Immer mehr Todesopfer unter Demonstranten in Myanmar

Wieder Schüsse in Myanmar – 550 Tote seit Putsch

Samstag, 03. April 2021 | 13:33 Uhr

Bewaffnete Einheiten des Militärregimes in Myanmar haben örtlichen Quellen zufolge am Samstag erneut das Feuer auf oppositionelle Demonstranten eröffnet und fünf Menschen getötet. Drei Menschen starben, als Sicherheitskräfte in der Stadt Monywa in eine Menschenmenge schossen, wie der Nachrichtendienst Myanmar Now meldete. Nach Angaben der Menschenrechtsvereinigung AAPP vom Samstag haben Polizei und Armee seit dem Militärputsch am 1. Februar 550 Menschen getötet.

Unter den Getöteten sind laut der Assistance Association for Political Prisoners (AAPP) 46 Kinder. Die am Samstag bekannt gewordenen Opfer waren dabei noch nicht mitgezählt.

“Sie feuerten ununterbrochen mit Blendgranaten und scharfen Schüssen”, teilte einer der Demonstranten der Nachrichtenagentur Reuters via Messaging-App mit. Vor seinen Augen sei ein Mensch von einer Kugel in den Kopf getroffen worden. Auch in den Städten Bago und Thaton wurde jeweils ein Mann erschossen, wie das Bago Weekly Journal online berichtete.

Staatsmedien berichteten am Freitagabend, gegen 18 prominente Menschen aus dem Fernsehen, den Sozialen Medien sowie der Presse seien Vorwürfe erhoben worden, weil sie Mitglieder der Armee zur Meuterei oder Missachtung von Befehlen aufgerufen haben sollen.

Mehr als 12.000 Menschen mussten Ende März vor Luftangriffen des Militärs im östlichen Staat Karen an der Grenze zu Thailand aus ihren Dörfern fliehen, wie die Gruppe Karen National Union (KNU) am Freitag mitteilte. Sie gehört zu den größten bewaffneten ethnischen Gruppen in Myanmar. Diese Angriffe hätten zu einer “großen humanitären Katastrophe” geführt, hieß es. Die Gruppe forderte von der internationalen Gemeinschaft einen Verkaufsstopp von Waffen und Technologie sowie Sanktionen gegen das Militär.

Junta-Sprecher Zaw Min Tun wies die Angaben der Karen-Rebellen zurück. Das Militär habe nur die Einheit der KNU angegriffen, die den Militärstützpunkt angegriffen und die Soldaten getötet habe. Nur an diesem Tag habe es auch einen Luftangriff gegeben, sagte der Sprecher, der auf ein landesweit geltendes Waffenstillstandsabkommen verwies.

Seit das Militär die Macht übernommen hat, gehen Bürger des Landes fast täglich auf die Straße, um für die Wiedereinsetzung der demokratisch gewählten Regierung zu demonstrieren. Die abgesetzte Regierungschefin Aung San Suu Kyi wird vom Militär festgehalten. Weil das Regime regelmäßig gewaltsam gegen Demonstrationen vorgeht und das Internet weitgehend abgeschaltet hat, geht die Oppositionsbewegung zunehmend zu kleineren, kurzfristigen Straßenprotesten über und kommuniziert etwa per SMS, Telefon oder Funk.

Das Vorgehen des Militärregimes ist international auf scharfe Kritik gestoßen, etwa von den USA, EU-Staaten und Vertretern der Vereinten Nationen. China, das enge Beziehungen zu seinem Nachbarland pflegt, hat sich hingegen zurückhaltend geäußert. Zuletzt wurden auch Sorgen vor einem Bürgerkrieg und einem Zerfall der staatlichen Ordnung in Myanmar laut.

Am Donnerstag hatte der UN-Sicherheitsrat die anhaltende Gewalt im früheren Burma verurteilt. Das Militär solle äußerste Zurückhaltung üben, teilte das mächtigste Gremium der Vereinten Nationen mit. Auch bekräftigte der Rat seine Forderung nach der Freilassung von Regierungschefin Aung San Suu Kyi und Präsident Win Myint. Die Stellungnahme des 15-köpfigen Gremiums dürfte an der eskalierenden Lage in Myanmar kaum etwas ändern. Vor allem China hatte sich Diplomatenangaben zufolge gegen schärfere Formulierungen gesperrt.

Von: APA/Reuters/dpa/AFP

Kommentare

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4 Kommentare auf "Wieder Schüsse in Myanmar – 550 Tote seit Putsch"


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Calimero
Calimero
Universalgelehrter
14 Tage 8 h

Wo bleibt der Aufschrei des Westens bei dieser humanitären Katastrophe ?

elvira
elvira
Universalgelehrter
14 Tage 6 h

wo bleib do die solidarität seitens der eu, usa, die restliche welt? für die demonstranten, für die bevölkerung?
solidarität wert jo seid corona angeblich groass gschriebn

Entequatch
Entequatch
Neuling
13 Tage 23 h

Ach china ist entscheidet gegen irgendweche massnahmen und die ONU schweigt erbärmliches unnutzes Organ.

Peerion
Peerion
Tratscher
11 Tage 5 h

China interessieren nicht die Machtverhältnisse in Myanmar solange die eigenen Interessen nicht gefährdet sind. Und das sind sie nicht mit dieser Junta. Im Gegenteil. China interessiert nur die Ruhe für seinen Einfluss und andere Geschäfte, und diese herrscht auch auf Leichenbergen, wenn es sein muss.

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