Europa sollte gemeinsame Interessen weltpolitisch wahrnehmen

Van der Bellen sieht Friedensprojekt Europa in Gefahr

Sonntag, 07. April 2019 | 08:40 Uhr

Bundespräsident Alexander Van der Bellen sieht das Friedensprojekt Europa in Gefahr. Immer öfter müssten vor allem sozial Schwache als Sündenböcke herhalten, es werde mit Angst-besetzten Bildern und Begriffen hantiert und Europa drohe wieder, in kleinkrämerischem Nationalismus zu versinken, berichtete Kathpress am Wochenende.

Das eigentliche Ziel Europas und der Europäischen Union, ein gutes Leben für alle, auch die künftige Generation, zu ermöglichen, gerate dabei immer mehr aus dem Blick. Van der Bellen eröffnete mit seinem Vortrag am Freitagabend die 10. Frühjahrsakademie im Stift Vorau, die noch bis Samstag andauerte und in deren Rahmen internationale Experten danach fragten, wohin die Gesellschaft aktuell geht.

Die größte Herausforderung, der sich die Menschheit im Moment gegenübersieht, ist für Van der Bellen der Klimawandel. “Wir wissen das alle, aber es passiert zu wenig. Reden sind genug gehalten, es braucht jetzt endlich Taten gegen den Klimanotstand. Gefordert sind alle, die Bevölkerung, die Staaten.” Europa müsse sich zum Ziel setzen, weltweiter Innovationsführer bei Klimaschutz-Technologien, globaler Treiber beim notwendigen Ausstieg aus dem fossilen Zeitalter und damit der Vorreiter für ein nachhaltiges Zeitalter zu werden.

Lobend erwähnte er in diesem Zusammenhang die Aktion “Fridays for Future”, eine mittlerweile internationale Bewegung, die rund um die schwedische Schülerin und Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg entstanden ist. Der Bundespräsident zeigte sich zutiefst beeindruckt von den mittlerweile Millionen jungen Menschen weltweit, die fast wöchentlich für den Kampf gegen die Klimakatastrophe auf die Straße gehen.

Endlich angehen müsse die EU auch den Umgang mit digitalem Kapitalismus und der Technologisierung in vielen Bereichen. “Wir müssen in Europa die Richtung der Entwicklung der Digitalisierung und bei künstlicher Intelligenz mitbestimmen. Wir dürfen sie nicht anderen überlassen”, ist Van der Bellen überzeugt. Besorgt zeigte er sich etwa über eine zunehmende Technologisierung, die den Mensch als Arbeitskraft immer mehr verdränge.

An die Verantwortungsträger auf Europa-Ebene appellierte er: “Wir in Europa müssen alles tun, damit unsere Grundwerte Demokratie, Recht auf Privatsphäre und soziales Miteinander den Weg bestimmen, nicht nur das technisch mögliche.” Eine engere Zusammenarbeit zwischen den EU-Staaten brauche es auch, um mit Wirtschaftsmächten wie Russland, China oder den USA mithalten zu können.

Konkret sprach Van der Bellen etwa von einer gemeinsamen EU-Außenpolitik oder europäischen Institutionen, die in der Lage seien, gemeinsame Interessen weltpolitisch wahrzunehmen. In einigen Ländern der Union breite sich allerdings wieder ein Nationalismus aus; doch die Nationalstaaten alleine, selbst Deutschland, seien weltpolitisch zu klein, um die Herausforderungen gegenüber den USA, China oder Russland bewältigen zu können. Einen dem Brexit ähnlichen Öxit befürchtet er deshalb nicht, denn das britische Chaos sei abschreckend genug.

Die Tagung im Stift Vorau dauerte noch bis Samstagabend an. Neben dem Bundespräsidenten sprachen bei der Akademie unter dem Motto “Wohin steuert unsere Gesellschaft?” u.a. auch Christian Ekhart, Consultant mit Schwerpunkt Healthcare und Public Safety und die Chefreporterin im Politik-Ressort der Kleinen Zeitung, Claudia Gigler. Organisiert wird die Tagung jedes Jahr vom Verein “Frühjahrsakademie Stift Vorau”. Ziel der Tagung ist es, die politische, kulturelle, philosophische und religiöse Bildung Erwachsener und Jugendlicher zu fördern und kulturelle Lernprozesse zu initiieren.

Von: apa

Kommentare

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9 Kommentare auf "Van der Bellen sieht Friedensprojekt Europa in Gefahr"


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65xzensiert
65xzensiert
Grünschnabel
15 Tage 7 h

Die EU hat es geschafft, dass sich die Völker feindlich gesinnt sind. Sie werden gegeneinander aufgestachelt und es wird gehetzt, besonders gegen jene, die der EU- Agenda nicht folgen. 

Friedensgarant ist die NATO und nicht die EU. 

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Tratscher
15 Tage 3 h

Friedensgarand wäre ein Demokratisches Europa nicht eines von Lobbyismus Regiertes, Ausbeutung des Volkes

AlfonsHatler
AlfonsHatler
Grünschnabel
14 Tage 19 h

Friedensgarant ist die NATO und nicht die EU?

Dieselbe Nato, die uns Krieg in der Ukraine, in Lybien, Syrien usw. bringt?

m69
m69
Kinig
5 Tage 8 h

65xzensiert @

Der 2. Absatz ist schwachsinn, seit 1950 ist die Nato die stets Länder Angreift um den USA einen Vorteil zu verschaffen!

Costa
Costa
Grünschnabel
15 Tage 5 h

“Ein gutes Leben für alle” fasst das Ziel der Europäischen Union schön zusammen. Damit dies weiterhin möglich ist braucht es weitsichtige, offene, innovative Planung der Verantwortlichen und Konsens die notwendigen Massnahmen umzusetzen. So entsteht eine Agenda.
Danach auf die böse EU zu schimpfen, weil auf nationaler Ebene dadurch nicht kurzfristiger Konsens erzielt wird ist billig, zur Zeit aber groß in Mode.

selwol
selwol
Grünschnabel
14 Tage 22 h

@Costa
Du hast aber nicht vergessen,dass Brüssel ein Tummelplatz für Lobbyisten der Grosskonzerne ist.Der einzige der in Brüssel keine Lobby hat ist der kleine Mann.
Bezüglich Frieden,war der Angriff auf Jugoslawien und auf Libyen auch Frieden?

Costa
Costa
Grünschnabel
14 Tage 17 h

@selwol
Du hast aber nicht vergessen, dass die Millionen Euro, die auch in Südtirol für EU Projekte ausgeschüttet wurden, nicht den Lobbyisten von Großkonzernen zu verdanken sind, sondern den Lobbyisten des “kleinen Mannes “, die durch Wahlen nach Brüssel geschickt werden.

typisch
typisch
Kinig
15 Tage 22 Min

Hat es davor keinen frieden gegeben?

Spitzpassauf
Spitzpassauf
Superredner
14 Tage 20 h

Seit Merkels „alternativlosen“ Entscheidungen in Griechenland und ihr alleingang 2015 hat Europa gespalten.

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