Mehr als 20 Menschen getötet

USA empört über türksichen Angriff auf Kurden

Mittwoch, 26. April 2017 | 09:12 Uhr

Bei türkischen Luftangriffen auf Stellungen kurdischer Kämpfer im Norden Syriens und des Irak sind Aktivisten zufolge mehr als 20 Menschen getötet worden. Jets hätten die mit den USA verbündete Kurden-Miliz YPG sowie die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) bombardiert, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Dienstag.

Die USA verurteilten das türkische Vorgehen scharf, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verteidigte es. Die Angriffe seien weder mit den USA noch mit der Anti-IS-Koalition in Syrien und im Irak abgesprochen gewesen, sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums in Washington. Er rief Ankara dazu auf, alle militärischen Schritte mit den Partnern zu koordinieren. Dies sei schon allein nötig, um die Sicherheit der Koalitionskräfte zu gewährleisten.

Die YPG ist in Syrien wichtigster Partner des Westens im Kampf gegen die Terrormiliz “Islamischer Staat” (IS). Jets der US-geführten internationalen Koalition unterstützen eine von der YPG angeführte Offensive auf die IS-Hochburg Raqqa. Die Miliz kontrolliert im Norden Syriens zudem große Teile der Grenze zur Türkei. Ankara sieht in der Kurdenmiliz einen Ableger der PKK und bekämpft sie deshalb. Die PKK selbst wird auch von den USA und der EU als Terrorgruppe eingestuft. Sie kämpft seit drei Jahrzehnten für eine Autonomie der Kurden in der Türkei. Mehr als 40.000 Menschen sind in dem Konflikt getötet worden.

Erdogan erklärte im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters, die Türkei werde nicht zulassen, dass die Sinjar-Region zu einem Stützpunkt für Extremisten der PKK werde. Die Militäraktionen würden solange fortgesetzt “bis der letzte Terrorist vernichtet ist”. Die Türkei müsse diese Maßnahmen ergreifen, dies sei auch den USA, Russland und dem Irak vermittelt worden. Das türkische Militär hatte von rund 70 getöteten Extremisten gesprochen.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte kamen im Nordosten Syriens 15 YPG-Kämpfer und drei Mitarbeiter eines Medienzentrums der Miliz ums Leben. Bei den Luftangriffen auf die PKK im nordirakischen Sinjar-Gebirge seien zudem versehentlich fünf kurdische Peschmerga-Kämpfer ums Leben gekommen, teilte ein Peschmerga-Kommandant mit.

Die Peschmerga gehören zur kurdischen Autonomieregierung im Nordirak. Diese pflegt gute Beziehungen zur Türkei und steht in Konkurrenz zur PKK, die im Nordirak Stellungen hat. Ein Sprecher des Peschmerga-Ministeriums in Erbil erklärte, die Angriffe seien inakzeptabel. Gleichzeitig forderte er die PKK auf, sich aus dem Nordirak zurückzuziehen.

Die türkische Armee bestätigte in einer Mitteilung, sie habe Dienstagfrüh Luftangriffe auf die PKK “und die Verlängerungen dieser Organisation in Syrien und im Irak” geflogen. Ziel sei die “Zerstörung dieser Terrornester” in Nordostsyrien und im Nordirak gewesen. Die Ziele seien präzise getroffen worden. Von den angegriffenen Regionen aus kämen Terroristen in die Türkei und brächten Waffen und Sprengstoff ins Land, teilten die Streitkräfte weiter mit. Diese Terroristen verübten Anschläge in der Türkei. Zuletzt sei das bei einem Anschlag auf eine Polizeistation in der südosttürkischen Kurdenmetropole Diyarbakir der Fall gewesen, bei dem vor zwei Wochen drei Menschen getötet worden waren. Dazu hatte sich die PKK bekannt.

Der Chef der syrischen Kurden-Partei PYD, Salih Muslim, warf der Türkei vor, Terroristen zu unterstützen. “Anstatt den IS anzugreifen, attackiert die Türkei diejenigen, die gegen die Terroristen kämpfen”, sagte er der deutschen “Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung”. Die internationale Koalition dürfe diese Angriffe nicht stillschweigend akzeptieren. Die YPG gilt als bewaffneter Arm der PYD.

Bei mutmaßlichen PKK-Anschlägen in der Südosttürkei wurden am Dienstag insgesamt mindestens fünf türkische Soldaten getötet, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Bei Gefechten in den südosttürkischen Provinzen Sirnak und Hakkari seien insgesamt 13 PKK-Kämpfer getötet worden.

Von: APA/dpa/ag.