US-Präsident Trump beruft sich auf Videoaufzeichnungen

Washington und London: Iran hinter Angriffen auf Öltanker

Freitag, 14. Juni 2019 | 22:07 Uhr

Nach den mutmaßlichen Attacken auf zwei Öltanker im Golf von Oman herrscht weiter Rätselraten über die Urheberschaft – und die Angst vor einer bevorstehenden militärischen Eskalation. US-Präsident Donald Trump untermauerte am Freitag in einem Interview die US-Sichtweise. “Der Iran hat es getan”, sagte Trump dem Sender Fox News. Der Iran wies hingegen jede Schuld von sich.

Die EU gab sich in Sachen Schuldzuweisungen vorsichtig. “Wir sind dabei, die Lage zu bewerten und Informationen zu sammeln”, sagte ein ranghoher EU-Beamter am Freitag in Brüssel.

Der Iran hält die am Vortag von US-Außenminister Mike Pompeo vorgebrachte Beschuldigung für “lächerlich, gleichzeitig aber auch besorgniserregend und gefährlich”, wie Außenamtssprecher Abbas Mousavi am Freitag laut der staatlichen Agentur IRNA sagte. Anstatt grundlose Unterstellungen zu verbreiten, sollte man eher herausfinden, wer von solchen Krisen am Golf am meisten profitiere.

Pompeo hatte den Iran verantwortlich gemacht und später zur Untermauerung ein Video präsentiert, das nach der Explosion spielt. Es soll zeigen, wie ein Schnellboot Typ “Gashti” der iranischen Revolutionsgarden auf den Tanker “Kokuka Courageous” zufährt und die Besatzung eine nicht explodierte Haftmine vom Rumpf des Tankers entfernen. Eine mögliche Erklärung wäre die Bergung des Sprengstoffes.

Auch der britischen Außenminister Jeremy Hunt äußerte die Überzeugung, dass die mutmaßlichen Angriffe vom Iran, und zwar von dessen Revolutionsgarden, ausgeführt wurden. “Unsere eigene Einschätzung führt uns zu der Annahme, dass die Verantwortung für die Angriffe fast ganz sicher beim Iran liegt”, betonte der Minister, ohne jedoch Beweise zu benennen. Kein anderer Staat oder nicht-staatlicher Akteur käme dafür vernünftigerweise in Betracht, betonte Hunt.

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres sprach sich für unabhängige Untersuchungen aus. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu warnte wie beispielsweise auch China vor übereilten Reaktionen und forderte eine ernsthafte Untersuchung. Trump hingegen sagte: “Nun ja, der Iran hat es getan, und sie haben es, wissen Sie, getan, weil man das Schiff gesehen hat.” Er verwies damit auf das Video, das die USA am Vortag zur Verfügung gestellt hatten. Und er fügte hinzu: “Sie wollten nicht, dass Beweise zurückbleiben.”

Trump telefonierte am Freitag mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzu Abe, der kurz zuvor im Iran zu Besuch gewesen war und einen Vermittlungsversuch unternommen hatte. In dem Gespräch sei auch über die Umstände der Tanker-Explosionen beraten worden, teilte das Weiße Haus mit. Trump habe Abe für seine Vermittlungstätigkeit gedankt.

Die genauen Umstände der schweren Zwischenfälle am Vortag blieben zunächst weiter mysteriös. Der japanische Betreiber eines der Schiffe bestritt, dass der Tanker von einem Torpedo getroffen wurde. Es habe zwei Angriffe im Abstand von einigen Stunden gegeben, sagte der Präsident der Firma Kokuka Sangyo in Tokio. Die Crew der “Kokuka Courageous” habe vor der zweiten Explosion ein “fliegendes Objekt” gesehen, das auf sie zugesteuert sei, erklärte er weiter. Am Donnerstag hatte er zunächst mitgeteilt, der Tanker sei von “einer Art Granate” angegriffen worden. Das Schiff hat Methanol geladen und wird von der deutschen Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) gemanagt. Die 21-köpfige Besatzung sei auf den Tanker zurückgekehrt, teilte BSM in Singapur mit. Das Schiff soll nun in den Hafen Chaur Fakkan in den Vereinigten Arabischen Emiraten geschleppt werden.

Bei den Zwischenfällen nahe der Küste des Iran waren am Donnerstag in der Früh zwei Tanker beschädigt worden. Das zweite der beiden Schiffe, die “Front Altair” einer norwegischen Reederei, geriet nach Explosionen in Brand. Die norwegische Seefahrtsbehörde sprach von einem Angriff, was die Reederei zunächst nicht bestätigte. Auf dem norwegischen Tanker wurde das Feuer inzwischen gelöscht, wie die Reederei mitteilte. Aus US-Regierungskreisen verlautete unterdessen Schnellboote des iranischen Militärs hielten zwei zivile Schlepper davon ab, die “Front Altair” wegzuschleppen.

Die USA beschuldigten den Iran, hinter den mutmaßlichen Angriffen zu stecken. Es handle sich um eine “nicht hinnehmbare Eskalation der Spannung durch den Iran”, sagte US-Außenminister Mike Pompeo. Dem Iran gehe es darum, die Aufhebung der US-Sanktionen zu erzwingen.

Der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif warf den USA seinerseits vor, die Öltanker-Vorfälle als Vorwand zu nehmen. “Mit einem Fetzen an Indizien haben die USA sofort den Iran beschuldigt (…) damit ist klar, dass das amerikanischen B-Team auf Plan B und auf Sabotage-Diplomatie umgeschaltet hat”, schrieb Zarif auf Twitter.

Mit dem B-Team meint Zarif die Mannschaft von US-Sicherheitsberater John Bolton, der nach Ansicht Teherans einen Regimewechsel im Iran plant und dafür sogar einen militärischen Konflikt provozieren würde. Schon zuvor hatte der Iran angedeutet, dass die USA und ihre Alliierten selber für die Angriffe verantwortlich sein könnten und sie nun Teheran in die Schuhe schieben wollten.

Saudi-Arabien verurteilte die Angriffe und sprach von “Terroroperationen”. Das sunnitische Königreich sieht im schiitischen Iran einen Erzfeind und verschärft seit Wochen den Ton gegenüber Teheran. Es wirft dem Iran vor, sich in die Angelegenheiten arabischer Länder einzumischen und die Region zu destabilisieren.

Riads Verbündeter USA hatte im vergangenen Jahr das Iran-Atomabkommen mit dem Iran einseitig gekündigt. Die US-Regierung setzt den Iran mit Wirtschaftssanktionen unter Druck.

Die UNO-Vetomacht China rief alle Parteien zur Zurückhaltung auf. “Wir alle wollen keinen Krieg in der Golf-Region”, sagte Außenamtssprecher Geng Shuang am Freitag in Peking. China sei besorgt über die jüngsten Spannungen im Nahen Osten. Alle Parteien sollten ihre Differenzen durch Dialog lösen und Frieden und Stabilität sichern. Die Sicherheit der Schifffahrt in den betreffenden Seegebieten müsse gewahrt werden.

Die betroffene Meerenge, die Straße von Hormuz, ist eine der wichtigsten Seestraßen überhaupt. Sie verbindet die ölreiche Golfregion mit dem offenen Meer. Über die Strecke läuft ein großer Teil des weltweiten Öltransports per Schiff. An den Märkten herrschte Unsicherheit eingedenk der Krise. Ein sich verschärfender Konflikt im Golf von Oman könnte der ohnehin labilen Weltwirtschaft nach Ansicht von Ökonomen einen weiteren Dämpfer verpassen und auch deutsche Exporteure belasten. Der Außenhandelsverband BGA warnte vor einer Eskalation und steigenden Ölpreisen, was erheblich auf die globale und deutsche Wirtschaft durchschlagen würde.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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14 Kommentare auf "Washington und London: Iran hinter Angriffen auf Öltanker"


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Jo73
Jo73
Tratscher
4 Tage 3 h

Warum werde ich den Verdacht nicht los, dass dieses erbärmliche Amerika wieder einen Grund sucht für einen Krieg?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Iran so blöd ist und macht solch eine dumme Aktion in diesen angespannten Zeiten.
Ich tippe auf die USA.
Unabhängig davon, ob die USA dies waren oder nicht: Für mich sind die USA die Verlierer im 21sten Jahrhundert und es wird Zeit, dass wir Europäer uns endlich von denen loseisen und selber stark auftreten. .

Urlauberpaar
Urlauberpaar
Grünschnabel
3 Tage 21 h

So einen Unfug kann man nur schreiben wenn man blind vor Ideologie ist.

ivo815
ivo815
Kinig
3 Tage 18 h

@Urlauberpaar lern mal mit Argumenten zu kontern, statt mit Blödsinn. Wenn du dich nämlich mit der US Außenpolitik der vergangenen 50 Jahre auch nur rudimentär befaßt hättest wüsstest du, das die Überlegung von Jo73 gar nicht so abwegig ist

Urlauberpaar
Urlauberpaar
Grünschnabel
2 Tage 20 h

@ivoNoch so ein Schwachsinn.Die Frage ist nicht die Vergangenheit sondern das Jetzt.Ich würde einfach mal abwarten, es wird schon ans Licht kommen.815 

Orschgeige
Orschgeige
Universalgelehrter
5 Tage 2 h

Da brodelt was zusammen!

Freidenker
Freidenker
Grünschnabel
4 Tage 15 h

Jetzt hat man den grund für einen krieg gefunden, vieleicht ist auch der russe daran schuld

Orschgeige
Orschgeige
Universalgelehrter
3 Tage 18 h

Die Amis sind wirklich phantasielos, genau dasselbe Spielchen wie mit Saddam Hussain.

Urlauberpaar
Urlauberpaar
Grünschnabel
3 Tage 21 h

Nicht nur Trump sieht den Iran als verantwortlichen!!!!

ivo815
ivo815
Kinig
3 Tage 18 h

Du auch

dom99
dom99
Grünschnabel
4 Tage 2 h

Und immer das selbe Spiel, plötzlich gibt es dort Anschläge auf Schiffe. Da wird doch ein Kriegsgrund gesucht. Ich hoffe die Welt hat den Grund für den Irakkrieg noch nicht vergessen.

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Universalgelehrter
3 Tage 21 h

Ach ja! 2003 sind wir ja alle auf die Strassen gegangen und haben “Keinen Krieg für Öl” gerufen. Wenig später kamen dann SUVs in Mode und viele haben sich so einen Spritfresser gekauft…

berthu
berthu
Superredner
4 Tage 2 h

Das “Kriegsgeschäft” rollt weiter. Aktionsfeld aus Syrien nach Osten verschoben…
Die “Kriegsgründe” wird man schon rechtzeitig “erfinden”. Müssen ja nicht unbedingt “wahr” sein…
Wir bekommen die EURO3 Diesel verboten, die brennen ganze Tanker ab. Tolles Klimaziel😊

Frank
Frank
Grünschnabel
3 Tage 5 h

Hoffentlich wird das durchgeknallte Kind im Weißen Haus bald mal in die Schranken gewiesen. Von der Eskalation profitiert nur eine Seite, den USA ist es doch schon lange ein Dorn im Auge, daß ihr dreckiges Fracking Öl nicht gefragt ist. Eine künstlich geschaffene Krise im Nahen Osten, wie auch in Venezuela, kommt dem Trumpeltier da gerade recht.

Kropfli
Kropfli
Tratscher
3 Tage 13 h

Das ist nur ein Vorspiel! Die Hauptfiguren werden Saudi Arabien und Iran sein. Dass diese beiden in Clinch kommen ist der Schachzug welchen die USA plant. Nicht umsonst haben sie den Saudis 200 Milliarden für Rüstung abgeluchst. Der Feind der Saudis ist der Iran.

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