Kämpfe gehen in Ukraine ungehindert weiter

Weitere Verhandlungsrunde zwischen Kiew und Moskau

Freitag, 01. April 2022 | 22:23 Uhr

Erstmals seit Beginn des Krieges hat Russland der Ukraine einen Angriff auf das eigene Territorium vorgeworfen. Ukrainische Hubschrauber hätten ein Treibstofflager im Westen Russlands angegriffen und einen Großbrand ausgelöst, so der Gouverneur der Region Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, am Freitag im Messengerdienst Telegram. Beide Seiten setzten ihre Verhandlungen um eine Waffenruhe dennoch fort. In Mariupol wurde jedoch der Versuch zu evakuieren abgebrochen.

Trotz des mutmaßlichen Angriffs in Belgorod wurden die Verhandlungen über eine Waffenruhe wieder aufgenommen. Der Kreml erklärte, der Angriff in Belgorod werde die Verhandlungen über eine Waffenruhe mit Kiew erschweren. “Damit werden natürlich keine günstigen Voraussetzungen für die Fortsetzung der Verhandlungen geschaffen”, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in Moskau. “Unsere Positionen zur Krim und zum Donbass haben sich nicht verändert”, erklärte der russische Unterhändler Wladimir Medinski auf Telegram.

Wie der Gouverneur der Region schrieb, löste der “Angriff zweier ukrainischer Armeehubschrauber, die in niedriger Flughöhe auf russisches Staatsgebiet vordrangen”, ein großes Feuer in dem Tanklager aus. Zwei Angestellte seien durch das Feuer verletzt worden. Auf einem vom Katastrophenschutzministerium veröffentlichten Video waren gewaltige schwarze Rauchwolken über den Tanks zu sehen. Am Abend teilte der russische Zivilschutz mit, der Brand sei gelöscht. Belgorod liegt nur rund 40 Kilometer von der ukrainischen Grenze und etwa 80 Kilometer von der ukrainischen Stadt Charkiw entfernt, die seit dem Beginn der russischen Offensive massiv attackiert wird.

Das ukrainische Verteidigungsministerium lehnte eine Stellungnahme zu den russischen Vorwürfen ab. Die Ukraine verteidige sich derzeit und könne nicht für “jede Katastrophe auf russischem Territorium” verantwortlich gemacht haben, sagt ein Ministeriumssprecher. “Ich werde diese Vorwürfe weder bestätigen noch dementieren.”

Der Konvoi des Internationalen Roten Kreuzes, der Einwohner aus Mariupol evakuieren sollte, musste indes umkehren. Die Lage mache es unmöglich, mit dem Hilfseinsatz fortzufahren, heißt es in einer Stellungnahme. In den vergangenen Tagen sind wiederholt geplante Feuerpausen für die Evakuierung von Zivilisten über bestimmte Straßen nicht eingehalten worden. Die humanitäre Lage in der Stadt spitzt sich Tag für Tag zu, Wasser, Lebensmittel und geheizte Räume sind kaum noch verfügbar.

Bisher hat die Beschießung von Mariupol nach Angaben der Stadtverwaltung Schäden in Höhe von mindestens zehn Milliarden Dollar (neun Milliarden Euro) an der Infrastruktur der Hafenstadt verursacht. “Jedes Verbrechen, jeder Mord und jeder vom Aggressor begangene Akt der Zerstörung muss dokumentiert und an den Internationalen Gerichtshof weitergeleitet werden”, forderte Bürgermeister Wadym Boitschenko nach Angaben der Stadtverwaltung.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte, Mariupol und weitere Orte im Osten und Süden der Ukraine müssten sich auf noch heftigere Angriffe Russlands einstellen. Dass die russische Regierung angekündigt habe, die Angriffe auf Kiew und Tschernihiw im Norden des Landes zurückzufahren, sei “Teil ihrer Taktik”, sagte Selenskyj in der Nacht auf Freitag in einer Rede. Die russische Armee wolle sich auf andere wichtige Gebiete konzentrieren, “in denen es schwierig für uns sein kann”. Im Donbass, Mariupol und der Gegend um Charkiw seien “gewaltige Angriffe” zu befürchten.

Auch nach Angaben des Kiewer Bürgermeisters Witali Klitschko kommt es nördlich und östlich der ukrainischen Hauptstadt zu heftigen Kämpfen. “Das Risiko, in Kiew zu sterben, ist ziemlich hoch, und deswegen ist mein Rat an alle, die zurückkommen wollen: Bitte lasst euch ein bisschen länger Zeit”, sagt Klitschko. Zuvor hatte der Gouverneur der Region Kiew gesagt, dass sich die russischen Truppen aus einigen Gebieten zurückzögen, aber ihre Positionen in anderen Orten verstärkten.

Militärexperten zufolge will Russland die Gebiete zwischen dem Donbass und der annektierten Krim-Halbinsel einnehmen. Der erbitterte ukrainische Widerstand in Mariupol ist dabei das Haupthindernis. Der russische Präsident Wladimir Putin erörtert der Agentur Tass zufolge mit Mitgliedern seines Sicherheitsrats zusätzliche Maßnahmen zur “Abwendung und Neutralisierung innerer Sicherheitsbedrohungen”. Details dazu blieben aber offen.

Ukrainischen Angaben zufolge beschoss die russische Armee eine Stadt unweit der Hafen-Metropole Odessa mit Raketen. Die Russen hätten von der 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim aus drei Iskander-Raketen abgefeuert, schrieb der Chef der Regionalverwaltung, Maxym Martschenko, am Freitagabend auf Telegram. Es habe Verletzte gegeben. Weitere Details nannte er nicht. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Odessa mit seinem Hafen am Schwarzen Meer gilt als strategisch wichtige Stadt. Am Dienstag war bereits die rund 130 ilometer nordöstlich gelegene Stadt Mykolajiw heftig beschossen worden, die bisher für die russischen Truppen den Landweg nach Odessa blockiert.

Zudem gab es offenbar einen weiteren Gefangenenaustausch. Die russischen Seite habe 71 ukrainische Soldaten und 15 Soldatinnen aus der Kriegsgefangenenschaft freigelassen und dafür ebenso viele eigene Leute übergeben bekommen, schrieb die ukrainische Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk am Freitag auf Facebook. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

In den vergangenen Wochen hatte es bereits mehrere Gefangenenaustausche zwischen Ukrainern und Russen gegeben. Mitte März hatte die russische Seite etwa den zwischenzeitlich entführten Bürgermeister der Stadt Melitopol freigelassen – ukrainischen Angaben zufolge im Austausch für neun russische Wehrdienstleistende.

Von: APA/AFP/Reuters/dpa

Kommentare

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15 Kommentare auf "Weitere Verhandlungsrunde zwischen Kiew und Moskau"


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N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 25 Tage

Um Kiev wirds ruhiger, im Osten und Süden starke Kämpfe. Das Ziel erklärt sich von selbst.
Das Putin seine Berater feuert, zeigt, die Sanktionen wirken. Wer aber dachte es geht schnell, irrt!
Was passiert eigentlich wenn Politiker aus dem Westen in der Ukraine getötet würden? Ich finde, die haben da zur Zeit absolut nichts zu suchen und wenn , dann privat reisen. Will man wirklich dieses Risiko eingehen?

Karl
Karl
Universalgelehrter
1 Monat 25 Tage
Was haben den die Russen in einem souveränen Staat wie es die Ukraine ist verloren? Das permanente kuschen vor dem skrupellosen Aggressor Putin ist sicher keine Dauer-Lösung. Wer das glaubt wird sich noch wundern, sollten die Ukrainer es nicht doch noch das Wunder schaffen und das übermächtige Russland militärisch endgültig zurück zu schlagen. Die Luft wird für Putin auch so schon intern täglich dünner und ein Militärputsch könnte ohne weiteres in einigen Stunden das Problem lösen. Solche Aktionen sehen wir in totalitären Staaten immer und immer wieder. Der Westen wird Russland aber über kurz oder lang an den Rand des… Weiterlesen »
sophie
sophie
Kinig
1 Monat 25 Tage

@Karl
👍🇺🇦genau so ist es

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 25 Tage

@Karl >was haben die Russen in einem souveränen Staat zu tun<
NICHTS! Sie sind aber da! Was verstehst du unter kuschen? Jetzt ist es zu spät die grosse Kanone auszupacken. Viele Kleine in den letzten 10 Jahren hätten ausgereicht um Putin erst gar nicht so weit kommen zu lassen! Aus dem selben Grund den du nennst, Russland ist wirtschaftlich eigentlich ein Zwerg. Warum hat mans nicht getan?
Wenns ganz schecht läuft, kooperieren die Chinesen und Inder mit Russland und dann bewahre uns Gott..!

Jo73
Jo73
Superredner
1 Monat 25 Tage

@Karl: Genau so sehe ich das auch

Karl
Karl
Universalgelehrter
1 Monat 25 Tage
Ich denke nicht, dass ich dir den Begriff “kuschen” erklären muss. Bezüglich der “Freundschaft“ Chinas und Indiens , vor der du so Angst hast, scheinst du nicht ganz auf dem Laufenden zu sein. Ich erwähne nur ein Beispiel = Kaschmir. Zudem sind all diese Staaten die du aufgezählt hast vom Geld des Westens abhängig, denn beide Staaten haben nennenswerter interne Kaufkraft. Es gibt dort heute sehr wenige wohlhabende Menschen und der große Rest ist meist bettelarm. Diese Staaten leben Großteils von dem „Ramsch“ denn wir bei ihnen produzieren lassen oder den sie selber (meist mit Sklavenarbeiten) herstellen damit wir für… Weiterlesen »
N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 25 Tage

@Karl Indien ist mit klar, China liegst du komplett falsch aber wie du meinst. Wenn du der Meinung bist mann soll und kann sie unterschätzen… Dann wirst du die nächsten 2 Jahrzehnte eines besseren belehrt werden.

Zugspitze947
1 Monat 24 Tage

N.G.DAS geht dich gar NICHTS an:-( ! Ich finde es sogar wichtig dass man sich traut dem Agressor -Lügner-Mörder und Landräuber PUTIN die Stirn zu bieten ! 🙂

NaSellSchunSell
NaSellSchunSell
Tratscher
1 Monat 25 Tage

Jeden Tag liest man, was die Ukrainer alles zerstört, zurückerobert, abgeschossen oder gefangen genommen haben. Da wundert es einen schon, dass sie den Krie.. äääh… die Spezialoperation noch nicht für sich entschieden haben.

Dagobert
Dagobert
Kinig
1 Monat 25 Tage

Nasel…… muesch holt Kremlpropaganda lesn, nor findesch schun die Artikel wos dir gfolln.

NaSellSchunSell
NaSellSchunSell
Tratscher
1 Monat 25 Tage

Schmarrn! Ich halt schon auch “zu den Guten”, aber irgendwie passen diese “Erfolgsmeldungen” nicht zu den Bildern aus der Ukraine.

Dagobert
Dagobert
Kinig
1 Monat 25 Tage

Jawoll weiter so, lei nit lugg lossn!

sophie
sophie
Kinig
1 Monat 25 Tage

@Dagobert
👍🇺🇦👍🇺🇦

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Superredner
1 Monat 25 Tage

Russland hat feige seine Nachbarn mit Krieg überzogen und wirft jetzt der Ukraine vor, dass sie zurück schießen.
Des kannst net erfinden.
Wie
peinlich für die russische Armee, wenn wirklich Hubschrauber aus der
Ukraine über die Grenze vordringen konnten um in Russland ein
Treibstofflager zu beschießen.

Chrys
Chrys
Universalgelehrter
1 Monat 25 Tage

Wer an die Verhandlungen glaubt liegt wohl falsch. Zumindest die Russen, aber vielleicht auch die Ukrainer verhandeln nicht wirklich. Hier werden wohl von beiden Seiten zuerst bessere Positionen auf dem Schlachtfeld  versucht zu erzielen um die bestmöglichste Ausgangslage zu haben.  
Putin kann sich auch noch nicht mit der neuen, unerwarteten Lage abfinden. Das braucht Zeit.

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