War eine „Marinedrohne“ Auslöser der Teileinsturzes? - VIDEO

Was löste die Explosion der Krim-Brücke aus?

Dienstag, 11. Oktober 2022 | 08:05 Uhr

Moskau/Krim/Kiew – Nach der Explosion auf der Krim-Brücke, bei der Teile der Brücke massiv beschädigt wurden und einstürzten, fragen sich weltweit viele Experten, was die Explosion auslöste und vor allem wer hinter dem Angriff auf die Brücke steckt. Als mögliche Ursachen für die Explosion wird neben einem Angriff mit Raketen vor allem ein Anschlag mit einem mit Sprengstoff vollgepackten Sattelschlepper diskutiert. Insgesamt werden viele Theorien genannt, von denen aber die wenigsten glaubwürdig sind.

APA/APA/Satellite image ©2019 Maxar Technologies/HANDOUT

Russland gab überraschend schnell bekannt, dass der Angriff mit einem mit einer großen Sprengstoffladung präparierten Lkw verübt worden war. Der russische Präsident Wladimir Putin beschuldigte die Ukraine, die Brücke in einem „terroristischen Akt“ angegriffen zu haben. Die in den sozialen Medien veröffentlichten Aufnahmen einer Sicherheitskamera zeigen in der Tat einen Lastwagen, der sich zum Zeitpunkt der Explosion über die Brücke bewegte und angeblich aus der russischen Stadt Krasnodar kam, die eine Autostunde von der Brücke entfernt liegt.

Beamte des russischen Geheimdienstes nannten einen 25-jährigen Mann aus Krasnodar, Samir Yusubov, als Eigentümer des Lastwagens, und fügten hinzu, dass sein Onkel Makhir Yusubov am Steuer des mit Sprengstoff vollgepackten Sattelschleppers gewesen sei.

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Auch wenn einige Militärexperten diese These für möglich halten, so wirft die russische Version des Angriffs doch viele Fragen auf. Zugleich weisen dieselben Experten aber darauf hin, dass für einen Raketenangriff sämtliche Anzeichen fehlen. Zudem verfügt die Ukraine zwar über einige Raketen mit der nötigen Reichweite von mehreren Hundert Kilometern, aber ihnen fehlt es bei dieser Entfernung an der erforderlichen Präzision, um die relativ schmale Brücke zu treffen.

Bei näherer Betrachtung des Videos scheint jedoch klar zu sein, dass der vom russischen Geheimdienst genannte Lkw nichts mit der Explosion zu tun hatte. Das Filmmaterial zeigt einen direkt hinter dem Lkw und auch seitlich von ihm ausbrechenden riesigen Feuerball, der gerade in dem Moment erscheint, als der Lastwagen beginnt, einen erhöhten Abschnitt der Brücke zu erklimmen.

Verdächtig schnell ließen russische Quellen verlautbaren, dass der Lkw ursprünglich aus dem Nato-Land Bulgarien gekommen und beim Anschlag Nato-Sprengstoff verwendet worden sei. Das könnte darauf hindeuten, dass der Kreml diese Version eines „terroristischen Akts“ einer noch weit alarmierenderen Anschlagsmöglichkeit vorzog. Angesehene Experten glauben, dass es sich beim Angriff um einen kühnen Sabotageakt der Ukrainer handelte.

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„Ich habe in meinem Leben schon viele Anschläge mit großen fahrzeuggestützten IEDs (Abkürzung für Improvised Explosive Device, englisch für Unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung, Anmerkung der Redaktion) gesehen, aber dies sieht nicht wie einer aus“, erklärt ein ehemaliger Sprengstoffexperte der britischen Armee gegenüber der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt des Vereinigten Königreichs BBC.

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Eine plausiblere Erklärung sei eine gewaltige Explosion unterhalb der Brücke, die wahrscheinlich durch eine Art geheime „Marinedrohne“ ausgelöst wurde. „Brücken sind in der Regel so konstruiert, dass sie nach unten gerichtete Lasten auf die Fahrbahn und ein gewisses Maß an seitlicher Belastung durch den Wind aushalten. Sie sind in der Regel nicht dafür ausgelegt, nach oben gerichtetem starkem Druck standzuhalten. Ich denke, diese Tatsache wurde beim ukrainischen Angriff ausgenutzt“, erläutert der namentlich nicht genannte britische Sprengstoff- und Anschlagsexperte.

Einigen Beobachtern fiel auf, dass in einem der anderen Videos der Sicherheitskameras etwas, das wie die Bugwelle eines kleinen Bootes aussieht, nur Sekundenbruchteile vor der Explosion neben einem der Brückenpfeiler erscheint. Alle Fragen drehen sich darum, um welches Seefahrzeug es sich dabei handeln könnte.

Die wichtigste Frage ist aber, ob die Ukraine überhaupt über Marinedrohnen verfügt, die eine solche Explosion auslösen könnten. Dies ist öffentlich nicht bekannt, aber dass die Ukraine auch Marinedrohnen verwendet, dafür gibt es ein wichtiges Indiz. Am 21. September kursierten in den russischen sozialen Medien Bilder, die ein mysteriöses unbemanntes Boot zeigten, das in der Nähe des russischen Marinestützpunkts von Sewastopol auf der Krim an Land gespült wurde. Es sah aus wie ein großes, schwarzes, abgedecktes Kajak mit Sensoren am Bug und einem weißen, einem Periskop ähnelnden Gerät an der Spitze.

Twitter/Status-6

Lokalen Berichten zufolge wurde das unbemannte Marinefahrzeug – vermutlich eine Marinedrohne – auf das Meer hinausgeschleppt und gesprengt. „Es wurde ein Teil eines unbemannten Fahrzeugs entdeckt. Nach dem Abschluss der Untersuchung wurde dieses Gerät auf See durch eine Explosion zerstört. Es wurde niemand verletzt“, bestätigte der Gouverneur der von Russland kontrollierten Krim-Stadt Sewastopol.

Twitter/Status-6

Es ist nicht das erste Mal, dass Berichte kursieren, wonach die Ukraine Zugang zu solchen geheimen Geräten hat. „Es gibt fundierte Nachrichten, die darauf hindeuten, dass die Ukrainer sowohl über ferngesteuerte Überwachungs- als auch über ferngesteuerte Angriffsfahrzeuge verfügen. An diesem Einsatzkonzept wird bereits seit Jahren gearbeitet“, zitiert die BBC den britischen Sprengstoffexperten.

Twitter/Status-6

Könnte eine größere Ausgabe dieser Marinedrohne hinter dem Anschlag auf die Krim-Brücke stehen? Sollte es der Ukraine auf diese Weise gelungen sein, die Brücke von Kertsch, die Hunderte von Kilometern von dem von der Ukraine kontrollierten Gebiet entfernt liegt, anzugreifen, dann handelt es sich dabei um eine der bisher ehrgeizigsten und kühnsten Operationen Kiews.

Abgesehen von ein paar Gerüchten in der Hauptstadt Kiew bestätigt niemand diese Theorie, aber gar einige Indizien sprechen für diese Annahme. Neben Moskau hätte auch Kiew wenig überraschend alles Interesse, die Wahrheit über den Angriff auf die Brücke nicht der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Von: ka

Kommentare

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10 Kommentare auf "Was löste die Explosion der Krim-Brücke aus?"


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Anderrrr
Anderrrr
Universalgelehrter
1 Monat 24 Tage

Amend wor ers no selber daser a grund hot umanondzuschias😕

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 23 Tage

Genial! Weil Russland zu viele Raketen hat, musste man noch nen Grund finden mehr davon zu verballern?
Sorry, der war jetzt gut!
Meinst du nicht er würde die eher gegen die Offensive der Ukrainer einsetzen?

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 23 Tage

@N. G.
…Raketen schiessen deine Freunde lieber auf Wohnhäuser und Schulen…

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 24 Tage

Raketen kann ich mir vor allem deswegen nicht vorstellen, weil man es dann nicht bei einer belassen hätte. Wenn man die Möglichkeit hat, die Brücke zu beschädigen, warum dann nicht gleich ganz unterbrechen? Der Schaden behindert den Nachschub nur minimal.

Staenkerer
1 Monat 23 Tage

de gutachter wern sich hüten (müßen) eppas zu findn des NIT auf de ukraine oder aufn westn hinweißt….

magari
magari
Superredner
1 Monat 24 Tage

Sollte man Spekulationen nicht besser den Wahrsagern überlassen?

Gredner
Gredner
Kinig
1 Monat 24 Tage
M.M.n. kann das kein U-Boot gewesen sein, denn die Explosion muss ÜBER der Fahrbahn stattgefunden haben: man sieht klar wie die Guardrails nach aussen gebogen sind. Man sieht an den Luftaufnahmen, wie die Fahrbahn in diesem Bereich geschwärzt wurde. Im Moment der Explosion sieht man zuerst ein weisses helles Licht – die Explosion muss also in Sichtlinie zur Kamera erfolgt sein (bei einer Explosion von unten, hätte sich zuerst die Fahrbahn nach oben gewölbt). Der Pfeiler steht auch noch, die Fahrbahn davor und danach ist hingegen eingestürzt. Auch die Zugstrecke daneben hat Schäden von der Seite erlitten und nicht von… Weiterlesen »
Faktenchecker
1 Monat 23 Tage

Faktenchecker
Kinig
2 Tage 2 h
Boot ist bewiesen: https://twitter.com/i/status/1578631282585907201

Gredner
Gredner
Kinig
1 Monat 23 Tage

@faktenverdreher: nichts ist bewiesen.
Interessanterweise gab es um 6:05 eine Meldung, dass der Zug einen Defekt hat und ein Wagon am Ende brennt. Um 6:07 dann die Explosion. In den Videos ist klar zu sehen, dass der Zug schon vor der Explosion hält. Und auch die äußere Fahrbahn, die nicht nach unten sondern nach aussen gestürzt ist, beweist, dass die Explosion von der Zugbrücke her kam.

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
1 Monat 23 Tage

Also,
wenn es eine Unterwasserdrone war, dann hat die Ukraine hoffentlich noch ein paar weitere Exemplare davon. 👍👍🇺🇦

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