Nie zuvor waren so viele Menschen auf der Flucht

Weltweit mehr als 100 Millionen Menschen auf der Flucht

Donnerstag, 16. Juni 2022 | 09:17 Uhr

Die Zahl der Menschen, die sich weltweit auf der Flucht befinden oder vertrieben wurden, ist im vergangenen Jahrzehnt jedes Jahr angestiegen und erreicht heuer erneut einen Höchststand. Im Mai waren weltweit mehr als 100 Millionen Menschen aufgrund von Verfolgung, Konflikten, Gewalt oder Menschenrechtsverletzungen vertrieben, wie ein am Donnerstag veröffentlichter Bericht des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) zeigt.

Ende 2021 lag die Zahl der durch geflohenen und vertriebenen Menschen laut dem “Global Trends Report” des UNHCR bei 89,3 Millionen – um acht Prozent mehr als im Jahr zuvor und mehr als doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Seither haben die russische Invasion in der Ukraine – die die schnellste und eine der größten Vertreibungskrisen seit dem Zweiten Weltkrieg auslöste – und andere Notsituationen in afrikanischen Ländern, Afghanistan und weiteren Regionen die Zahl über den “dramatischen Meilenstein” von 100 Millionen steigen lassen, berichtet das UNO-Flüchtlingshochkommissariat im Vorfeld des Weltflüchtlingstages am 20. Juni.

Mehr als die Hälfte davon – 53,2 Millionen – sind Binnenvertriebene, also Vertriebene im eigenen Land (Internally Displaced People/IDP). Ihre Zahl stieg im Vergleich zu 2020 um 5,2 Millionen. Dieser Zuwachs ist laut UNHCR auf die zunehmende Gewalt in mehreren Ländern zurückzuführen, beispielsweise in Myanmar. Auch der Konflikt in der äthiopischen Region Tigray und anderen Gebieten hat Millionen Menschen zur Flucht innerhalb des Landes veranlasst. Aufstände in der Sahelzone führten zu neuen Binnenvertreibungen, insbesondere in Burkina Faso und im Tschad.

Weiters zählte das UNO-Flüchtlingshochkommissariat Ende des vergangenen Jahres 27,1 Millionen Flüchtlinge (+700.000) – 21,3 Millionen unter UNHCR-Mandat (+400.000) und 5,8 Millionen Palästinenser und Palästinenserinnen unter UNRWA-Mandat (+100.000). Hinzu kommen 4,6 Millionen Menschen (+500.000), die als Asylsuchende registriert wurden und 4,4 Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner (+500.000), die aus ihrer Heimat geflohen sind.

Die große Mehrheit der Flüchtlinge und Vertriebenen (83 Prozent) fand Schutz in Ländern mit geringem und mittlerem Einkommen. Mehr als ein Viertel (27 Prozent) wurde sogar von den am wenigsten entwickelten Ländern (Least Developed Countries/LLDCs) aufgenommen. Kein Land hat so viele Flüchtlinge aufgenommen wie die Türkei (fast 3,8 Millionen), gefolgt von Uganda (1,5 Millionen), Pakistan (1,5 Millionen) und Deutschland (1,3 Millionen). Kolumbien beherbergte 1,8 Millionen ins Ausland geflüchtete Venezolaner und Venezolanerinnen. Der Libanon nahm die meisten Flüchtlinge je Einwohner auf.

Keine Veränderung gab es bei den Top-5 Herkunftsländern. Mehr als zwei Drittel, 69 Prozent, kamen Ende 2021 – also vor Ausbruch der Ukraine-Flüchtlingskrise – aus nur fünf Ländern: Syrien (6,8 Millionen), Venezuela (4,6 Millionen), Afghanistan (2,7 Millionen), Südsudan (2,4 Millionen) und Myanmar (1,2 Millionen).

Geschwindigkeit und Ausmaß der Vertreibung seien immer noch größer als die Möglichkeit, tragfähige Lösungen für die Vertriebenen zu finden, also etwa Rückkehr, Resettlement (Aufnahme in Drittstaaten) oder lokale Integration, so das UNHCR. “Wenn die internationale Gemeinschaft nicht zusammenkommt, um etwas gegen diese menschliche Tragödie zu unternehmen, Konflikte zu lösen und dauerhafte Lösungen zu finden, dann wird dieser schreckliche Trend anhalten”, warnte UNO-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi.

Dennoch enthält der Global-Trends-Bericht auch Hoffnungsschimmer: Die Zahl der Flüchtlinge und Binnenvertriebenen, die nach Hause zurückkehren konnten, stieg im Jahr 2021 um 71 Prozent und erreichte damit wieder das Niveau der Zeit vor Corona.

Von: apa

Kommentare

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4 Kommentare auf "Weltweit mehr als 100 Millionen Menschen auf der Flucht"


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N. G.
N. G.
Kinig
9 Tage 11 h

Wie man lesen kann, es gibt auch anderswo Unrecht, nicht nur in der Ukraine! Nur, das kümmert die Wenigsten , ausser diese Flüchtlinge wollen zu uns, dann wirds plötzlich für Einige hoch brisant!

The Hunter
The Hunter
Superredner
9 Tage 3 h

du redesch olm dribor das niamand in Flüchtlingen hilft. Erzähl amol wieviele du schun augenummen hosch. Du redesch olm du lebsch in guten Verhältissen und hosch koane Geldsorgen also warsch jo dor ideale Kandidaten um mit guten Beispiel voraus zu gian

Philingus
Philingus
Tratscher
9 Tage 8 h

6800000 Menschen flüchten aus der Assad-Diktatur Syriens. Eine Diktatur, die Russland fleißig mit grausamster Brutalität stützt. Die Kriegsschauplätze in der Ukraine gleichen denen Syriens. Und auch hier hat Russland die Flüchtlingswelle in Millionenhöhe ausgelöst. Hunger durch Zerstörung und Getreideraub: auch hier hat Russland die Verantwortung und ist der alleinige Täter. Putin ist ein Verbrecher an der Menschheit. Wer ihn unterstützt ist ein Verbrecher!

Entequatch
Entequatch
Tratscher
9 Tage 2 h

Solche nachrinten wuden in den letzen 50 jahre alle jahre geschrieben… wie glaubwürdig sind denn die betichte? Dauerhafte lösungen? Genau die unhcr und Co handeln gegen eine dauerhafte lösung, deren lösungsvorschlag sieht vor alle nach europa. Für mich ist dies problemverschiebung und keine lösung

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