Supermarktbesuch auf Regierungsgeheiß nur mehr mit Schutzmaske

Verschärfte Maßnahmen vor 10.000. Corona-Fall in Österreich

Montag, 30. März 2020 | 21:02 Uhr

Zwei Wochen nach dem Inkrafttreten der Maßnahmen gegen das Coronavirus hat die Regierung am Montag eine Verschärfung dieser angekündigt: Bald müssen beim Supermarkt-Einkauf Masken getragen werden und auch der Schutz gefährdeter Personen in der Arbeitswelt wird ausgeweitet. 2.000 Stichproben-Tests sind ebenfalls geplant. Bis heute, 15.00 Uhr, gab es 9.377 bestätigte Infizierte und über 100 Tote.

Um 20.00 Uhr waren es dann 9.597 Fälle, die ersten 10.000 werden bald erreicht sein. Für einen besseren Überblick über die Infektionszahlen in der Gesamtbevölkerung sollen die 2.000 Testungen vorgenommen werden, Ende der Woche soll das Ergebnis vorliegen. “Es ist die Ruhe vor dem Sturm”, warnte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) – Österreich sei hinter anderen Staaten nur zeitlich hinterher. “Deswegen legen wir nach, und es kann nicht nach Ostern lockerer werden”, ergänzte Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) die Motive für die Verschärfungen. Kanzler Kurz betonte zudem, dass zunächst der Handel, dann erst Schulen und Universitäten aufgesperrt würden.

Vor der Eintrittserlaubnis in Supermärkte soll bald ein Mund-Nasen-Schutz (MNS) an Kunden ausgeteilt werden, hieß es bei der Pressekonferenz der Regierungsspitze. Vielleicht schon ab Mittwoch sind genug Masken dafür vorhanden, man dürfe aber auch selber eine solche herstellen.

Lebensmittelhandel und Branchenvertreter kritisierten die Schutzmaskenpflicht für Einkäufe im Supermarkt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht indes keinen Nutzen im allgemeinen Mundschutztragen. WHO-Nothilfedirektor Michael Ryan sprach von zusätzlichen Risiken, wenn Menschen die Masken falsch abnehmen und sich dabei womöglich infizieren. Ab Mittwoch werden jedenfalls alle Polizisten in Österreich mit MNS-Masken im Außendienst tätig sein.

Die weiteren Verschärfungen der Regierungen betreffen Risikogruppen – also Menschen mit Vorerkrankungen oder Personen über 70 Jahre. Sie sollen nun Home Office nützen. Ist dies nicht möglich, werden sie verpflichtend freigestellt. Alle Hotels, Pensionen und sonstige Quartiere für “touristische Zwecke” müssen schließen. Der Start dieser Maßnahme war ebenso noch unklar wie Details zu den weiteren bekannt gegebenen Plänen der Regierung.

Der Expertenbeirat der Regierung hatte zuvor eher düstere Prognosen erstellt. In einem Montagfrüh bekannt gewordenem Papier heißt es, dass unter der realistischen Annahme eines Replikationsfaktors von 1,7 – also eine Person steckt 1,7 Menschen an – das Gesundheitssystem Mitte April zusammenbrechen werde.

Die Zahl derer, die durch das Coronavirus oder “mit dem Virus” an einer potenziell anderen Todesursache verstorben sind, stieg am Montag auf mehr als 100. Bis 9.30 Uhr wurden 108 Verstorbene gemeldet, 22 mehr als 24 Stunden zuvor. 999 Infizierte wurden in Spitälern behandelt, 193 davon auf Intensivstationen (ebenfalls Stand 9.30 Uhr). 636 Personen galten als wieder genesen, seit Beginn des Übergreifens der Pandemie auf Österreich wurden hierzulande 49.455 Tests durchgeführt.

9.377 nachweislich an Covid-19 Erkrankte führte das Gesundheitsministerium um 15.00 Uhr auf. Das waren im 24-Stunden-Vergleich 564 Fälle bzw. 9,9 Prozent mehr und damit erstmals seit Freitag eine Steigerung des prozentuellen Anstiegs. Für Tirol wurden 2.205 Infizierte ausgewiesen, für Oberösterreich 1.535 und für Niederösterreich 1.533. Wien hielt bei 1.235 Fällen.

Mehr als 10.000 Anzeigen wegen Verstößen gegen das Anti-Corona-Maßnahmenpaket sind bisher bundesweit ergangen. Eine von vielen Seiten befürchtete Zunahme der häuslichen Gewalt wurde dagegen vorerst nicht registriert. Frauenhäuser und die Frauen-Helpline 0800-222-555 verzeichneten jedoch vermehrt telefonische Anfragen und Beratungen.

Für einen Nachschub an Masken wurde heute gesorgt: Austrian Airlines haben am Montag mit zwei zu Frachtflugzeugen umfunktionierten Boeing 777 weitere 30 Tonnen Schutzausrüstung aus China nach Österreich geflogen. Es handelte sich laut AUA-Sprecher Peter Thier um knapp zwölf Tonnen Masken und knapp 18 Tonnen Mäntel.

Weltweit sind durch neuartige Coronavirus bereits mehr als 35.000 Menschen ums Leben gekommen. Bis Montagabend wurden 35.905 Todesopfer der Pandemie registriert, wie die Nachrichtenagentur AFP auf Grundlage von Behördenangaben errechnete. Mit 26.076 Todesopfern ist Europa der am schwersten betroffene Kontinent.

Die weltweite Rangfolge der Corona-Toten führt Italien mit 11.591 Fällen an, gefolgt von Spanien mit 7.340 Todesopfern. In China, wo das neuartige Coronavirus im Dezember zum ersten Mal bei Menschen festgestellt worden war, starben nach Behördenangaben 3.304 Infizierte. In Deutschland registrierte das Robert-Koch-Institut bis Montag 57.298 Infizierte und 455 Todesopfer.

Das neuartige Coronavirus hat sich mittlerweile in mehr als 180 Länder und Gebiete ausgebreitet. Mehr als 740.000 Infektionen weltweit wurden offiziell nachgewiesen, davon 408.203 in Europa, knapp 150.000 in den USA und Kanada sowie 106.609 Infektionen in Asien. In Nordamerika starben nach offiziellen Angaben bisher 2.635 Infizierte, in Asien insgesamt 3.827.

Diese Zahlen geben allerdings nicht das wirkliche Ausmaß der Pandemie wider, da es einigen Ländern an Testsets fehlt. Außerdem werden oftmals nur Menschen mit starken Symptomen auf das neuartige Coronavirus getestet.

Von: apa