Österreich unterstützt Hilfe in Bosnien mit 1 Mio. Euro - Widerstand aus Politik und Bevölkerung

Verlegung von obdachlosen Flüchtlingen in Bosnien ungewiss

Mittwoch, 30. Dezember 2020 | 22:53 Uhr

Die ursprünglich geplante Verlegung von rund 900 obdachlosen Flüchtlingen aus dem Nordwesten Bosniens in ein Ersatzquartier im Landesinneren wird immer ungewisser. Nach Protesten von Politikern und Bewohnern der Gemeinde Konjic, 45 Kilometer südwestlich von Sarajevo, wurde die Abreise der Migranten vom geräumten und abgebrannten Lager Lipa bei Bihac gestoppt. Österreich will unterdessen eine Million Euro für die Betreuung der Geflüchteten vor Ort zur Verfügung stellen.

Die Busse, die die Menschen am Dienstag nach Konjic hätten bringen sollen, fuhren am Mittwochnachmittag unverrichteter Dinge wieder ab, wie das bosnische Nachrichtenportal “klix.ba” berichtete. Die Migranten blieben in Lipa unter freiem Himmel und sich selbst überlassen zurück. Die Nacht zuvor hatten sie in den Bussen verbracht, die wegen der Proteste in Konjic nicht abfuhren. Die bosnische Regierung teilte ihnen dort eine ehemalige Armeekaserne im Ortsteil Bradina als neue Unterkunft zu.

Wie das regionale Internetportal TV “N1” berichtete, blockierten Einheimische aus Bradina die Kaserne. Auch lokale Politiker hätten sich gegen die Entscheidung, die Migranten in der Einrichtung der Armee unterzubringen, gestellt. Dies entspreche nicht der üblichen Vorgehensweise und sei in keiner Art und Weise mit den lokalen Behörden abgesprochen worden, wurde aus einem Statement der Regierung des Kantons Herzegowina-Neretva, in dem Bradina liegt, zitiert.

Internationale Hilfsorganisationen wie die Internationale Organisation für Migration (IOM), das UNO-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR, “Save the Children” und Médecins du Monde appellierten an die bosnischen Behörden, eine rasche Lösung für die Asylsuchenden zu finden.

Unterdessen will Österreich eine Million Euro für die Betreuung der Geflüchteten in Bosnien-Herzegowina zur Verfügung stellen. Wie das Außenministerium am Mittwoch mitteilte, soll die Hilfe vor allem für die Betreuung von “Frauen, Kindern und unbegleiteten Minderjährigen” aufgewendet werden. Der Beitrag soll “in den nächsten Tagen zur Verfügung stehen”, hieß es. “Die Situation hat sich in den letzten Wochen extrem zugespitzt. Auch aufgrund der winterlichen Verhältnisse wollen wir hier schnell unseren Beitrag zur Verbesserung der Lebensumstände leisten”, zitierte die Mitteilung Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP).

Das Camp Lipa liegt in einem unwirtlichen Gelände 25 Kilometer südöstlich von Bihac und wurde im April errichtet, nachdem das Flüchtlingslager Bira am Stadtrand der nächstgrößeren Stadt Bihac aufgrund des Widerstandes der Bevölkerung geschlossen wurde. Vergangene Woche musste die IOM das Camp in Lipa jedoch schließen, da es trotz Versprechungen der Regierung nie an das zentrale Wasser- und Stromnetz angeschlossen wurde und somit nicht wintertauglich war.

Viele der bis dahin rund 1.300 Camp-Bewohner machten sich daraufhin auf in Richtung Serbien, rund 900 harrten bei winterlichen Verhältnissen und notdürftiger Versorgung durch Hilfsorganisationen in Lipa aus. Einige der jungen Männer hatten bei der Räumung aus Wut Zelte und Container in Brand gesetzt.

Während sich auf den griechischen Inseln viele Flüchtlingsfamilien mit Kindern aufhalten, handelt es sich bei den Schutzsuchenden in Bosnien zum überwiegenden Teil um alleinstehende Männer. Knapp 30 Prozent stammen aus Afghanistan, rund 23 Prozent aus Pakistan, 19 Prozent aus Bangladesch und neun Prozent aus Marokko.

Die Caritas sprach angesichts der Situation in Bosnien von einem “Flüchtlingsdrama vor der Haustüre” und startete Notverteilungen von Bekleidung, Winterschuhen und Schlafsäcken. Über eine spontane Spendenaktion auf Facebook wurden bereits über 100.000 Euro für die Caritas Nothilfe am Balkan gespendet, teilte die Caritas Österreich in einer Aussendung mit. Weitere Spenden würden dringend benötigt. Etwa 3.000 Geflüchtete im nordwestlich gelegenen Kanton Una-Sana hätten kein Dach über den Kopf, lebten in Wäldern und müssten selbst bei Schnee im Freien übernachten, das sei “beschämend”, sagte der Caritas-Direktor von Banja Luka, Miljenko Aničić.

Andreas Knapp, Auslandshilfe-Generalsekretär der Caritas Österreich, zeigte sich besorgt: “Wir erleben alles andere als eine Sternstunde der Europäischen Union. Kleine Kinder, die auf Samos von Ratten gebissen werden. Familien, die auf Lesbos im Dreck leben müssen. Menschen, denen in den Wäldern Bosniens der Kältetod droht. Die Situation ist dramatisch und die internationale Staatengemeinschaft sowie die EU sind hier gefordert, denn es muss unter allen Umständen verhindert werden, dass hier Menschen unversorgt bleiben.” Rasche Hilfe sei erforderlich, sonst würden Menschen erfrieren.

Ähnlich hatte sich Michael Opriesnig, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes, zuvor im APA-Gespräch geäußert. “Es ist ein Trauerspiel, zu sehen, wie man mit den Menschen umgeht”, sagte er zur Situation in Bosnien. Er forderte – auch mit Blick auf die Lage auf den griechischen Inseln – eine gesamteuropäische, nachhaltige Lösung, um dem “unwürdigen Schauspiel” in ganz Europa ein Ende zu setzen.

In Bosnien-Herzegowina wurden im heurigen Jahr rund 16.000 Migranten registriert. Nur ein Bruchteil von ihnen wollte aber im Land bleiben, die allermeisten wollten weiter Richtung EU.

Von: APA/dpa

Kommentare

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20 Kommentare auf "Verlegung von obdachlosen Flüchtlingen in Bosnien ungewiss"


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Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
16 Tage 5 h

EU-Zweibeiner verweigern anderen Zweibeinern eine artgerechte Unterbringung. Es gibt so Momente, da könnte man beim Wort “Humanismus” kotzen.

Kingu
Kingu
Grünschnabel
15 Tage 22 h
Was heißt hier bitte verweigert, ich möchte hier gar nicht erst aus einer Österreichischen Zeitung einen Flüchtling zitieren, der meinte in Bosnien sei es halt nicht das Wahre. Kann ich schon verstehen, wenn man aus so einer weltoffenen, hoch industrialisierten Nation wie Syrien oder Afghanistan kommt, dass man nicht gerne in so “einen” Land wie Bosnien bleiben will und lieber nach Deutschland will. Merkel sagte, die Deutschen schaffen das, sollen diese alle EU-Flüchtlinge aufnehmen. Solidarität endet, wenn man durch sichere Staaten Massenwanderungen organisiert, Tunesien, Marokko und Türkei sind nämlich keine Kriegsgebiete und lybische Bürger suche ebenfalls kein Asyl, die meisten… Weiterlesen »
Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
15 Tage 20 h

@Kingu
Nicht immer wenn es kracht und donnert in der Nacht, hat das Merkel und Deutschland gemacht.
Bosnien (wie auch Griechenland, Türkei) erhielt reichlich EU-Gelder, um die berechtigten Flüchtenden zu identifizieren. Für Verwaltungsakt, -personal und menschenwürdigen Aufenthalt. Aber der alte Moslem-Christen-Konflikt verhindert, dass die überwiegend moslemischen Flüchtenden in den christlich dominierten Kantonen aufgenommen werden.

DontbealooserbeaSchmuser
15 Tage 7 h

@Hstinettenbaer natürlich werter Herr, hier habe ich Ihren Mantel und wir gehen jetzt wieder zu den weichen Wänden

Ars Vivendi
15 Tage 5 h

@Kingu..👍 als das “gelobte Land” habe ich ein Anderes in Erinnerung….

Targa
Targa
Superredner
15 Tage 4 h
@Hustinettenbaer Ich kenne mich ein wenig in Bosnien aus und habe zufällig Freunde in Bihac! Die Einheimischen sind größtenteils selbst Muslime und haben von den Flüchtlingen zum großen Teil Angst. Die Stadt Bihac und Umgebung ist seit die Flüchtlinge gekommen sind nicht mehr sicher. Nachts geht Keiner mehr gerne aus dem Haus und es wurden schon mehrere Frauen von den Flüchtlingen vergewaltigt. Verlassene Häuser, es gibt Viele davon, weil viele Bosnier im Ausland arbeiten werden teils von den Flüchtlingen ungefragt in Beschlag genommen. Unverständlich, dass Deutschland diese Armen Menschen nicht endlich Asyl gewährt, da das eigentliche Ziel der Flüchtlinge DEUTSCHLAND… Weiterlesen »
Missx
Missx
Kinig
15 Tage 3 h

@schmuser
Den Witz muss ich mir merken 😂😂😂

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
15 Tage 2 h

@Targa
Danke für die Info aus erster Hand.
Asyl erhalten Wirtschaftsflüchtende in D nicht. Diese Information wird, so las ich mal, in Medien der Flüchtlingsländer verbreitet. Scheint noch nicht ausreichend zu sein.
Die aktuellen Zustände der Flüchtenden und Einheimischen können so nicht bleiben. Das EU-Geld muss endlich für Verwaltungspersonal-, akte – Abschiebung oder Asyl – und bis zur Entscheidung ordentliche Unterkünfte verwendet werden. Keine Ahnung, wer vor Ort mit Geld, Flüchtenden und Einheimischen seine politischen Spielchen treibt.

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
15 Tage 2 h

@DontbealooserbeaSchmuser
Welcher Dichter dichtet denn da nicht ganz dicht ?

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
14 Tage 6 h

@Targa
Und die von Ihnen genannten Untaten sollen sid dann in Deutschland verüben?

DontbealooserbeaSchmuser
13 Tage 16 h

@Missx ❤️

maikaefer8
maikaefer8
Tratscher
15 Tage 9 h

Warum wird hier von Flüchtlingen gesprochen??
Im besten Fall kann man von Arbeitsssuchenden sprechen.
Keiner von denen will Asy in Bosnien das absolut sicher ist und der Weg in die Heimat steht Ihnen jederzeit offen.

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
15 Tage 7 h

@Maikaefer
So ist es.

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
15 Tage 7 h
Eins stimmt, das Andere nicht: “Die meisten Migrantinnen und Migranten wollen nur in den Kanton Una-Sana, weil sie von dort aus zum sogenannten „Game“ aufbrechen. Dabei handelt es sich um den Versuch, die stark gesicherte Grenze nach Kroatien zu überqueren und damit in die EU zu gelangen. Viele von ihnen tauchen dann in Italien unter. Nur die allerwenigsten dieser Menschen haben eine Chance auf politisches Asyl. Viele werden unter großem Druck der Familien, nach Europa geschickt, um Geld zu verdienen. Die Reise nach Europa wird häufig von Familien oder gar Dorfgemeinschaften finanziert. Eine Rückkehr nach Hause ist Scham-beladen, weil sie… Weiterlesen »
Neumi
Neumi
Kinig
15 Tage 5 h

@ Hustinettenbaer jetzt komm doch nicht einfach so ohne Vorwarnung mit Fakten oder Details. Er ist am Wettern.

Ars Vivendi
15 Tage 5 h

@maikaefer8…stimmt, und wenn es in Bosnien Arbeit geben würde, wäre die lange nicht so gut bezahlt, wie es die Schlepper den “Wandernden” blumig versprochen haben. Bzw. im Land, wo angeblich Milch und Honig fließen, ist die staatliche Unterstützung allein für das “anwesend sein” höher, als an einem Arbeitsplatz in Bosnien ua. !!!

Reitiatz
Reitiatz
Universalgelehrter
15 Tage 21 h

die hilfe heart auf souboll man merkt das man lei mea ausgnutzt weart und ounpassn tean sich die meistn neuankömmlinge leider a nit 🤷🏻‍♂️

Peerion
Peerion
Grünschnabel
14 Tage 2 h

Diesen angeblichen “Flüchtlingen”, die eine dauerhafte Bleibeperspektive in den Sozialsystemen der präferierten Zielländer in Europa anstreben, sollte eine Aufnahme in Europa, mit welchen Mitteln auch immer, nicht gewährt werden.

gustav
gustav
Neuling
14 Tage 1 h

bitte alle direkt , ohne umwege , nach deutschland.
mutti will sie alle und ” wir schaffen das ” 

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
13 Tage 7 h

@Gustav
Sie schreiben bodenlosen Unsinn!

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