsentantenhaus, anschließend als Senator. Auch wenn er in der Regel streng konservativ auftrat, so erwarb er sich doch den Ruf eines Parteirebellen, weil er immer wieder auch mit dem politischen Gegner zusammenarbeitete. Damit zog er nicht zuletzt den Zorn Trumps auf sich, insbesondere als er mit seiner Stimme verhinderte, die unter Obama verabschiedete Gesundheitsreform Obamacare zu kippen.

McCain kritisierte Trump wiederholt scharf, etwa wegen dessen Angriffen auf die Presse. Im Juli 2017, kurz nach seiner Krebsdiagnose, rief er in einer Rede im Senat die Republikaner auf, sich Trump zu widersetzen. Nach dem Gipfel mit Russlands Präsident Wladimir Putin vor wenigen Wochen in Helsinki warf er Trump Naivität, Egoismus und Sympathie für Autokraten vor. Trump schoss regelmäßig zurück. So erklärte er, für ihn sei McCain kein Kriegsheld: “Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden.”

Am Samstag drückte Trump nach der Nachricht vom Tode McCains auf Twitter der Familie sein Beileid und seinen Respekt aus. Aus dem Umfeld McCains war zu vernehmen, Trump werde zur Beerdigung nicht eingeladen.

McCain vertrat im US-Kongress mehr als drei Jahrzehnte den Bundesstaat Arizona. Mit seinem Tod sinkt die Mehrheit der Republikaner im Senat vorübergehend auf 50 Sitze, die Demokraten kommen auf 49 in der 100-köpfigen Kammer. Doch es wird erwartet, dass Arizonas republikanischer Gouverneur Doug Ducey einen Nachfolger aus der eigenen Partei bestimmt, der das bis 2020 laufende Mandat übernimmt. Den Republikanern könnte das bei Abstimmungen helfen, denn McCain war in diesem Jahr stets zu krank, um seine Stimme abzugeben.

Kondolenzen kamen aus der ganzen Welt. Mit Senator John McCain haben die USA eine ihrer prononciertesten Stimmen zur Außen- und Sicherheitspolitik und eine führende Stimme gegen die Folter verloren. “Unsere Gedanken sind mit seiner Familie und Freunden”, twitterte Außenministerin Karin Kneissl.

Mit dem ableben des US-Senators John McCain verliere Amerika einen außerordentlichen Politiker. Europa verliere einen Freund, der immer an die transatlantische Zusammenarbeit geglaubt habe, schreibt Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) auf Twitter. “Er hatte eine klaren moralischen Kompass und zielte immer darauf, seinem Land zu dienen”. Er kondoliere der Familie aus ganzem Herzen.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte McCain als “eine der großen politischen Persönlichkeiten unserer Zeit.” Der Republikaner sei “ein unermüdlicher Kämpfer für ein starkes transatlantisches Bündnis” gewesen, erklärte Merkel am Sonntag. Sie würdigte zugleich den “persönlichen Mut” und die “Aufrichtigkeit” des Senators.

“Wenige von uns wurden so herausgefordert, wie John es einst wurde, oder mussten den Mut zeigen, den er gezeigt hat. Aber wir alle können den Mut haben, das Wohl der Allgemeinheit über unser eigenes zu stellen. John zeigte uns in seinen besten Zeiten, wie das geht. Und dafür stehen wir alle in seiner Schuld”, schrieb Barack Obama via Twitter.

In Litauen schrieb Präsidentin Dalia Grybauskaite auf Twitter: “Es ist ein großer Verlust nicht nur für unsere Region, sondern auch für die ganze Welt”. Außenminister Linas Linkevicius schrieb auf dem Kurznachrichtendienst: “Wir haben einen der größten moralischen Giganten unserer Zeit verloren.” McCain genoss in Litauen und auch den beiden anderen Baltenstaaten Estland und Lettland wegen seiner russlandkritischen Haltung hohes Ansehen.

Von: APA/ag.