Der Hafen von Odessa ist kriegsbedingt blockiert

USA verdächtigen Russland des Getreidediebstahls

Dienstag, 07. Juni 2022 | 07:27 Uhr

US-Außenminister Antony Blinken hat den Verdacht geäußert, dass Russland ukrainisches Getreide für den eigenen Profit stiehlt. Berichte, wonach Russland ukrainisches Getreide beschlagnahmt, um dieses selbst zu verkaufen, nannte Blinken am Montag in Washington “glaubwürdig”. Er erhob außerdem den Vorwurf, dass Moskau durch die Blockade ukrainischer Getreideausfuhren die Welt “erpressen” wolle.

Die russische Seeblockade des südukrainischen Hafens Odessa verhindere, dass Getreide von dort an seine “normalen Ziele” verschifft werde, sagte Blinken bei einer virtuellem Konferenz seines Ministeriums zu aus dem Ukraine-Krieg entstehenden Risiken für die Nahrungsmittelsicherheit. Rund 20 Millionen Tonnen Weizen seien in Silos nahe Odessa “gefangen”.

Dabei handle es sich um eine Strategie des russischen Präsidenten Wladimir Putin, der erzwingen wolle, dass die restliche Welt “ihm nachgibt” und ihre Sanktionen gegen Russland aufhebt, betonte Blinken. “In anderen Worten, ganz einfach ausgedrückt, es ist Erpressung.”

Die russische Führung hat unterdessen einem Medienbericht zufolge mit Kiew und Ankara ein Schema zur Freigabe von Getreidelieferungen aus dem bisher blockierten, ukrainischen Schwarzmeerhafen Odessa abgestimmt. “In den Hoheitsgewässern des Nachbarlands übernehmen türkische Militärs die Minenräumung und sie werden auch die Schiffe bis in neutrale Gewässer begleiten”, beschrieb die kremlnahe Tageszeitung “Iswestija” am Montag unter Berufung auf Regierungskreise den geplanten Ablauf. Später würden russische Kriegsschiffe die Getreidefrachter bis zum Bosporus eskortieren.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte seinerseits am Montag, dass die Blockade der Getreide-Exporte in den kommenden Monaten noch deutlich dramatischere Ausmaße annehmen könnte. Die blockierte Menge des für den Export bestimmten Getreides aus der Ukraine könnte sich bis “zum Herbst” auf 75 Millionen Tonnen verdreifachen, sagte er vor Journalisten in Kiew.

Derzeit seien zwischen 20 und 25 Millionen Tonnen Getreide blockiert, “bis zum Herbst könnte diese Zahl auf 70 bis 75 Millionen Tonnen ansteigen”, sagte Selenskyj. Vor der russischen Invasion war die Ukraine der weltweit viertgrößte Exporteur von Weizen und Mais.

“Wir brauchen Seekorridore” für die Getreide-Lieferungen, sagte der ukrainische Präsident. Sein Land diskutiere darüber mit der Türkei und Großbritannien sowie der UNO. Über das Meer könnten nach seinen Angaben zehn Millionen Tonnen Getreide pro Monat exportiert werden. Die Ukraine spreche auch mit Polen und den baltischen Staaten über die Ausfuhr kleinerer Getreidemengen auf dem Schienenweg.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow wird am Mittwoch in Ankara zu Gesprächen erwartet. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hatte im Vorfeld bereits bestätigt, dass das Thema Getreidelieferungen aus der Ukraine dabei thematisiert werde. Laut dem Zeitungsbericht soll das Schema dort im Detail abgestimmt und dann offiziell abgesegnet werden. Bisher wurde demnach nur für Odessa eine solche Freigabe vereinbart.

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat zu massiven Turbulenzen auf den Weltmärkten geführt und die Preise für Lebensmittel in die Höhe getrieben. Die Ukraine ist einer der größten Getreideexporteure weltweit. Die russische Blockade ukrainischer Häfen hatte deshalb speziell in den armen Ländern Afrikas zu Befürchtungen vor einer Hungersnot geführt.

Von: APA/AFP/dpa/Reuters

Kommentare

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10 Kommentare auf "USA verdächtigen Russland des Getreidediebstahls"


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Amadeus
Amadeus
Tratscher
22 Tage 11 h

Depp der deppete. Glaubt Putin wirklich durch sein Handeln kann er langfristig die ganze Welt erpressen, auslachen, und ihr seinen Willen aufzwingen? 
Alle ihr Diktatoren lasst diesen Blödsinn, wir haben sonst genug Scherereien: zukünftige große Wetterkatastrophen, Korruption, Rauschgifte aller Art, sozialer Medien-Misthaufen, Verrohung Erwachsener und Jugendlicher, gleichgültige Politik, hilflose Polizei usw.

Staenkerer
22 Tage 11 h

und so werd man von tyrann de olles blockiert zum retter der welt…..
fohlt lei no das er es geld vom ukrainischen getreide kassiert und es zum kriegführen verwendet!

Sigo70
Sigo70
Superredner
22 Tage 2 h

“Kiew benötige Anti-Schiffswaffen, welche die sichere Durchfahrt seiner Exporte gewährleisten könnten, sagt Selenskyj am Montag in Kiew.”
könnte es sein, dass Selenskyj von der vorgeschlagenen Lösung nicht begeistert ist? Es ist auch zu bezweifeln wieviel Kiew dabei überhaupt zwischen Russland und Türkei eingebunden war. Selenskyj spricht ja auch von Großbritannien. Wurde etwa diese Lösung vorher zwischen Russland, der Türkei und Großbritannien abgesprochen?

@
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Universalgelehrter
21 Tage 12 h

Der russischen Außenministers Sergej Lawrow reist am 8. Juni nach Ankara. Dort wird das Getreidethema weit oben auf der Agenda stehen.Warten wir also die Ergebnisse dieser Konsultationen ab, bevor wir uns mit Vermutungen und Gerüchten beschäftigen.

Skye
Skye
Grünschnabel
22 Tage 11 h

Endlich eine gute Nachricht… Der Präsident der AU hat wahrscheinlich klargemacht, dass dieser völlig unsinnige Krieg nicht Schuld an einer Hungersnot in Afrika sein kann. Das hat wahrscheinlich sogar der verrückte Zar verstanden…

Sigo70
Sigo70
Superredner
22 Tage 2 h

“In den Hoheitsgewässern des Nachbarlands übernehmen türkische Militärs die Minenräumung ”
Also türkische Schiffe würden die Minen in den Hoheitsgewässern der Ukraine entfernen? Werden die Exportschiffe also durch Minen blockiert?

OrtlerNord
OrtlerNord
Tratscher
21 Tage 17 h

sigo….
Die Ukraine hat sich mit den Seeminen versucht vor dem Angreifer Putin zu schützen. Es ist geradezu widerlich jetzt denn Ukrainer unterschwellig vorzuwerfen selber schuld das die Schiffe nicht aus laufen können. Hätte Putin nicht den widerlichen verlogenen Angriffskrieg gestartet hätten wir das Problem gar nicht!!!! VERSTANDEN?

berthu
berthu
Universalgelehrter
21 Tage 13 h

Verdacht? Ist wohl so, daß in allen Kriegen gestohlen wird. In diesem Krieg vielleicht noch etwas mehr. Ist ja bekannt, was die Nazis alles “gesammelt” enteignet/sich angeeignet haben, was die US aus Europa “mitnahm”…Das “Stehlen”, vergewaltigen wurde den Soldaten als Motivation mit auf die Front geschickt. Strafen dafür gabs ja keine.

Hustinettenbaer
21 Tage 14 h

Putin sammelte als Petersburger Bürgermeister “gute” Erfahrung mit Erdöl-Lebensmittel-Deals.
„In der Stadt gab es keine Lebensmittel. Wir gaben Lebensmittelkarten aus. Wir bekamen Quoten, um Holz, Öl, Metalle, auch seltene Metalle, zu exportieren – im Tausch gegen Lebensmittel. Die Verträge wurden mit Scheinfirmen abgeschlossen. Die Lizenzen dafür vergab der Petersburger Ausschuss für Außenhandel. Dessen Vorsitzender war Wladimir Putin. Mal unterschrieb er, mal sein Stellvertreter. Dabei waren sie dazu nicht berechtigt. In der Folge gingen die Rohstoffe ins Ausland, es kamen aber keine Lebensmittel zurück.“
Petersburger Klüngeleien (Archiv) (deutschlandradio.de)

spotz
spotz
Tratscher
21 Tage 12 h

da kann man sehen was die weltmächte ausrichten … nichts gutes!!!

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