Süd- und Nordkorea befinden sich bis heute formal im Kriegszustand

US-Soldat übertritt Grenze nach Nordkorea

Dienstag, 18. Juli 2023 | 19:32 Uhr

Von: APA/AFP

Ein US-Soldat hat bei einer Besichtigungstour die stark gesicherte Grenze von Süd- nach Nordkorea übertreten. Der Soldat habe die Demarkationslinie bei einem Besuch der Demilitarisierten Zone zwischen beiden Staaten “absichtlich und ohne Erlaubnis” überquert, erklärte ein Sprecher der US-Streitkräfte am Dienstag. Er befinde sich nun vermutlich in nordkoreanischem Gewahrsam. Der Vorfall könnte die angespannten Beziehungen zwischen Washington und Pjöngjang weiter verschärfen.

Vor der US-Bestätigung hatte bereits das UNO-Kommando in dem Gebiet erklärt, ein US-Bürger habe die Grenze überquert und befinde sich vermutlich in nordkoreanischem Gewahrsam. Die US-Streitkräfte und das UNO-Kommando kündigten an, mit den nordkoreanischen Streitkräften zusammenzuarbeiten, um den Vorfall zu klären. Das Verteidigungsministerium in Seoul wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Vorfall äußern.

Südkorea und Nordkorea befinden sich bis heute formal im Kriegszustand, weil nach dem Koreakrieg von 1950 bis 1953 kein Friedensvertrag geschlossen wurde. Seit Kriegsende trennt eine Demilitarisierte Zone (DMZ) die beiden koreanischen Staaten. Die an den Grenzstreifen angrenzenden Gebiete werden streng bewacht.

Die DMZ ist gleichzeitig ein beliebtes Touristenziel. Jeden Tag besichtigen hunderte Besucher das Gebiet auf der südkoreanischen Seite. Der US-Sender CBS berichtete, der Soldat habe in Südkorea vorübergehend in Militärhaft gesessen und hätte aus disziplinarischen Gründen aus dem Land gebracht werden sollen. Es sei ihm aber nach Passieren der Sicherheitskontrollen am Flughafen gelungen, umzukehren und sich einer Besuchergruppe in die DMZ anzuschließen.

Ein Augenzeuge, der nach eigenen Angaben an derselben Besichtigungstour teilnahm, sagte CBS, die Gruppe habe eines der Gebäude auf dem Gelände besucht, als “dieser Mann laut ‘Ha-ha-ha’ ruft und einfach zwischen einigen Gebäuden hindurchläuft”. “Zuerst dachte ich, es sei ein schlechter Witz, aber als er nicht zurückkam, wurde mir klar, dass es kein Witz war”, sagte der Zeuge.

Nordkorea hatte seine Grenzen zu Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 abgeriegelt und bis heute nicht wieder geöffnet. Auch die Präsenz von Sicherheitspersonal auf der nordkoreanischen Seite der gemeinsamen Sicherheitszone in der DMZ wurde deutlich reduziert.

Als die Nachrichtenagentur AFP die gemeinsame Sicherheitszone zu Beginn des Jahres besichtigte, waren keine nordkoreanischen Wachen in der Gegend zu sehen gewesen. Dennoch dürfen südkoreanische oder US-Soldaten nicht die Grenze übertreten, um etwa wie in diesem Fall einen US-Bürger wieder zurückzuholen.

Ein Experte der US-Armee erklärte, er habe keine Ahnung, wie die Nordkoreaner auf diesen Vorfall reagieren würden. “Dies ist der erste Kontakt seit Covid (…) Wir wissen nicht, was sie denken”, fügte Steve Tharp gegenüber “NK News” aus Seoul hinzu.

Die Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea sind auf einem historischen Tiefpunkt. Südkorea gehört zu den Verbündeten der USA, das kommunistische Nordkorea zählt die Vereinigten Staaten zu seinen größten Feinden.

Die USA verkündeten am Dienstag die Stationierung eines mit Atomwaffen bestückten U-Boots der US-Marine in Südkorea. Das letzte Mal, dass die USA eines seiner atomwaffenfähigen U-Boote nach Südkorea entsandte, war 1981. Washington hatte im April ein Abkommen mit Seoul vereinbart, um den atomaren Schutzschild für Südkorea zu stärken.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un droht immer wieder mit einer militärischen Eskalation in der Region und hatte angekündigt, das eigene Atomwaffenarsenal “exponentiell” auszubauen. Washington und Seoul warnen deshalb bereits seit Monaten, dass Nordkorea in näherer Zukunft einen Atomwaffentest ausführen könnte. Es wäre der erste solche Test seit 2017.

Nordkorea hatte die Stationierung des U-Boots, das Raketen mit Atomwaffen abschießen kann, bereits zuvor verurteilt. Damit drohe die Situation auf der koreanischen Halbinsel näher an die “Schwelle eines Atomkonflikts” zu rücken, hieß es aus Pjöngjang.