In Nawa leben noch mindestens 100.000 Menschen

Von Rebellen belagerte syrische Dörfer werden evakuiert

Mittwoch, 18. Juli 2018 | 12:38 Uhr

Im Nordwesten Syriens werden Tausende Menschen aus zwei von Rebellen belagerten regierungstreuen Dörfern in Sicherheit gebracht. Am Mittwoch seien Dutzende Busse und Krankenwagen in den überwiegend von Schiiten bewohnten Ortschaften Al-Foua und Kefraja eingetroffen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur SANA.

Im Gegenzug sollen Oppositionskreisen zufolge Hunderte Gefangene aus staatlichen Gefängnissen freigelassen werden. Im Süden des Bürgerkriegslandes flog die syrische Luftwaffe Anrainern zufolge schwere Angriffe auf die Stadt Nawa in der Provinz Deraa. Die Regierung hat dort eine Offensive zur Vertreibung der dort noch verbliebenen Rebellen gestartet.

Von der Evakuierung der Dörfer im Nordwesten sind nach Angaben einer regionalen regierungstreuen Allianz rund 6.000 Menschen betroffen. Geschlossen wurde die Vereinbarung Oppositionskreisen zufolge am Dienstag zwischen den iranischen Revolutionsgarden und der Rebellenallianz Tahrir al-Sham, die vom früheren syrischen Al-Kaida Ableger angeführt wird. Der Iran unterstützt den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad im Kampf gegen die größtenteils sunnitischen Aufständischen. Ebenfalls in die Gespräche involviert war die Türkei.

Die Verhandlungen stützen sich auf eine Vereinbarung aus dem vergangenen Jahr, die aber bisher nicht umgesetzt wurde. Das soll nun allerdings geschehen, um ein Eingreifen der syrischen Armee und iranisch unterstützter Milizen abzuwenden, wie es in den Oppositionskreisen hieß.

Einwohner der Stadt Nawa im Süden Syriens berichteten am Dienstagabend von massiven Angriffen der Armee. Die Rede war von intensiven Luftangriffen sowie Raketenbeschuss. Ein Einwohner berichtete, in den Straßen lägen zahlreiche Leichen. In Nawa leben noch mindestens 100.000 Menschen. Das dortige Stadtzentrum ist das größte in der Provinz Deraa (Daraa), das sich noch in der Hand von Rebellen befindet. Mit Unterstützung Russlands haben Regierungstruppen vergangenen Monat eine Offensive gegen die Aufständischen in Deraa gestartet. Die Provinz grenzt an die Provinz Quneitra (Kunaitra) nahe den von Israel kontrollierten Golanhöhen.

Die Angriffe auf Nawa erfolgten nur Stunden, nachdem Tausende von Vertriebenen, die an der Grenze zu Israel Zuflucht suchten, in die Stadt zurückgekehrt waren. Nach Auskunft eines weiteren Einwohners wurden sie dazu durch Berichte ermutigt, die Aufständischen hätten mit dem russischen Militär ein Kapitulationsabkommen geschlossen, das die Stadt vor Beschuss verschonen werde.

Von: APA/ag.