Van der Bellen dankte den heimischen Hilfsorganisationen

Van der Bellen: Bei Krisen oft nur Symptombekämpfung

Montag, 11. Juni 2018 | 19:45 Uhr

Anlässlich des 10-jährigen Bestehens der entwicklungspolitischen Dachorganisation AG Globale Verantwortung hat Bundespräsident Alexander Van der Bellen heimischen Hilfsorganisationen gedankt. “Ich möchte Sie bitten, weiter eine laute Stimme für die Menschlichkeit zu sein”, sagte er am Montagabend in Wien. Für die zahlreichen Krisen brauche es Ursachen-, nicht nur Symptombekämpfung.

Zwar habe man in den vergangenen Jahren “sehr viel” erreicht, so Van der Bellen unter Hinweis auf die Reduktion der Mütter- und Kindersterblichkeit oder Fortschritte beim Kampf gegen Armut. “Aber die Kriege nehmen nicht ab, die internationale Situation ist eher bedrohlicher als noch vor zwei Jahren”, auch der Klimawandel könne wieder Wanderungen auslösen, betonte er. Die politische Antwort sei oft nur Abschottung, bei den meisten Konflikten und Krisen würden so nur Symptome und nicht Ursachen bekämpft.

Scharfe Kritik an der Bundesregierung – vor allem nach der angekündigten Kürzung des Auslandskatastrophenfonds (AKF) – kam von Seiten der NGOs. Werner Kerschbaum, Generalsekretär des Roten Kreuzes, beanstandete, dass die Hilfsorganisationen – gerade im Vorfeld der EU-Ratspräsidentschaft, die Österreich ab 1. Juli übernimmt, kein einziges Mal von der Regierung zu Konsultationen eingeladen worden sei. Zum Motto des EU-Vorsitzes, “Ein Europa, das schützt”, meinte Kerschbaum, dass ihm die Ergänzung um “Ein Europa, das Menschlichkeit schützt” besser gefalle.

Michael Chalupka von der Diakonie Österreich zeigte sich enttäuscht über Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). In seiner Zeit als Außenminister habe Kurz immer beteuert, etwas ändern zu wollen, wenn er nur könnte. “Jetzt ist er Bundeskanzler, diese Ausrede gilt also nicht mehr. Denn jetzt könnte er, wenn er wollte”, betonte Chalupka.

Österreich sei in punkto Entwicklungszusammenarbeit (EZA) nie ein “Global Player” gewesen, in den vergangenen Jahren habe sich die Alpenrepublik aber “weiter politisch und finanziell aus der Staatengemeinschaft zurückgezogen”, meinte die Geschäftsführerin von Licht für die Welt, Johanna Mang.

Bundespräsident Van der Bellen sprach den 35 zur “Globalen Verantwortung” gehörenden Organisationen Mut zu und meinte, dass diese weiterhin aktiv sein müssten, vor allem “in Situationen wo die Angstmacher Überhand nehmen, wo es modern geworden ist, nach Sündenböcken zu suchen, wo Empathie als naives Gutmenschentum diskreditiert wird”.

Von: apa