Hitlers Geburtshaus soll keine Pilgerstätte für Neonazis werden können

Verwirrung über Schicksal des Hitler-Geburtshauses

Montag, 17. Oktober 2016 | 22:58 Uhr

Das Schicksal des Geburtshauses Adolf Hitlers in Braunau sorgt für Verwirrung. Laut Online-“Presse” erklärte Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP): “Das Hitler-Haus wird abgerissen.” Er folge damit der Empfehlung der Expertenkommission, so Sobotka. Diese erklärte hingegen, sie empfehle keinen Abriss. Sobotka selbst sprach am Abend lediglich von einer “architektonischen Umgestaltung” des Hauses.

“Die Kellerplatte kann bleiben, aber es wird ein neues Gebäude errichtet”, wurde Sobotka zuvor von der Online-“Presse” zitiert. Dieses soll dann karitativ oder behördlich genutzt werden. Noch gibt es allerdings keinen Enteignungsbeschluss. Er folge damit der Empfehlung der Expertenkommission, die er vor wenigen Tagen erhalten habe, und der er vollinhaltlich zustimme, erklärte Sobotka weiter. Bereits am Dienstag werde er den parlamentarischen Prozess für die Verwirklichung dieses Vorhabens einleiten. Für die im Ministerrat Mitte Juli grundsätzlich abgesegnete Enteignung und Entschädigung der Besitzerin des unter Denkmalschutz stehenden Hauses ist der Beschluss eines Bundesgesetzes erforderlich.

“In der Empfehlung steht nichts von einem Abriss”, entgegnete hingegen der Braunauer Bürgermeister Hannes Waidbacher (ÖVP), Mitglied der Kommission. Tatsächlich empfehle die Kommission “eine tiefgreifende architektonische Umgestaltung”, die den “Wiedererkennungswert und die Symbolkraft des Gebäudes dauerhaft unterbinden” soll, so Waidbauer in den “Oberöstereichischen Nachrichten” (Dienstag-Ausgabe). Auch Cornelia Sulzbacher, die Leiterin des oberösterreichischen Landesarchivs, zeigt sich überrascht von der Abriss-Interpretation des Innenministers: “Wir haben empfohlen, das Geburtshaus in seinem Aussehen so zu verändern, dass es nicht mehr als Symbol verwendet werden kann und zu keiner Pilgerstätte wird.”

Sobotka selbst erklärte am Abend in einer Aussendung, er teile die Ansicht der Kommission, “wonach eine tief greifende architektonische Umgestaltung sinnvoll ist, um sowohl den Wiedererkennungswert als auch die Symbolkraft des Gebäudes dauerhaft zu unterbinden”. Dabei wäre nach Neugestaltung des Gebäudes eine soziale oder behördliche Nutzung denkbar. In jedem Fall solle aber keinerlei Verbindung zur Person Adolf Hitlers bestehen bleiben, da ansonsten der Mythos des Geburtshauses fortgeschrieben werden würde, so Sobotka in der Aussendung.

Die Frage, ob Österreich mit dem Schleifen von Hitlers Geburtshaus in Braunau nicht eine Möglichkeit für das Aufarbeiten der NS-Zeit zunichte mache, beantwortet Sobotka so: “Wir haben eine funktionierende Gedenkkultur beispielsweise im KZ Mauthausen und werden sie auch im Haus der Geschichte in St. Pölten und in Wien haben. Auch die wissenschaftliche Aufarbeitung der NS-Zeit wird weiter gefördert werden.”

Sobotka will nach eigenen Angaben jedenfalls verhindern, dass das Geburtshaus Hitlers zu einer Art “Pilger- und Gedenkstätte” für Neonazis werde. Mitglieder der Expertenkommision waren Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, die Historiker Oliver Rathkolb und Stefan Karner, der frühere Vorsitzende der Historikerkommission, Ex-Verwaltungsgerichtshofpräsident Clemens Jabloner, Zukunftsfonds-Generalsekretär Herwig Hösele sowie Mitglieder des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands, des Innenministeriums, der Landespolizeidirektion Oberösterreich, des Bundesamts für Verfassungsschutz und der Braunauer Bürgermeister Johannes Waidbacher (ÖVP).

Von: apa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz