Über die Zahl der Truppenstärke machte Biden keine Angaben

USA verlegen kleine Zahl an Soldaten nach Osteuropa

Samstag, 29. Januar 2022 | 13:23 Uhr

Die USA werden nach Angaben von Präsident Joe Biden wegen der Ukraine-Krise bald zusätzliche US-Truppen in die osteuropäischen NATO-Staaten verlegen. Es gehe dabei um “nicht zu viele” Soldaten, schränkte Biden allerdings ein. Er machte keine genaueren Angaben dazu, um wie viele Soldaten es sich handeln könnte und wohin genau sie wann verlegt werden könnten. Auch Großbritannien erwägt unterdessen die Entsendung frischer Truppen.

Damit könnte die NATO-Verteidigung verstärkt werden, hieß es in der Nacht auf Samstag aus Regierungskreisen in London. Premierminister Boris Johnson werde am Wochenende diese Maßnahmen “zur Eindämmung der wachsenden russischen Aggression in der Region” prüfen. Die Zeitung “Times” berichtete, möglich seien mehr Soldaten für Osteuropa, aber auch mehr Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe.

Johnson will bald in die Gegend reisen und auch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefonieren. Ein genaues Reiseziel wurde vorerst nicht genannt. Begleitet werde er von Außenministerin Liz Truss, die einen Besuch in der Ukraine plant und innerhalb der kommenden zwei Wochen auch Moskau besuchen will.

Aus Regierungskreisen verlautete weiter, dass das britische Außenministerium am Montag seine Sanktionen gegen Russland verschärfen wolle. Damit sollten die “strategischen und finanziellen Interessen” Russlands getroffen werden, hieß es.

Einem Bericht der “Times” zufolge sind die USA besorgt, dass London keine scharfen wirtschaftlichen Maßnahmen gegen Moskau beschließen kann. Denn Großbritannien toleriere seit Jahren verdächtige Investitionen aus Russland. Vor allem in London stecke viel Geld russischer Oligarchen mit engen Beziehungen zum Kreml. Würden diese Summen wegen britischer Sanktionen abgezogen, könnte dies die Finanzmetropole heftig treffen.

Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace warnte, Russland könne versuchen, mithilfe von massiven Cyberattacken sowie der Veröffentlichung kompromittierender oder schädlicher Informationen den Westen zu spalten und Verwirrung zu stiften. Wallace reist kommende Woche zu Gesprächen nach Ungarn, Slowenien, Tschechien und Kroatien.

Die US-Regierung warnte einmal mehr mit drastischen Worten vor den Folgen einer möglichen russischen Invasion. Man glaube aber nicht, dass Präsident Putin den endgültigen Beschluss gefasst habe, die nahe der Grenze zur Ukraine zusammengezogenen Kräfte einzusetzen, sagte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin am Freitag im Pentagon.

Auf Anordnung von US-Präsident Biden hin waren am Montag 8.500 Soldaten in den USA in erhöhte Bereitschaft versetzt worden, um bei Bedarf eine schnelle Verlegung zu ermöglichen. Biden hatte betont, es handle sich um eine Vorsichtsmaßnahme, um Sorgen der osteuropäischen NATO-Mitglieder zu begegnen. Es würden keine US-Soldaten in die Ukraine geschickt.

Für den Fall eines russischen Einmarsches in die Ukraine befassen sich die USA nach Informationen der “New York Times” mit Plänen, russische Banken härter als je zuvor mit Sanktionen zu treffen. Die Strafmaßnahmen könnten die russische Wirtschaft weit über frühere westliche Sanktionen hinaus stören, schrieb das Blatt am Freitag (Ortszeit) unter Berufung auf Personen, die sich mit dem Thema beschäftigten. Es gehe um Pläne, einige der größten Finanzinstitute Russlands mit Sanktionen zu belegen.

Demnach würde im Fall der Fälle das US-Finanzministerium ausgewählte russische Banken auf eine entsprechende Sanktionsliste setzen und damit US-amerikanischen Institutionen und Personen die Zusammenarbeit mit ihnen untersagen. Weil ein so großer Teil des internationalen Handels mit dem US-Bankensystem verbunden sei, wären diese Banken faktisch auch international abgeschnitten. In den vergangenen Wochen sei eine Liste mit Dutzenden privaten und staatlichen russischen Banken und Finanzinstituten in Washington kursiert.

Eine Abschottung großer russischer Banken vom internationalen Bankgeschäft hätte weitreichende Folgen für alle Ebenen der russischen Wirtschaft, schrieb die “New York Times” weiter. Die Strafmaßnahmen von 2014, als sich Russland die ukrainische Halbinsel Krim am Schwarzen Meer einverleibt hatte, seien im Vergleich kleinteiliger gewesen und hätten sich vor allem gegen die Eliten rund um den russischen Präsidenten Putin gerichtet.

Von: APA/dpa