Mit guter Laune in die nächste Amtszeit

Van der Bellen bleibt Präsident

Montag, 10. Oktober 2022 | 05:11 Uhr

Auch mit bald 79 Jahren muss Alexander Van der Bellen nicht in den Ruhestand. Die Österreicher wählten ihn am Sonntag gegen sechs Herausforderer klar als Bundespräsidenten wieder. Mit 54,6 Prozent der am Sonntag ausgezählten Stimmen erhielt er schon im ersten Durchgang die absolute Mehrheit. Die Briefwahl dürfte ihn noch in Richtung 56 Prozent hieven. Platz zwei ging an den FPÖ-Kandidaten Walter Rosenkranz.

Dieser liegt derzeit bei 19,1 Prozent, wird aber mit der Auszählung der allermeisten Briefwahlstimmen am Montag wohl noch in Richtung 17 bis 18 Prozent zurückfallen. Wegen der hunderttausenden ausstehenden Stimmen ist auch das Duell um Platz drei noch nicht endgültig entschieden. Vorerst liegt Rechtsanwalt Tassilo Wallentin mit 8,4 Prozent noch knapp vor Dominik Wlazny von der Bierpartei, für den zunächst 8,2 Prozent ausgewertet wurden. Hochrechnungen von SORA und ARGE Wahlen erwarten jedoch noch einen Platzwechsel zwischen den beiden. Ex-FPÖ/BZÖ-Politiker Gerald Grosz kam am Wahlabend auf 6,0 Prozent, MFG-Kandidat Michael Brunner auf 2,2 Prozent und Schuhproduzent Heinrich Staudinger erzielte 1,6 Prozent der Stimmen.

Seine Amtsführung werde er nicht groß ändern, beteuerte Van der Bellen in seinen ersten Interviews. Schließlich hätten ihn die Österreicher ja wiedergewählt: “Mein Hauptziel ist, verlässlich zu sein.” In einer Social Media-Botschaft lud der Bundespräsident alle “konstruktiven Kräfte” ein: “Packen wir’s gemeinsam an, freilich nicht, ohne sich davor bei den Österreichern insgesamt für die Teilnahme und bei seinen Wählern für ihre Stimme zu bedanken. Sein erstes Vorhaben nach dem Wahlsieg: “Ausschlafen”.

Wirklich enttäuscht war man bei der Konkurrenz nicht, hatten doch die Umfragen solch ein Ergebnis erwarten lassen. Rosenkranz, der am Montag wieder in der Volksanwaltschaft seinen Dienst antritt, sah im Gegensatz zur verpassten Stichwahl sein zweites Wahlziel, nämlich Platz zwei, erreicht. Zudem darf er sich am wahrscheinlich zweitbesten Ergebnis eines FP-Kandidaten bei einer Hofburg-Wahl nach jenem von Norbert Hofer vor sechs Jahren erfreuen. Quer durch das Land würdigten freiheitliche Spitzen sein Abschneiden als Achtungserfolg. FPÖ-Chef Herbert Kickl sandte aus, dass das “politische Establishment” an seine Grenzen gekommen sei.

Während sich Kanzler und ÖVP-Obmann Karl Nehammer mit schriftlichen Glückwünschen begnügte, dominierte bei den liberalen und linken Parteien Erleichterung. “Gerade in stürmischen Zeiten ist es wichtig, dass es einen Bundespräsidenten gibt, der Stabilität garantiert”, sagte etwa Grünen-Bundessprecher und Vizekanzler Werner Kogler zum Sieg seines ehemaligen Parteikollegen. Auch SP-Chefin Pamela Rendi-Wagner interpretierte das Ergebnis als “Entscheidung für Stabilität und Kontinuität”. NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger freute sich, dass das Ergebnis so klar war. Sie hatte Van der Bellen sogar bei Auftritten im Wahlkampf unterstützt.

Im Schatten blieben die unabhängigen Kandidaten bzw. Vertreter von nicht im Parlament vertretenen Parteien. Wlazny könnte aber laut Hochrechnungen in Wien Platz zwei hinter Van der Bellen erreichen. Nicht nur deshalb wertete er sein Antreten als “Bereicherung für die Demokratie”. Wallentin fand sein eigenes Abschneiden gar sensationell: “Umgelegt auf eine Nationalratswahl wäre das ein Erdrutschsieg.” Wlazny bleibt in Wien-Simmering Bezirksrat, bezüglich weiterer politischen Ambitionen hielt er sich ebenso bedeckt wie Wallentin.

Grosz hingegen plant aktuell keinen Antritt mit einer Partei bei kommenden Urnengängen. Sein Ergebnis stellt für ihn einen Achtungserfolg dar. Dass es zu keiner Stichwahl kommt, ist für ihn der Wermutstropfen. Staudinger führte sein schwaches Ergebnis auf die geringen budgetären Mittel zurück. Er hofft nun auf die Zivilgesellschaft. Für MFG-Chef Brunner ist zumindest positiv, dass man die eigenen Botschaften unter das Volk bringen habe können. Als Partei will man jedenfalls weiter machen.

Eines ist mit dem heutigen Tag jedenfalls fix: Van der Bellen, seit Jänner 78, ist mit dem Votum der am Tag seiner (Wieder-)Wahl älteste Präsident des Landes. Zu verdanken hat er das unter anderem den Wienern, die ihm mit weit mehr als 60 Prozent im Amt bestätigten. Auch in den drei westlichen Bundesländern reüssierte er überdurchschnittlich.

Auf der anderen Seite hätte es eine Stichwahl gegeben, wenn es nur nach den Kärntnern gegangen wäre. Dort erreichte Van der Bellen bloß 44 Prozent, Rosenkranz vergleichsweise starke 25 Prozent. Auch in der Steiermark war der Freiheitliche stärker als im Bundesschnitt. Schwer tat sich Rosenkranz vor allem im städtischen Bereich.

Von: apa

Kommentare

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25 Kommentare auf "Van der Bellen bleibt Präsident"


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Fantozzi
Fantozzi
Superredner
1 Monat 24 Tage

In die oessis isch net zu helfen…..

Sueddeutsch
Sueddeutsch
Grünschnabel
1 Monat 24 Tage

Mit wiederwahlen tut ihr euch in italien natürlich schwer 😆

Fantozzi
Fantozzi
Superredner
1 Monat 24 Tage

Es deitschen meg lei still sein….a baerbock, an habock….hahaha und die welt locht enk aus

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 23 Tage

@Sueddeutsch man muss vor den Wahlen hier auch immer kurz vor dem Kreuzchenmachen noch nachfragen, ob der- oder diejenige nicht schon im Gefängnis ist.

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
1 Monat 23 Tage

Fan……
Morgens in den Spiegel schauen und dann überlegen wieviel Regierungschefs Italien in den letzten 50 Jahren hatte!
Soviel wie kein anderer Staat in Europa!!
Spricht für die Kompetenz der Wähler

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
1 Monat 23 Tage

@Fantozzi

Bei manchen setzt das Hirn aus bei der Farbe grün!
Schlechter wie Meloni Salvini und Berlusconi können die zwei nicht sein!
Das geht gar nicht!

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 23 Tage

Österreich hat wenigstens jeder Hinsicht seriösen Präsidenten. Dessen Kompetenzen du wahrscheinlich überschätzt. Was uns bald blüht, mit Kompetenzen, ist zum Schämen.

bon jour
bon jour
Universalgelehrter
1 Monat 23 Tage

Baerbock ist allemal besser als alle Kickls und Melonen

Sara Lea
Sara Lea
Tratscher
1 Monat 23 Tage

@Fantozzi, schreiben Sie bitte keinen Schwachsinn. Wir ItalienerInnen sollten nicht die Klappe soweit auf machen, denn kein anderes europäisches Land hatte seit 1946 soviele Regierungen wie wir. Übrigens den Namen Robert Habeck (Nomen = Substantiv) kann man nicht in einem Dialekt übernehmen. Die dt. Sprache, Grammatik und Interpunktion werden Sie wohl in der Schule gelernt haben. 🤷‍♂️

Dagobert
Dagobert
Kinig
1 Monat 23 Tage

@Fantozzi
Na du Komiker, still miessn mir sein, selle Politiker wos de Bananenrepublick de letztn Johrzehnte hervorgebrocht hot isch jo lei zum schamen!

Summer
Summer
Superredner
1 Monat 23 Tage

Bon jour
Wenn ich ausschließlich die Wahl hätte zwischen Meloni und Bärbock, dann würde ich die Wahl grundsätzlich wegen der mangelhaften demokratischen Grundausrichtung einer solchen Wahl anzweifeln, denn wenn nur Links- oder Rechtsfaschisten zur Wahl stünden, dann kann mir eine solche Scheinwahl gestohlen bleiben, denn der verfassungsmäßige Bogen kennt mehr als nur zwei Extreme: nämlich ein breites Band der Auswahl dazwischen.

Nichname
Nichname
Superredner
1 Monat 24 Tage

Van der Bellen ist ein ausgezeichneter Bundespräsident und ein Glücksfall für Österreich.

pingoballino1955
pingoballino1955
Superredner
1 Monat 22 Tage

Congratulations!!!

So ist das
1 Monat 24 Tage

Was soll man da sagen, ausser, Zähne zusammenbeißen 😂😂😂

raunzer
raunzer
Superredner
1 Monat 24 Tage

Zum Schatten spenden reichts gerade noch.

thomas
thomas
Kinig
1 Monat 24 Tage

ein sehr guter Bundespräsident!

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
1 Monat 23 Tage

                                              
Österreich hat klug gewählt!
Herzlichen Glückwunsch
Van der Bellen.

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 24 Tage

Alles andere hätte mich jetzt auch überrascht. Aber dass er sogar mehr als 50% kriegt … nicht schlecht.

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
1 Monat 23 Tage

Gut, dass besonnene Menschen im Zeitalter der Hetzer und Spalter das Vertrauen der Bevölkerung finden.

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 23 Tage

mir ist Der sowas von unsympathisch.

Mico
Mico
Superredner
1 Monat 23 Tage

und bitte jetzt nicht jammern liebe Österreicher…. ihr habt so gewählt….

hundeseele
hundeseele
Universalgelehrter
1 Monat 23 Tage

Ein riesen Schaden für Österreich und die Österreicher-innen merken nix jammern nur…

Sara Lea
Sara Lea
Tratscher
1 Monat 23 Tage

@Hundeseele, die größten Jammerlappen sind und bleiben sehr viele Deutsche.

Dagobert
Dagobert
Kinig
1 Monat 23 Tage

hundeseele
Donn moch moll an Blick noch Roma! Konnsch du no errinnern, dass der Mattarella gezwungen isch gwordn weiterzumochn, weil onscheinend kon vertrauenswürdiger NichfolgerIn zu findn isch! ☝️

Madriana
Madriana
Grünschnabel
1 Monat 23 Tage

Woher wissen mir eigentlich, dass dei a wirklich gewählt worten sein , man sieg jo nirgends inne ! Wos do gebackelt werd

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