Die Grande Nation kommt nicht zur Ruhe

Wieder Gewalt bei “Gelbwesten”-Protesten in Frankreich

Samstag, 09. Februar 2019 | 22:12 Uhr

Rund drei Monate nach Beginn der Proteste ist es bei “Gelbwesten”-Demonstrationen in Paris erneut zu Ausschreitungen gekommen. Besonders vor der Nationalversammlung gab es am Samstag Zusammenstöße zwischen “Gelbwesten”-Aktivisten und den Sicherheitskräften. Dabei wurde mindestens ein Mensch schwer verletzt. Tausende gingen neben Paris unter anderem in Bordeaux, Toulouse und Lyon auf die Straße.

Am Samstag versammelten sich in Paris und in anderen französischen Städten zum 13. Mal “Gelbwesten”, um gegen die Politik der Regierung von Präsident Emmanuel Macron zu demonstrieren. Die Bewegung hatte im November mit Protesten gegen geplante Benzinpreiserhöhungen begonnen, richtet sich inzwischen aber allgemein gegen die Reformpolitik der Mitte-Regierung Macrons. Ihren Namen hat die Bewegung von den gelben Warnwesten, die die Demonstranten tragen.

Einige “Gelbwesten”-Aktivisten sollen in Paris versucht haben, Zäune am Eingang der Nationalversammlung – dem Unterhaus des französischen Parlaments – zu durchbrechen, wie der Sender Franceinfo berichtete. Sicherheitskräfte versuchten, das zu verhindern.

Dabei kam es zu Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften, bei denen sich ein Mensch sehr schwer an der Hand verletzt hat. Der Sender BFM TV berichtete unter Berufung auf die Polizeipräfektur, dass der Mann mindestens vier Finger verloren habe. Das Opfer trug keine gelbe Weste, es soll sich aber um einen Fotografen der “Gelbwesten” handeln. Die genaue Ursache war noch unklar, Berichten zufolge soll eine Blendgranate für die Verletzung verantwortlich sein.

Die Demonstranten zogen am Nachmittag weiter auf der linken Seine-Seite in Richtung Champ de Mars, der großen Grünfläche vor dem Eiffelturm. In der Gegend ging am frühen Abend ein Auto der Anti-Terror-Operation Sentinelle in Flammen auf. “Die Soldaten der Mission Sentinelle schützen unsere Landsleute täglich vor dem Risiko des Terrorismus. Diese Angriffe sind unerträglich”, schrieb Innenminister Christophe Castaner auf Twitter.

Auf TV-Bildern waren brennende Fahrzeuge und eingeschlagene Scheiben in der französischen Hauptstadt zu sehen. Die Polizei setzte Tränengas ein. Zahlreiche Demonstranten zogen aber auch friedlich in Paris und anderen Städten durch die Straßen. Bis zum Abend zählte das Innenministerium 51.400 Demonstranten im ganzen Land, davon rund 4.000 in Paris. Am vergangenen Wochenende waren es 58.600 landesweit und 10.500 in der Hauptstadt. Dutzende Menschen wurden festgenommen.

Nach dem versuchten Brandanschlag auf das Haus des Präsidenten der französischen Nationalversammlung hat Innenminister Christophe Castaner Stimmungsmache gegen Repräsentanten der Demokratie angeprangert. “Vielleicht ist es Zeit, mit der Gewalt aufzuhören”, sagte Castaner am Samstag bei einem Besuch im nordfranzösischen Arcueil.

“Vielleicht ist es an der Zeit, das systematische Infragestellen von Repräsentanten der Demokratie, das systematische Infragestellen von unseren Ordnungskräften zu beenden.” Der Vorsitzende der Nationalversammlung, Richard Ferrand, hatte am Freitagabend Anzeige erstattet wegen des vorsätzlichen Versuchs, sein privates Domizil in der Bretagne in Brand zu stecken. An einem “kriminellen Ursprung” dieses Vorfalls gebe es “keinen Zweifel”, erklärte der Politiker, der der Partei La Republique en Marche (Die Republik in Bewegung) von Präsident Emmanuel Macron angehört.

Wegen Ausschreitungen im Zuge der seit November andauernden “Gelbwesten”-Proteste gegen Macron seien die französischen Sicherheitskräfte “präsent”, sagte Castaner. Ihm wäre es lieber, wenn sich die Sicherheitskräfte auf die alltäglichen Probleme der Franzosen konzentrieren könnten “und nicht auf die Handhabung einiger Personen, denen es im Grunde darum geht, unseren Sicherheitskräften zu schaden, unseren Institutionen zu schaden” oder “Parlamentarier zu bedrohen”.

Von: APA/ag.

Kommentare

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9 Kommentare auf "Wieder Gewalt bei “Gelbwesten”-Protesten in Frankreich"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
m69
m69
Kinig
7 Tage 2 h

MACRON, ich glaube er sollte sich lieber um seine Franzosen kümmern, als gegen italienische Politiker zu wettern!

Dagobert
Dagobert
Universalgelehrter
7 Tage 1 h

Wen meinst du mit italienische Politiker? Etwa diese in Rom die nur rumpöbeln, aber einen Maduro unterstützen?

falschauer
falschauer
Superredner
7 Tage 2 Min

was ersteres betrifft hast du recht, die provokationen der herren aus rom, können jedoch nicht unwidersprochen bleiben

Neumi
Neumi
Universalgelehrter
6 Tage 23 h

Dann sollten die italienischen Politiker sich von den französischen Bürgern fernhalten. Auf privater Ebene dürfen sie kontaktieren, wen sie wollen, aber als italienische Politiker haben sie gefälligst über die offiziellen Kanäle zu gehen oder gleich in Italien zu bleiben.

Neumi
Neumi
Universalgelehrter
6 Tage 23 h

Ich erinnere an dieser Stelle mal daran, mit welcher Wehemenz während der Doppelpassdiskussion italienischen Politikern vorgeworfen wurde, sie sollen sich gefälligst um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern und nicht in die Angelegenheiten Österreichs einmischen, das würde sie nichts angehen (obwohl es um italienische Staatsbürger geht). Wann hat sich das geändert? Seit wann wird die Einmischung italienischer Politiker in außerstaatliche Angelenheiten gutgeheißen?

nightrider
nightrider
Superredner
6 Tage 10 h

Das gilt aber auch für italienische Politiker. In Italien gibts es genug Baustellen die aufgeräumt werden müssten. Da braucht niemand die Nase in die Angelegenheiten der andern zu stecken.

typisch
typisch
Universalgelehrter
7 Tage 1 h

Nur einer verletzt, wer das glaubt

nightrider
nightrider
Superredner
6 Tage 10 h

Du glaubst sowieso nur das was dir in den Kram passt.

zombie1969
zombie1969
Universalgelehrter
6 Tage 10 h

Man darf hier nicht vergessen, dass eine in Prozenten kaum auszudrückende Minderheit ausserhalb jeglicher demokratischer Regeln und teilweise mit schwerer Gewalt versucht ihre Ziele durchzudrücken. Fatal wenn das jeder Andersdenkende machen würde. Die Polizei setzt hier lediglich die Interessen der gewählten Mehrheit konsequent durch. 
Vielleicht sollten die sogenannten “Gelbwesten” es mal friedlich versuchen.

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