Das Manöver wurde an der Grenze zu Nordkorea durchgeführt

USA und Russland halten Manöver nahe Nordkorea ab

Montag, 18. September 2017 | 15:52 Uhr

Mitten in der Nordkorea-Krise haben Russland und China sowie die USA und Südkorea am Montag Militärmanöver in der Nähe des isolierten Landes gestartet. Die russisch-chinesische Übung konzentriert sich der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge auf ein Gebiet zwischen dem russischen Hafen Wladiwostok an der Grenze zu Nordkorea und dem nördlich von Japan gelegenen Teil des Ochotskischen Meeres.

Xinhua brachte das Manöver nicht direkt mit dem Streit über Nordkoreas Raketen- und Atomprogramm in Zusammenhang. Die USA und Südkorea schickten nach Angaben aus Seoul Kampfjets über die koreanische Halbinsel. Die Maschinen seien in Südkorea, Japan und auf dem US-Militärstützpunkt Guam gestartet, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Indes verurteilte die Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO/IAEA) das Atomprogramm Nordkoreas erneut. Die neu gewählte Präsidentin der IAEA, Maria Zeneida Angara Collinson, bezeichnete die Entwicklung auf der koreanischen Halbinsel während der 61. allgemeinen Konferenz der Organisation in Wien am Montag als “sehr bedrohlich”. Der Situation müsse jedoch “mit Mut” begegnet werden.

Während der ersten Vollversammlung erklärte auch der Generaldirektor der Organisation, Yukiya Amano, dass das Atomprogramm Nordkoreas ein Grund zu “großer Beunruhigung” sei. Außerdem wurde eine Botschaft des UNO-Generalsekretärs Antonio Guterres verlesen, in der er die Raketentests von Nordkorea “aufs Schärfste” verurteilte. Zudem betonte Guterres, dass die IAEA einen “integralen Beitrag zu Frieden und Sicherheit weltweit” leiste.

Im Atomstreit mit Nordkorea forderte der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel unmittelbar vor Beginn der UNO-Vollversammlung direkte Gespräche mit der Regierung in Pjöngjang. Machthaber Kim Jon-un sei “eben nicht irre”, sagte der SPD-Politiker der “Bild”-Zeitung: “Er folgt einer kühl überlegten Strategie.”

Gabriel sagte, es brauche Visionen und mutige Schritte, um Nordkorea eine andere Sicherheitsgarantie als die Atombombe vor Augen zu führen: “Das geht nur über direkte Verhandlungen auch mit Nordkorea. Dazu müssen drei Mächte gemeinsam an den Tisch: Die USA, China und Russland.” Als Vorbild nannte er die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) und ihre Nachfolgekonferenzen während des Kalten Krieges.

Die IAEA ist eine autonome Organisation, die eng mit der UNO zusammenarbeitet. Sie überwacht und fördert die friedliche Verwendung nuklearer Technologie und beaufsichtigt daher die Umsetzung des 2015 in Wien geschlossenen internationalen Abkommens zum iranischen Atomprogramms. Amano, der am Montag für vier weitere Jahre in seinem Amt bestätigt wurde, erklärte, dass “Ermittlungen in Bezug auf die Abwesenheit von nicht deklariertem nuklearen Material und Aktivitäten” im Iran “andauern”.

Die schon seit Jahren andauernden Spannungen wegen Nordkoreas Atom- und Raketenpolitik hatten in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen. Die Regierung in Pjöngjang meldete Anfang September den sechsten und bisher stärksten Atomtest des Landes und ließ am Freitag zum zweiten Mal binnen drei Wochen eine Rakete über Japan hinweg schießen. Vor einer Woche verschärfte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen auf Initiative der USA die bereits bestehenden Sanktionen gegen das kommunistisch regierte Land.

Von: APA/ag.