Der US-Minister traf überraschend in Afghanistan ein

US-Verteidigungsminister überraschend in Kabul

Dienstag, 13. März 2018 | 16:34 Uhr

US-Verteidigungsminister James Mattis hat bei einem Überraschungsbesuch in der afghanischen Hauptstadt Kabul den Oberkommandierenden der NATO- und der US-Streitkräfte und Präsident Ashraf Ghani getroffen. Ghani twitterte am frühen Abend (Ortszeit), dass Mattis und er im Palast über Wege zum Frieden mit den radikalislamischen Taliban und weitere Themen gesprochen hätten.

Präsident Ghani hatte den Taliban vor zwei Wochen ein umfassendes Friedensangebot gemacht. Die haben darauf bisher nicht reagiert und ihre Angriffe fortgesetzt. Der offizielle Beginn ihrer Frühjahrsoffensive steht kurz bevor.

Ghani und Mattis haben demnach außerdem über die in der zweiten Jahreshälfte anstehenden Parlamentswahlen, das angespannte Verhältnis zu Pakistan sowie den Kampf gegen die wuchernde afghanische Drogenindustrie diskutiert, von der auch die Taliban profitieren. Seit November fliegen vor allem die USA Luftangriffe gegen Drogenlabore, um den Taliban Einkommensquellen zu nehmen.

In Ausschnitten einer Pressekonferenz an Bord von Mattis’ Flugzeug auf dem Weg nach Kabul, die der US-Sender C-Span veröffentlichte, sagte Mattis, dass er sich auch zum Stand der neuen Militärstrategie informieren wolle. US-Präsident Donald Trump hatte die neue, sehr viel aggressivere Strategie der USA im August vorgestellt. Nach Jahren der Truppenabzüge sieht sie unter anderem die Entsendung von Tausenden zusätzlichen Soldaten und sehr viel mehr Luftangriffe vor.

Mattis sagte in der C-Span-Übertragung auch, dass “Teile der Taliban ganz klar daran interessiert” seien, mit der afghanischen Regierung zu verhandeln. Die müsse man nun von der größeren Bewegung “abpellen”. Ein Sieg in Afghanistan sei kein militärischer Sieg, sondern eine verhandelte politische Lösung.

Die Taliban kontrollieren nach Militärangaben wieder mindestens 14,3 Prozent des Landes. Der Chef des deutschen Bundesnachrichtendienstes hat vor kurzem dem “Tagesspiegel” gesagt, dass den Taliban und anderen Aufständischen “bis zu 40 Prozent des Landes anheimgefallen” seien.

Von: APA/dpa