Abgeordnete stimmten einstimmig für die 224 Artikel

Verfassungsreform in Kuba: Privatbesitz und Ehe für alle

Montag, 23. Juli 2018 | 18:46 Uhr

Das Parlament in Kuba hat eine Verfassungsreform verabschiedet, die nun noch vom Volk abgesegnet werden muss. Laut dem am Sonntag (Ortszeit) in der Hauptstadt Havanna angenommenen Entwurf verschwindet erstmals der Begriff Kommunismus aus der Verfassung. Die Kommunistische Partei Kubas bleibt demnach aber die einzige legale Partei des sozialistischen Karibikstaats.

Zudem sollen gleichgeschlechtliche Ehen sowie privater Besitz anerkannt werden. Die Losung, dass alle Arbeit dem “Fortschritt der kommunistischen Gesellschaft” gelte, wurde im Entwurf der neuen Verfassung gestrichen. “Das heißt nicht, dass wir von unseren Ideen absehen”, sagte der Präsident der Nationalversammlung, Esteban Lazo.

Die Vision sehe ein sozialistisches, souveränes, unabhängiges, wohlhabendes und nachhaltiges Kuba vor, so Lazo. Dem neuen Ansatz stimmten auch Präsident Miguel Diaz-Canel und der frühere Präsident Raul Castro zu, wie die Parteizeitung “Granma” berichtete.

Die neuen Paragrafen nennen zudem erstmals den Begriff des privaten Besitzes und erkennen ausländische Investitionen als wichtigen Faktor des Wirtschaftswachstums an. Künftige Präsidenten sollen höchstens zehn Jahre im Amt bleiben dürfen.

Außerdem soll der “Präsident der Republik” künftig ein eigenes Amt und nicht wie bisher der Vorsitzende des Staatsrats sein. Zudem soll es erstmals seit 1976 wieder einen Premierminister geben.

Die Ehe wird als “freiwillige Verbindung zwischen zwei Personen” definiert, was den Weg für die Eheschließung zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern freimacht. Angetrieben wurde die Ehe für alle vor allem von der Abgeordneten Mariela Castro, Tochter von Raul Castro.

Der neue Text solle sich an die wirtschaftliche, soziale und politische Realität in Kuba und der internationalen Gemeinschaft anpassen, sagte Staatsratssekretär Homero Acosta, enger Vertrauter von Raul Castro und Architekt der Reform.

Die Kubaner können ab dem 13. August bis Mitte November öffentlich in Foren über den Entwurf diskutieren. Der Tag, an dem die Debatte eröffnet wird, wurde symbolisch gewählt – es ist der Geburtstag von Revolutionär Fidel Castro. Präsident Diaz-Canel rief dazu auf, zahlreich an der Diskussion teilzunehmen. Die Menschen sollten offen ihre Meinung sagen, damit der Text der Verfassung das Heute und die Zukunft Kubas widerspiegle, so der Präsident.

Von: APA/ag.