Karimow regierte Usbekistan seit 1991

Usbekistans Langzeitherrscher Karimow ist tot

Freitag, 02. September 2016 | 19:35 Uhr

Der autoritäre Präsident der zentralasiatischen Ex-Sowjetrepublik Usbekistan, Islam Karimow, ist nach einem Schlaganfall gestorben. Das teilten Regierung und Parlament in Taschkent am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung mit. Die Beisetzung wird demnach am 3. September nach muslimischem Ritus in der Stadt Samarkand stattfinden.

Regierungschef Schawkat Mirsijajew sei beauftragt worden, das Begräbnis zu organisieren, hieß es. Beobachter sehen dies auch als möglichen Hinweis in der Nachfolgerfrage. Einen Nachfolger hat der mit 78 Jahren verstorbene Karimow nicht benannt. Ein Machtvakuum könnte das Land mit 32 Millionen Einwohnern destabilisieren, das im Fadenkreuz militanter Islamisten steht.

Wohl wegen der heiklen Nachfolgefrage wollte die usbekische Regierung Berichte über das Ableben Karimows zunächst nicht bestätigen. Erst am Freitagabend gab es eine Stellungnahme, in der sein Tod offiziell erklärt wurde. Zuvor berichteten bereits Medien und Diplomaten von dem Ableben des Präsidenten.

Umgehend gab es Beileidsbekundungen aus der Region. In Moskau sprach Präsident Wladimir Putin der Senatspräsidentin Nigmatulla Juldaschew, die nach der usbekischen Verfassung Übergangspräsidentin ist, sein Beileid aus. Auch Ex-Sowjetpräsident Michail Gorbatschow kondolierte. Karimow sei ein talentierter Politiker mit starkem Charakter gewesen, sagte der russische Friedensnobelpreisträger der Agentur Interfax zufolge.

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim hatte bereits vor der offiziellen Todesnachricht als erster ausländischer Politiker kondoliert. Die beiden Länder haben enge ethnische, kulturelle und sprachliche Verbindungen. Auch der Präsident Georgiens, Georgi Margwelaschwili, äußerte sein Beileid zum Tode Karimows.

Usbekistan ist ein bedeutender Exporteur von Baumwolle und verfügt zudem über Bodenschätze wie Gold und Erdgas. Karimow führte das Land seit 1989, damals noch als Chef der usbekischen Kommunistischen Partei. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde Karimow 1991 zum Präsidenten der nunmehr unabhängigen Republik Usbekistan gewählt. Westliche Politiker und Menschenrechtsorganisationen hatten ihn wegen seines autoritären Führungsstils kritisiert.

Von: APA/ag.

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