Lawrow sprach von "sehr bedeutenden Schritten"

USA und Russen vereinbaren Weg zu Waffenruhe in Syrien

Samstag, 27. August 2016 | 17:02 Uhr

Die USA und Russland haben sich grundsätzlich auf Schritte zu einer Waffenruhe zwischen Anhängern des Regimes und Rebellen in Syrien verständigt. Besonders umkämpft ist die nordsyrische Stadt Aleppo. Dort kamen am Samstag bei einem Luftangriff des Regimes mit Fassbomben mindestens 16 Zivilisten ums Leben.

Vor dem Zustandekommen eines Waffenstillstandes müssten noch eine Reihe von Einzelheiten geklärt werden, sagten die Außenminister beider Länder am späten Freitagabend nach mehr als zwölfstündigen Verhandlungen in Genf. In diplomatischen Kreisen hieß es, trotz der langen Gespräche sei “lediglich ein kleiner gemeinsamer Nenner bestätigt worden”. Experten beider Länder sollten jetzt offene Fragen klären.

“Wir wollen keine Vereinbarung, die nicht durchsetzbar wäre”, sagte US-Außenminister John Kerry bei einer Pressekonferenz mit seinem Amtskollegen Sergej Lawrow. Zu den offenen Fragen gehört nach Angaben beider Politiker das Vorgehen gegen terroristische Gruppierungen wie die Miliz Jabhat Fatah al-Sham, die bis vor kurzem unter dem Namen Al-Nusra-Front Teil des Terrornetzwerks Al-Kaida war.

Lawrow ergänzte, Russland habe erstmals von den USA eine Liste derjenigen syrischen Gruppen erhalten, die sich über die internationale Koalition einer Waffenruhe anschließen wollten. “Ohne eine Abgrenzung zwischen normalen, gesunden Oppositionskräften und Terroristen sehe ich keine Möglichkeit, eine wirklich dauerhafte und vollgültige Einstellung der Kampfhandlungen zu erreichen”, sagte er.

Dessen ungeachtet wurden die Kampfhandlungen in Aleppo am Samstag fortgesetzt. Bei einem Angriff der syrischen Luftwaffe auf die Stadt kamen nach Angaben von Aktivisten mindestens 16 Zivilisten um. Ein Hubschrauber des Regimes habe eine Trauerfeier in einem Rebellenviertel mit international geächteten Fassbomben beschossen, meldete die “Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte”.

Die Zahl der Opfer könne noch weiter steigen, da es zahlreiche Schwerverletzte gebe, erklärte die “Beobachtungsstelle” weiter. Demnach griff der Hubschrauber der Luftwaffe zunächst die Trauerfeier mit einer Fassbombe an. Als die Menschen geflohen seien und erste Rettungsmaßnahmen liefen, habe er eine zweite Fassbombe abgeworfen.

Die in Großbritannien ansässige “Beobachtungsstelle” stützt sich auf ein dichtes Netz von Informanten. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite aber kaum zu überprüfen. Bei Fassbomben handelt es sich um mit Sprengstoff und Metall gefüllte Behälter. Wenn sie explodieren, erzielen sie eine breite Streuung. Das Regime setzt regelmäßig Fassbomben gegen Rebellen-Gebiete ein.

In Syrien tobt seit 2011 ein blutiger Bürgerkrieg, in den das Regime von Präsident Bashar al-Assad, etliche Rebellengruppen, die Kurden und der IS involviert sind. Der Konflikt hat nach UNO-Angaben rund 400.000 Menschen das Leben gekostet und Millionen in die Flucht getrieben. Zudem leben noch etwa 600.000 Menschen unter Belagerung.

Von: APA/Ag.

Kommentare

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2 Kommentare auf "USA und Russen vereinbaren Weg zu Waffenruhe in Syrien"


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zombie1969
Grünschnabel
29 Tage 7 h

Offenbar kommt nun doch langsam Bewegung in diesen Krieg. Inzwischen fordert man sogar Hilfe für die Menschen in Aleppo, nachdem man einige Jahre weggeschaut hatte.
Der Westen will hier anscheinend die Situation nach eigenen Vorstellungen umgestalten, aber auch dieses Vorhaben wird nicht aufgehen. Die Menschen in der Region werden erst Friegen erlangen, wenn sich der “Westen” ganz aus dem Mittleren Osten heraushält.
Zu hoffen bleibt, dass die ca. 6 Millionen Flüchtlinge in der Region bald wieder in ihre Heimat kommen, gerade im Interesse Europas.

Dublin
Tratscher
28 Tage 23 h

Die Amis lassen sich wieder über den Tisch ziehen. Hier sollen zuerst die Kurden fertig gemacht werden, damit der Sultan zufrieden ist.

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