Annan starb nach kurzer Krankheit im Alter von 80 Jahren

Weltweit Trauer um Kofi Annan

Sonntag, 19. August 2018 | 14:08 Uhr

Die Nachricht vom Tod des ehemaligen UNO-Generalsekretärs Kofi Annan hat weltweit Trauer ausgelöst. Der am Samstag verstorbene Friedensnobelpreisträger sei eine “treibende Kraft des Guten” gewesen, erklärte der derzeitige UNO-Generalsekretär Antonio Guterres. “In vielfacher Weise war Kofi Annan Sinnbild der Vereinten Nationen.” Annans Heimatland Ghana rief eine einwöchige Staatstrauer aus.

Annan starb am Samstag im Kreise seiner Familie nach kurzer Krankheit im Alter von 80 Jahren, wie seine Stiftung in Genf mitteilte. Er führte die Vereinten Nationen von 1997 bis Ende 2006. Annans direkter Nachfolger als UNO-Generalsekretär, Ban Ki-moon, erklärte, sein Vorgänger habe die Vereinten Nationen mit einem “ehrgeizigen Programm” auf das 21. Jahrhundert vorbereitet und aus der UNO ein “unerlässliches Werkzeug für den Frieden” gemacht.

US-Außenminister Mike Pompeo würdigte Annans Leben “für Frieden und menschliche Würde”. Nach den Worten der US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, widmete Annan sein ganzes Leben der Aufgabe, “aus der Welt einen friedlicheren Ort zu machen”. Auch die ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama und Bill Clinton würdigten Annan als Mann des Friedens.

Der russische Präsident Wladimir Putin sprach von einer bemerkenswerten Person und einem großen Politiker. “Wir werden weder seine Ruhe und Entschlossenheit noch die Stärke seiner Überzeugungen beim Umgang mit Problemen vergessen”, schrieb auch der französische Staatschef Emmanuel Macron.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen erklärte auf Twitter, Annan habe sein Leben der Lösung globaler Probleme gewidmet. “Mit ihm ist ein bemerkenswerter Mensch, engagierter Diplomat und leidenschaftlicher Friedensstifter von uns gegangen.” Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) zeigte sich ebenfalls auf Twitter “tief traurig” über das Ableben Annans, den er unter anderem als “inspirierenden Staatsmann” würdigte. “Er wird schmerzlich vermisst werden.”

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Annan als “sanften, aber hartnäckigen Kämpfer für Frieden und Menschenrechte”, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als “herausragenden Staatsmann im Dienste der Weltgemeinschaft”. Die britische Premierministerin Theresa May sagte, er habe dazu beigetragen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa würdigte den Ex-UNO-Chef als großen Anführer und außergewöhnlichen Diplomaten, der Afrika mehr Gewicht in den Vereinten Nationen gegeben habe. Ghanas Staatschef Nana Akufo-Addo erklärte, Annan habe “erheblich zum Ruf unseres Landes beigetragen”. Für den südafrikanischen Friedensnobelpreisträger und früheren Erzbischof Desmond Tutu war Annan ein “bemerkenswerter Mensch”, der Afrika und die Welt hervorragend vertreten habe.

Annan wurde 1938 als Sohn eines ranghohen Mitarbeiters des britisch-niederländischen Konzerns Unilever in Kumasi in Ghana geboren. Er studierte unter anderem in den USA und war danach für einige Jahre Tourismus-Direktor in Ghana. Anschließend arbeitete Annan mehr als 40 Jahre lang für die Vereinten Nationen. 1993 wurde er Chef der UNO-Friedenseinsätze.

In diese Zeit fielen zwei der schwersten Krisen der Vereinten Nationen. Beim Völkermord in Ruanda töteten Angehörige der Volksgruppe der Hutu zwischen April und Juli 1994 Schätzungen zufolge etwa 800.000 Menschen – trotz der Präsenz von UNO-Blauhelmsoldaten. 1995 konnte die UNO das Massaker von Srebrenica im Bosnien-Krieg mit tausenden Toten nicht verhindern.

1997 wurde Annan zum Generalsekretär der Vereinten Nationen gewählt – eine Wahl, die er dem US-Veto gegen seinen Vorgänger, den Ägypter Boutros Boutros-Ghali, zu verdanken hatte. 2001 erhielt Annan den Friedensnobelpreis für seinen Einsatz für eine “besser organisierte und friedlichere Welt”.

In seine Zeit als UNO-Generalsekretär fiel auch der Irak-Krieg im Jahr 2003. Das Ende seiner zweiten Amtszeit wurde von der Korruptionsaffäre um das Öl-für-Lebensmittel-Programm überschattet. Dieses erlaubte es dem Irak unter Saddam Hussein zwischen 1996 und 2003, trotz der UNO-Sanktionen eine begrenzte Menge Erdöl auszuführen und im Gegenzug Lebensmittel und Medikamente zu importieren. Ein Untersuchungsausschuss sprach Annan später vom Verdacht ernster Verfehlungen frei.

2012 wurde Annan Sonderbeauftragter der UNO und der Arabischen Liga für Syrien. Nach fünf Monaten gab er das Mandat zurück.

Nachdem er den UNO-Vorsitz abgegeben hatte, engagierte sich Annan in seiner Stiftung, die gutes Regieren und die Modernisierung der afrikanischen Landwirtschaft förderte. Er sei nach kurzer, schwerer Krankheit in Bern gestorben, teilte die Organisation mit. Seine letzten Tage habe er im Kreise seiner zweiten Frau Nane und der Kinder Ama, Kojo und Nina verbracht.

Annan, der sich selbst als unverbesserlichen Optimisten bezeichnete, sagte in einem BBC-Interview zu seinem 80. Geburtstag: “Die UN können verbessert werden, sie sind nicht vollkommen. Aber wenn sie nicht existieren würden, müsste man sie erfinden.”

Von: APA/ag.

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