Fragestunde im Landtag

Was tun gegen den Borkenkäfer?

Dienstag, 13. September 2022 | 17:26 Uhr

Bozen – Im Südtiroler Landtag wurden heute zu diversen Themen Fragen gestellt und Antworten geliefert, eines davon war der Borkenkäfer.

Die Elektronische Gesundheitsakte (EGA) wurde am 31. Oktober 2018 in Südtirol eingeführt, erklärte Franz Locher (SVP). Die Arbeiten zur Einspeisung von Leistungen in die EGA sind leider nur sehr schleppend vorangegangen und nach fast vier Jahren immer noch nicht beendet. Locher stellte der Landesregierung dazu folgende Fragen: Wie viele und welche Leistungen sind derzeit in der EGA enthalten, wie viele sind noch geplant und in welchem Zeitraum? Wer hat Zugriff auf die in der EGA enthaltenen Leistungen und wie erfolgt dieser Zugriff? Welche Zugriffszahlen hat die EGA? Werden Daten aus privaten Gesundheitseinrichtungen auch eingespeist? Welche Geldmittel wurden bisher für die EGA zur Verfügung gestellt, was ist für die Zukunft geplant?
In der EGA seien die anagrafischen Daten, eventuelle Befreiungen, der Name des Hausarztes und anderes enthalten, antwortete LH Arno Kompatscher. Allein die digitalen Verschreibungen durch die Hausärzte machten über 4 Mio. Vorgänge aus. Bei den Covid-Impfungen gebe es über 3 Mio. Dateneinträge. Insgesamt gehe es um über 24 Mio. Einträge. Die elektronische Gesundheitsakte sei also aktiv und werde verwendet. Sie werde in den nächsten Jahren weiterentwickelt, mit Mitteln aus dem PNRR. Zugriff habe das Fachpersonal, mit Einverständnis des Patienten. Die Zugriffsdaten würden gespeichert. Derzeit würden noch keine Daten von Privateinrichtungen eingespeist.

Zum „Gadertaler System“ stellte Andreas Leiter Reber (Freiheitliche) folgende Fragen an die Landesregierung: Wie viele Mikrozonen wurden in den letzten 15 Jahren in den Gadertaler Gemeinden ausgewiesen? Wie viele im selben Zeitraum in den restlichen Südtiroler Gemeinden? Zu welchem Preis wurden die einzelnen Mikrozonen enteignet? Wie viel Geld hat das Land über die 50-prozentige Baulandfinanzierung für die Grundenteignung der einzelnen Mikrozone den Gemeinden ausbezahlt? Wie oft haben Verwandte des 1. und 2. Grades des vormaligen Grundbesitzers die frei verkäufliche Fläche der einzelnen Mikrozonen erworben? Wie oft haben sich in diesen Mikrozonen Verwandte des 1. und 2. Grades des vormaligen Grundbesitzers um den geförderten Baugrund beworben und über die jeweilige Rangliste den Zuschlag erhalten? Wie oft und in welcher Höhe haben in diesen Mikrozonen Verwandte des 1. und 2. Grades des vormaligen Grundbesitzers eine direkte Wohnbauförderung erhalten?

Die Mikrozonen seien historisch nicht als solche kategorisiert, antwortete LR Maria Hochgruber Kuenzer. Erst mit dem neuen Informationssystem ab 2020 wäre das möglich. Auch LR Waltraud Deeg wies auf den entsprechenden Verwaltungsaufwand hin, wenn man die Mikrozonen händisch zählen müsste. Das Verwandtschaftsverhältnis kenne man nur in den Fällen, die vor Gericht behandelt worden seien. Den Begriff “Mikrozonen” gebe es auch nur bei Gericht. Die Enteignungspreise könnten bei den entsprechenden Gemeinden erfragt werden. Deeg wies auch darauf hin, dass eine Namensgleichheit noch keine Verwandtschaft bedeute. Auf jeden Fall wolle man hier größtmögliche Transparenz. Die Erhebung bei den einzelnen Gemeinden werde noch länger dauern. Andreas Leiter Reber zeigte sich mit der Antwort nicht zufrieden. Diese Zonen seien letztendlich von der Landesregierung genehmigt worden, diese müsste nur in den eigenen Beschlüssen nachschauen.

Josef Unterholzner (Enzian) verwies auf die Landtagssitzungswoche zum Nachtragshaushalt, in der die Ausgaben der einzelnen Ressorts mitgeteilt wurden. Erst beim genaueren hinschauen falle auf, was das Ressort von LH Kompatscher, genauer gesagt die Abteilung von Herrn Steiner an Ausgaben aufweist. Unterholzners Fragen an die Landesregierung: Wie viele Mitarbeiter sind in der Generaldirektion des Landes beschäftigt? Wie viel Jahres/Personalkosten hat dieser Verwaltungsapparat? Was sind die Gesamtjahreskosten der Generaldirektion? Für was genau kommen die zusätzlichen 20 Mio. Euro im Nachtragshaushalt zum Einsatz? Gibt es Kostenoptimierungsmaßnahmen, wenn ja, welche? Ab wann kommen diese zum Tragen?

In der Generaldirektion seien derzeit 190 von 265 Stellen besetzt, antwortete LH Arno Kompatscher. Sein Ressort umfasse 612 Stellen, wobei 488 besetzt seien. Die Bruttokosten würden rund 25 Mio. Euro betragen. Die 20 Mio. im Nachtragshaushalt seien für das Kollektivvertragsverhandlungen für das Personal des Landes und des Sanitätsbetriebs vorgesehen. Zur Kostenoptimierung seien unter anderem Online-Weiterbildungen vorgesehen.

In den letzten Monaten wurden Zugpassagiere, aber insbesondere Pendler aus dem Pustertal auf eine harte Probe gestellt, bemerkte Maria Elisabeth Rieder (Team K). Immer öfter gab es Ausfälle von Zügen “aus betrieblichen Gründen“. Die Ausfälle, Verspätungen und die Züge, die den Zugpassagieren in Franzensfeste vor der Nase wegfahren, machen es mittlerweile unmöglich, pünktlich am Zielort anzukommen. Jede Zugfahrt wird zur Nervenprobe. Es gibt keine Planungssicherheit. Zu all dem kam dann Anfang August auch noch der zeitgleiche Ausfall von sechs Zuggarnituren. Einen regulären Zugverkehr im Pustertal gab es in dieser Zeit nicht, ebenso wenig einen Schienenersatzverkehr. Rieder fragte die Landesregierung: Wie erklärt der zuständige Landesrat den Zugpassagieren, insbesondere den Pendlern, die Situation? Was ist der aktuelle Stand auf der Pustertaler Bahnstrecke? Was waren die Gründe für die Abnutzungserscheinungen an den sechs Zuggarnituren? Welche Maßnahmen sind geplant um die den Zugverkehr im Pustertal wieder „zu normalisieren“? Wie oft sind im Zeitraum seit dem 01.01.2022 in Franzensfeste die Anschlusszüge in das Pustertal abgefahren, während die Züge bereits am anderen Bahnsteig eingefahren waren?

95-97 Prozent des gesamten Zugverkehrs verlaufe planmäßig, antwortete LR Daniel Alfreider. Jedoch sei die Infrastruktur in die Jahre gekommen, die Brennerbahn sei vor 150 Jahren gebaut worden, und es habe kaum Investitionen gegeben. Die Strecke sei derzeit überlastet, umso wichtiger sei der BBT, damit man mehr Spielraum für den Regionalverkehr habe. Mit den Olympiageldern würden auch wichtige Zuginfrastrukturen finanziert, damit sei eine Direktverbindung Bruneck-Bozen und weiter nach Meran möglich. Große Ausfälle habe es im Juni-Juli wegen Corona bei den Lokführern gegeben, ein Problem sei auch die demografische Entwicklung. Im August seien Ausfälle wegen Abnutzung der Räder entstanden.

Entlang der Brennerstaatsstraße SS 12 hat die Verkehrsbelastung untragbare Ausmaße erreicht, bemerkte Peter Faistnauer (Perspektiven Für Südtirol). Die SS 12 ist seit zwei Jahren Teil eines Verkehrsmonitorings, um Daten für entsprechende Maßnahmen zu gewinnen. Dazu richtete Faistnauer folgende Fragen an die Landesregierung: Seit wann und wo sind an der SS 12 Kameras zum Verkehrs-Monitoring angebracht? Seit/Ab wann liefern diese Kameras Daten von der SS 12 und was genau wird erhoben? Wann können erste Auswertungen/Interpretationen der Daten der SS 12 erwartet werden? Wie viele dauerhafte Kameras zur Verkehrszählung sind im Land vorgesehen, an welchen Standorten sind solche bereits installiert und wo sind noch weitere geplant? Innerhalb wann wird das Monitoring sukzessive auf alle Hauptverkehrsadern laufen und wie hoch belaufen sich die Kosten? Sind zu den Rohdaten des Monitorings auf den Passstraßen bereits Interpretationen/ Auswertungen vorhanden? Wo sind diese einsehbar oder falls nein, warum nicht?

Ab Mai 2022 seien an der SS12 Kameras installiert, antwortete LR Daniel Alfreider. Sie seien seit Juni aktiv. Sobald der Korridor genügend mit diesen Systemen ausgerüstet sei, könne man eine sinnvolle Datenauswertung machen, die Grundlage für Verkehrsmaßnahmen und Bauarbeiten sei. Es seien etwa 50 Kameras vorgesehen, wahrscheinlich mit Unterstützung durch EU-Gelder. Kameras seien auch an anderen Straßen installiert, etwa in den Dolomitentälern. Wenn alle Kameras aufgestellt sein, binnen zwei Jahren, würden die Daten online veröffentlicht.

Im Sommer 2020 haben Forscher der Unibz in Zusammenarbeit mit der BOKU Wien und der Universität Padua im Rahmen eines grenzüberschreitenden Interreg-Projekts die Rolle von Mikroorganismen bei der Ausbreitung des Borkenkäfers analysiert. Das Projekt sollte die Grundlage für ein genaueres Monitoring und detaillierte Entwicklungsprognosen darstellen, es wurde in Südtirol zusätzlich von der Abteilung Forstwirtschaft als Projektpartner finanziert und unterstützt. Franz Locher (SVP) stellte dazu folgende Fragen an die Landesregierung: Wie hoch waren die finanziellen Mittel zur Unterstützung von Seiten der Abteilung Forstwirtschaft? Welche Forschungsergebnisse hat das Projekt bis heute ergeben? Können die Ergebnisse in konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung umgemünzt werden? Sind weitere Forschungsprojekte zur Bekämpfung des Borkenkäfers geplant und welche finanziellen Mittel werden dafür zur Verfügung gestellt? Welche Maßnahmen sind für ein effektiveres Management des Borkenkäferbefalls künftig geplant?

LR Arnold Schuler berichtete von zwei Projekten, von 50.000 bzw. 117.000 Euro. Laut den Ergebnissen würden die Mikroorganismen die Aggressivität des Borkenkäfers mindern. Es werde auf der ganzen Welt zum Thema geforscht, man dürfe sich aber nicht von einzelnen Projekten innerhalb kurzer Zeit grundlegende Lösungen erwarten. Weitere Projekte auf Landesebene seien nicht geplant, wohl aber einzelne Bekämpfungsmaßnahmen.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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3 Kommentare auf "Was tun gegen den Borkenkäfer?"


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Tigre.di.montana
Tigre.di.montana
Superredner
18 Tage 6 h

Borkenkäfer bekämpfen? Ganz einfach: sorgt für gesunde Bäume mit gesunden Wurzeln, bei ausreichend feuchtem Boden und nicht zu trockener Luft, so dass die Bäume sich mit Harz in der Rinde gegen die Käfer wehren können.
Also: Mischwald mit gesundem Mikroklima, keine Wasserentnahmen, striktes Verbot von allen Dingen die den Grundwasserspiegel senken könnten, und vor allem keine Monokulturen.
Vor 50 Jahren haben uns die Lehrer das schon in Erdkunde und im Biologieunterricht beigebracht. “Fichtenwälder sind tote Wälder” war damals schon das Thema, und das Waldsterben auch.

Ein halbes Jahrhundert ist für manche Forstbesitzer und für sehr viel mehr Politiker nicht ausreichend darüber nachzudenken.

bern
bern
Universalgelehrter
18 Tage 5 h

@Tigre della pianura
Es gibt bei uns Mischwälder aus Fichte, Lärche, Kiefer und Zirbe, auch mit Laubbäumen gemischt, wenn es die Höhenlage zulässt. Wo bitte wird Wasser entnommen, das nicht eh abrinnen würde?
Fazit: dein gesamter Text ist sinnlos.

Doolin
Doolin
Kinig
18 Tage 1 h

@bern
…wir haben in erster Linie Fichten Monokulturen…

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