Nicolas Maduro hofft auf Wiederwahl

Venezolaner wählen inmitten der Krise neuen Präsidenten

Sonntag, 20. Mai 2018 | 17:20 Uhr

Überschattet von einer schweren Wirtschaftskrise und Boykott-Aufrufen der Opposition hat in Venezuela am Sonntag die vorgezogene Präsidentschaftswahl begonnen. Die Wahllokale öffneten um 12.00 Uhr (MESZ/06.00 Uhr Ortszeit) und sollten zwölf Stunden geöffnet bleiben. Der sozialistische Amtsinhaber Nicolas Maduro hofft trotz aller Proteste auf seine Wiederwahl für eine zweite sechsjährige Amtszeit.

Die Wahl begann wie erwartet schleppend. In den ersten Stunden der Abstimmung zeichnete sich am Sonntag landesweit nach Einschätzung von Beobachtern eine nur geringe Beteiligung ab. Sollte der Trend anhalten, würde dies Maduro helfen, der seine Anhänger zur Teilnahme mobilisiert hat, während maßgebliche Teile der Opposition zu einem Wahlboykott aufgerufen haben. Ergebnisse werden am späten Abend (Ortszeit) erwartet.

Maduros verbliebener Hauptrivale, der frühere Gouverneur Henri Falcon, versuchte noch Sonntagfrüh, seine Anhänger zu mobilisieren. “Der Tag ist gekommen, Geschichte zu schreiben und Venezuela zu retten”, twitterte er. Maduro seinerseits beschuldigte die internationale Staatengemeinschaft bei der Stimmabgabe, eine “aggressive Kampagne” gegen sein Land zu führen. Für die wirtschaftliche Misere in Venezuela machte er die Opposition verantwortlich.

Einige Oppositionsgruppen planten für den Wahltag Protestveranstaltungen, um für einen Boykott der Wahl zu werben. Die Regierung hat indes ein massives Aufgebot von 300.000 Soldaten und Polizisten abgestellt, um die Wahllokale zu sichern.

Die USA hatten am Freitag den Druck auf Venezuela erhöht. Sie brachten Maduro erstmals öffentlich in Zusammenhang mit Drogenhandel und warfen ihm vor, vom Drogenschmuggel zu profitieren. Die Regierung in Washington verhängte Sanktionen gegen die Nummer zwei in Maduros Sozialistischer Partei, Diosdado Cabello. Die USA hatten Maduro bereits mit Sanktionen wegen Verstoßes gegen die Menschenrechte belegt und machen ihn verantwortlich für die Krise in Wirtschaft und Politik des ölreichen Landes.

Maduro dürfte bei der Wahl für sechs Jahre als Staatschef bestätigt werden, nachdem den zwei beliebtesten Gegenkandidaten die Teilnahme verboten wurde. Die Europäische Union, die USA und mehrere lateinamerikanische Staaten haben die Abstimmung kritisiert.

In Meinungsumfragen liegt Maduro zwar mit Zustimmungsraten um die 20 Prozent hinter seinem Herausforderer Falcon, der 30 Prozent erreicht. Aber die erwartete niedrige Wahlbeteiligung spielt Maduro in die Hände; er dürfte sich gegen Falcon durchsetzen, obwohl 75 Prozent der Venezolaner die Amtsführung des Präsidenten ablehnen. Einem weiteren Kandidaten, dem evangelikalen Politiker Javier Bertucci, wurden 14 Prozent der Stimmen zugetraut.

Von: APA/dpa

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